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Medien & TV Die Krönung: Mehr Mensch als Dschungel
Nachrichten Medien & TV Die Krönung: Mehr Mensch als Dschungel
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16:36 30.01.2011
Peer Kusmagk ist Dschungelkönig. Quelle: dpa
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Ein Affe ist der erste, den der neue „Dschungelkönig“ drückt und küsst. Kuscheltier „Schotti“ sieht lädiert aus, trägt einen Verband am Kopf. Auch Peer Kusmagk ist nach 16 Tagen Dschungelcamp nicht mehr der Frischeste. Als der 35-Jährige am Samstagabend den zum Markenzeichen gewordenen Zylinder gegen die Blumenkrone tauscht, strahlt er. Glücklich, dass es vorbei ist. „Dass die gefährlichsten Tiere dann doch Homo sapiens heißen, dass war mir dann doch eine Überraschung“, sagt der Schauspieler und Moderator.

Tatsächlich war das wirklich Besondere in der fünften Staffel von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - wie Ex-Dschungelkönigin Désirée Nick treffend formulierte - „die grausamste Bestie von allen“: der Mensch. Die Sozialdramen im Pritschenlager drängten den Dschungel in den Hintergrund. Und brachten RTL Rekord-Einschaltquoten mit zeitweise mehr als acht Millionen Zuschauern, trotz des sonst kaum geänderten Konzepts der Show. Das Finale sahen gut 8,9 Millionen Menschen - mehr als ein Drittel aller Fernsehzuschauer zu dieser Zeit.

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Das Konzept ist inzwischen sieben Jahre alt. Die Moderatoren lästerten wie gewohnt mit viel Wortwitz, den Beobachter oft nur mit Nachdenken und Hintergrundwissen verstehen. Dabei machten Sonja Zietlow und Dirk Bach selbst vor ihrem Arbeitgeber und Kollegen keinen Halt.

Wenig neues auch an der Ekelfront: Zum einen, weil Model Sarah Knappik bei ihrem Dschungelprüfungs-Marathon in der ersten Woche um fast alle nichtmenschlichen Lebensformen einen großen Bogen machte. Zum anderen, weil die Schock-Momente fehlten. Die meisten Aufgaben waren bekannt - oft schon wurden Tierhoden zerkaut, wurde mit Schleim und Maden geduscht. Auch Zickenkrieg und Streit gab es immer.

Aufmerksamkeit weckte der öffentlich ausgesprochene Vorwurf, dass einer der „Promis“ mit Selbstdarsteller-Erfahrung bloß eine Rolle spiele. Das regte Camper, Zuschauer und Feuilletonisten zu hitzigen Diskussionen an. Die „taz“ stellte gar den aufklärenden Charakter der Show im Sinne Bertolt Brechts heraus: „Das Dschungelcamp ist unfreiwillig in eine Metaebene gerutscht und reflektiert sich plötzlich selbst als Format.“

Die Gruppendynamik eskalierte erstmals so sehr, dass sich fast die gesamte Horde gegen ein Mitglied verschwor - und ausgerechnet die Jüngste und vermeintlich psychisch Labilste attackierte. Sarah hatte Sänger Jay Khan vor allen anderen beschuldigt, nach einem zuvor ausgeheckten Plan Liebeleien zu inszenieren.

Im Internet begannen die Diskussionen: Wie echt sind seine Gefühle für Sängerin Indira Weis? Jays angestrengter Versuch war gescheitert, als frauenliebender Adonis sämtliche Gerüchte auszuräumen, er sei schwul. RTL gab alles, um die Spekulationen anzuheizen: Die Kameras beobachteten Jay beim Knutschen mit Indira im See, wobei er offenbar mehr um die perfekte Pose bemüht war. Die Mikros belauschten ihn beim Anweisen, wer in Interviews später was zu sagen habe. Für Tage rückte der Dschungel beiseite, war nur noch Kulisse. Der Kölner Privatsender strahlte die tägliche Schatzsuche immer seltener aus. Es interessierten bloß noch die Menschen.

Und was hat’s den Kandidaten gebracht? Jacob-Sister Eva zehn Kilo weniger. Jay landete nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus. Knappik entdeckte nach ihrem freiwilligen Auszug „die Sarah, die in mir drin lebt“. Und Rainer Langhans kassiert angeblich 50.000 Euro für die Erkenntnis, dass RTL beim täglichen Zusammenschneiden des 24-stündigen Dschungeltreibens die Camp-Realität verzerrt: eine „billige Zoff-, Läster- und ich-weiß-nicht-was-Krawall-Show“.

Zum Abschluss der Staffel kletterte Peer auf den Thron. Und im Rückblick ist die Wahl eine logische Konsequenz: Peer wirkte während der Staffel am menschlichsten. Er heulte. Er nervte. Er stellte sich beim Streit mit Sarah auf keine Seite, wurde dafür von der Gruppe ausgegrenzt. Und saß am Ende allein im Camp - mit „Schotti“.

dpa

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