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Medien & TV Die Unerreichbare: Jessica Schwarz als Romy Schneider
Nachrichten Medien & TV Die Unerreichbare: Jessica Schwarz als Romy Schneider
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19:03 10.11.2009
Von Stefan Stosch
Rauchen wie ein Weltstar: Jessica Schwarz als Romy Schneider. Quelle: ddp
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Die Filmtitel klingen allesamt verdächtig nach Anbiederung: Marlene Dietrich wurde im Kino zu „Marlene“ (2000), Hildegard Knef noch knapper zu „Hilde“ (2009), und jetzt heißt Romy Schneider in Torsten C. Fischers ARD-Fernsehfilm einfach „Romy“. So als würden die deutschen Diven uns allen gehören, als könnte man mal eben auf einen Nachmittagsplausch bei einem Weltstar vorbeischauen.

Dabei strebten doch alle drei mit wachsender Verzweiflung danach, ihr Leben zu schützen gegen das Bild, das sich die Öffentlichkeit davon machte. Alle drei flüchteten – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen – aus Deutschland, und die Deutschen nahmen ihnen die Flucht übel. Genutzt hat es wenig: Jetzt wird wieder die Biografie eines deutschen Stars im Fernsehen geglättet.

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Fischer macht es allerdings ein bisschen anders und ansatzweise besser als die Regiekollegen Josef Vilsmaier („Marlene“) und Kai Wessel („Hilde“). Zumindest anfangs wagt er es, die übliche Chronologie aufzubrechen. Er setzt eine Krankenhausszene zwei Jahre vor Romy Schneiders Tod ins Zentrum. Dann versucht er zusammen mit Drehbuchautor Benedikt Röskau (der auch das Skript zum ARD-Film „Contergan“ schrieb), aus den Träumen und Tragödien einer jungen Frau ein Leben zu destillieren, das dem von Romy Schneider nahekommen könnte.

Die Idee ist gut: Erst muss man eine Legende zerstören, um die Frau dahinter zu entdecken. Fischer arbeitet an der gezielten Verunsicherung des Publikums: Er verwendet Super-8-Aufnahmen, filmt mit antiquarischem Kameragerät, um bloß nicht in Historienmalerei zu erstarren.

Doch ziemlich bald verlässt die Filmemacher der Mut, die übliche Fernsehdramaturgie holt sie wieder ein. Vielleicht gibt es auch einfach zu viel zu erzählen aus diesem Leben: von Romy Schneiders Kindheit bei den Großeltern in Berchtesgadener Bergidylle und von der Sehnsucht nach den dauernd abwesenden, weil anderswo schauspielernden Eltern Magda Schneider (Maresa Hörbiger) und Wolf Albach-Retty (Karlheinz Hackl). Vom Zwangskorsett der „Sissi“-Rolle, der Romy Schneider erst durch ihren Aufbruch nach Paris entkommt. Von ihrem Ruhm im französischen Kino („La Schneider!“), ihrer Arbeit mit Luchino Visconti und Claude Sautet und ihrer Angst, den Ansprüchen nicht zu genügen. Von ihrem Versuch, wieder Anschluss ans neue deutsche Kino zu bekommen, das jedoch mit der „Exilantin“ nichts anzufangen weiß. Von ihren unglücklichen Ehen und noch unglücklicheren Trennungen. Und von ihren gescheiterten Versuchen, mit Tabletten und Alkohol Halt zu finden.

Das alles ist in 104 Fernsehminuten nicht zu schaffen. Bald werden die Lebensstationen nur noch abgehakt, wechseln Personen und Schauplätze im Akkordtempo. Den Unfalltod von Sohn David entrückt der Regisseur mit einem Kameraschwenk auf die Spitzen eines Gitterzauns ins beinahe Symbolische. Nun ist er endgültig in die Falle getappt: Fischer vertraut nicht mehr seiner Erzählung, sondern auf das Vorwissen der Zuschauer.

Eine Nebenfigur zumindest hat in diesem eiligen Film starke Auftritte: Thomas Kretschmann wird als verbitterter Ehemann Harry Meyen eine Persönlichkeitsentfaltung zugestanden, zerrissen zwischen seinen Traumata als KZ-Überlebender und Besitzansprüchen gegenüber seiner viel erfolgreicheren Frau. Kretschmann ist kaum mehr als er selbst zu erkennen. Ansonsten haben die Maskenbildner Pech: Auf die äußerliche Verwandlung der Schauspieler in die historischen Figuren wird wenig Wert gelegt. Alain Delon (Guillaume Delorme) beispielsweise hat kaum mehr eine Ähnlichkeit mit dem Original.

Ebenso bleibt es Jessica Schwarz – seit „Das Parfum“ und „Der Rote Kakadu“ eine der gefragtesten deutschen Schauspielerinnen – erspart, sich in eine ­„Romy“-Kopie zu verwandeln. Allerdings: Auch vom inneren Strahlen, vom Erblühen vor der Kamera, das an Romy Schneiders Auftritten bis heute die Zuschauer fasziniert, ist wenig geblieben. Womöglich hat diese Zurückhaltung auch mit den Fallstricken zu tun, die in dem Projekt lauerten. Regisseur und Drehbuchautor mussten Obacht geben, Persönlichkeitsrechte nicht zu verletzen. Das „Romy“-Konkurrenzprojekt mit Yvonne Catterfeld in der Hauptrolle ist inzwischen ad acta gelegt.

Den Tod von Romy Schneider im Alter von 43 Jahren im Mai 1982 spart der Regisseur aus. Das wäre nicht weiter schlimm, vielleicht sogar als letztes Zeichen des Respekts zu verstehen, einem deutschen Weltstar ein letztes Rätsel zu lassen – hätte man zuvor mehr von dem gesehen, was Romy Schneider so einzigartig machte.

Filmbiografie eines Weltstars.
 ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr.

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