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Die erste „heute“-Sprecherin ist tot – Texte vorzulesen reichte Wibke Bruhns nicht

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15:05 21.06.2019
Ging kompromisslos ihren Weg: Die Jourenalistin Wibke Bruhns blieb nur 300 Sendungen Sprecherin der ZDF-Nachrichtensendung „heute“. Quelle: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralb
Berlin

Frau auf dem Bildschirm! Die Männer protestierten, nachdem Wibke Bruhns am 12. Mai 1971 die Spätausgabe von „heute“ im ZDF gelesen hatte. Das emanzipatorische Umwälzjahr 1968 war noch nicht überall im deutschen Westen angekommen. Frauen sollten sich nicht um Politik kümmern sondern gefälligst um das traute Heim, das Abendessen des Mannes.

Wibke Bruhns – Vorbild für Journalistinnen von heute

„Mit dem Mut einer Pionierin“ überschrieb die „Frankfurter Rundschau“ im Vorjahr entsprechend ihre Verneigung vor Bruns zu deren 80. Geburtstag – vor dem „Vorbild einer Generation von Journalistinnen wie etwa Dunja Hayali oder Claudia Neumann im ZDF, die sich heute wieder übelster Angriffe erwehren müssen“.

Jetzt ist die Journalistin gestorben, die strikt ihrem Moralkompass folgte, die 1960 ihr Volontariat bei der „Bild“ abbrach, weil ihr die politische Ausrichtung des Boulevardblatts missfiel. Beim ZDF ging es über das Nachmittagsmagazin „Drehscheibe“ zu „heute“. Nach 300 Sendungen ging sie auch hier selbstbewusst weiter: „Anderer Texte vorzulesen ohne eigene Interpretation war mein Ding nicht.“

Aus der Vorleserin wurde eine gewichtige eigene Stimme

Ihr Engagement für Willy Brandts Wahlkampf war heiß umstritten. Man sagte ihr eine Affäre mit dem SPD-Mann nach, was sie dementierte und mit Prozessen beantwortete. Beim„Stern“ blieb sie 14 Jahre, ging erst als Korrespondentin nach Jerusalem, dann nach Washington, gewann den Egon-Erwin-Kisch-Preis für eine Reportage über das Vietnam-Denkmal.

Dann kam die WDR-Talkshow „Drei nach Mitternacht“. Zwei Kinder zog sie groß. Aus der Vorleserin war derweil eine der gewichtigen Stimmen des westdeutschen Journalismus geworden. Die 1995 Kulturchefin des Ostdeutschen Rundfunks Brandeburg wurde. 200o war sie Sprecherin der Expo in Hannover.

Bücher schrieb sie auch noch zwischendurch. Das bewegendste ist „Meines Vaters Land“, über ihre Familie, die Suche nach ihrem Vater, der eine Leerstelle war in ihrem Leben, der vom glühenden Nazi zum Mitwisser des 20.-Juli-Attentats wurde und in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee starb.

Von Matthias Halbig/RND

Wibke Bruhns ist als erste Nachrichtenfrau im ZDF berühmt geworden. Jetzt ist die Journalistin im Alter von 80 Jahren gestorben.

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