Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Nicht nur auf eine Zigarette
Nachrichten Medien & TV Nicht nur auf eine Zigarette
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:10 21.12.2013
Von Tatjana Riegler
Die Zigarette darf nicht fehlen: Altkanzler Helmut Schmidt. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die Zigarette qualmt, natürlich. Wenn der berühmteste Raucher der Republik redet, darf die Kippe nicht fehlen. Dann knistert Seidenpapier, im Hintergrund atmet er kaum vernehmbar aus. Seine Augen hinter der Brille wandern hellwach hin und her, zwischendurch immer wieder mal ein Räuspern.

Helmut Schmidt öffnet sein privates Fotoalbum. Blättert, erzählt, denkt nach. Beantwortet die Fragen von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der ihn nach der Kolumnenreihe „Auf eine Zigarette“ nun fürs Fernsehen interviewt hat. Und spätestens, als sich die Fotos in bewegte Bilder wandeln, ist klar, dass es sich hier nicht um ein gewöhnliches Porträt handelt: Das DokudramaLebensfragen“, das das Erste am Montag zum 95. Geburtstag des Altkanzlers zeigt, ist eine geschickt inszenierte, stimmungsvolle Collage, die Helmut Schmidt so nahe kommt wie kein Film zuvor. So nahe es ein Hanseat eben zulässt.

Anzeige

Den Reiz macht der Wechsel zwischen Interview und Spielszenen aus. Sie zeigen den Sozialdemokraten in allen Lebensphasen von der Kindheit bis heute. Schmidt als Sechsjähriger, der vom Vater nach einem Fahrradsturz keinen Trost erhält („Er war abweisend, kühl.“). Als Teenager, der in die Hitlerjugend eintreten will. Als junger Soldat, der sich von seiner Freundin verabschiedet („Für mich war das Wichtigste Loki. Das habe ich gewusst, als ich nach Russland musste“). Als Politiker auf der Hamburger und Bonner Bühne in seinen wichtigsten Jahren. Und schließlich als meinungsfreudiger und wortgewaltiger Altkanzler, der mit der ebenso alternden Loki am Brahmsee herumalbert. Fünf Schauspieler, zuletzt Peter Striebeck, schlüpfen in die Rolle Schmidts.

Nicht rumjammern, sich Aufgaben stellen und diese pflichtbewusst erfüllen – „Lebensfragen“ beleuchtet die Schlüsselmomente in Schmidts Leben, die sein späteres entschlossenes, unnachgiebiges Denken und Handeln erklären. Doch hier geht es nicht um politische Bilanzen, hier geht es um Werte, um Menschliches. Der Mann, der seine Gesprächspartner bei unerwünschten Themen gern mit seiner berühmten Schnoddrigkeit abblitzen lässt, gewährt ungewöhnlich tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Wenn er über das Töten im Krieg spricht etwa, über Philosophisches oder den Tod. „Ihr habt das gar nicht so gemerkt, dass es mir nach Lokis Tod schlecht ging. Ich war ein Jahr nicht sonderlich brauchbar“, ist einer dieser bemerkenswerten Sätze. Ebenso bemerkenswert ist die Schlussszene, in der Schmidt neben seiner neuen Lebensgefährtin Ruth Loah einen Rollator schiebt. Sie zeigt einen alten, verletzlichen Mann, auch dieses Bild ist selten.

Weshalb auch der forsche „Schmidt-Schnauze“ das letzte Wort dieser Zeitreise hat: „Die Zigarette schmeckt immer noch.“ Natürlich.

Medien & TV „Rocket Man“ gewinnt Castingshow - Andreas Kümmert ist „The Voice of Germany“
21.12.2013
Medien & TV Harald Schmidts langer Abschied - „Dann war's das“
20.12.2013
20.12.2013