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Medien & TV Dokumentation „Das Steinzeitrezept“ läuft in der ARD
Nachrichten Medien & TV Dokumentation „Das Steinzeitrezept“ läuft in der ARD
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19:31 09.05.2011
Der moderne Steinzeitmensch vertraut auf Obst, Eier und Gemüse und lehnt Getreideprodukte gänzlich ab. Quelle: ARD
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Unsere Kühlschränke sind immer gut gefüllt. Wir leiden keinen Hunger, und unsere Ernährung enthält meist genügend Proteine, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe. Für die Gesundheit geben moderne Menschen Unsummen aus und klagen dennoch über vielfältige Schmerzen und Beschwerden. Allergien, Kopf- und Rückenschmerzen quälen viele: Die Ärzte sprechen von Zivilisationskrankheiten.

Wenn es aber die selbst geschaffenen Lebensbedingungen sind, die krank machen, dann müssten wir sie beseitigen können, indem wir uns auf unsere Ursprünge besinnen. Tilman Achtnich hat für seinen Film „Das Steinzeitrezept – Wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen“ Wissenschaftler befragt, die sich mit dem Thema Evolution befassen, und Menschen besucht, die ihre Ernährung dem Speisezettel der menschlichen Urahnen angepasst haben.

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Bezogen auf die Evolution ist die Geschichte der menschlichen Zivilisation kurz und die der modernen Industriegesellschaft geradezu winzig. Die Körper heutiger Menschen aber sind vor Jahrmillionen für die Bedingungen der Steinzeit optimiert worden. Die Steinzeit, so stellt Achtnich in seinem Film fest, steckt in uns. Der Mensch ist nicht vorbereitet auf Asphaltstraßen, Absatzschuhe und stundenlanges Sitzen auf Bürostühlen; deshalb leiden wir. Oft entwickeln schon Kinder Allergien und Fehlbildungen.

Um die Distanz zwischen der Körperlichkeit und der modernen Umgebung zu verdeutlichen, schickte Achtnich „Steinzeitmenschen“ in Tierfellen und mit Keulen bewaffnet über den Stuttgarter Schlossplatz. Heraus kamen skurrile Bilder, die zum Nachdenken anregen. Um Rezepte zu finden, wie wir unser Leben besser an unsere körperlichen Gegebenheiten anpassen können, sprach Achtnich mit Evolutionsmedizinern wie Detlev Ganten. Der ehemalige Chef der Berliner Charité klagt darüber, dass zu viele Krankheiten behandelt werden, anstatt ihr Entstehen durch eine geänderte Lebensweise zu verhindern.

Eine Ursache vieler Leiden ist, dass moderne Menschen Muskeln und Knochen zu wenig trainieren. Das Essen ist zu weich, deshalb deformieren viele Kiefer. Die meisten bewegen sich zu wenig, die Muskulatur erschlafft, und das schädigt die Bandscheiben. Außerdem bekommen viele Menschen Übergewicht und Verdauungsprobleme.

Der pensionierte Professor Art De Vany aus Utah und der schwedische Arzt Staffan Lindeberg, die in der Doku vorgestellt werden, schwören auf eine Lebensweise nach Rezepten aus der Vorzeit: Brot, Nudeln, Reis – sämtliche Getreideprodukte haben sie von ihren Speisezetteln gestrichen. Sie ernähren sich nur von Gemüse, Obst, Salat, Eiern, Fleisch und Fisch. Dazu kommt viel Bewegung. Steinzeitguru De Vany läuft täglich in wechselndem Tempo durch die Wüste, um das Jagdverhalten nachzuahmen. Seltsam zwanghaft allerdings wirkt es, wenn er dabei seinen Geländewagen am Strick hinter sich herzieht. Das soll das Heimschleppen eines zentnerschweren erlegten Bisons simulieren.

Über derlei Kuriositäten hinaus bietet der leicht provokante Film viel Stoff zum Nachdenken – und Anregungen, wie wir dem Steinzeitmenschen in uns eine Freude machen können. Sicher ist: Weniger Zucker und Salz, gut gekautes Essen und viel Bewegung helfen, gesund zu bleiben.

„Das Steinzeitrezept“ | ARD
Dokumentation
Mittwoch, 11. Mai, 23.30 Uhr

Monika Herrmann-Schiel