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12:18 02.07.2013
Foto: „Meisterdiebe im Diamantenfieber“, Dokumentation, Mittwoch, 2. Juli 2013 , 22.45 Uhr ARD.
„Meisterdiebe im Diamantenfieber“, Dokumentation, Mittwoch, 2. Juli 2013 , 22.45 Uhr ARD. Quelle: SWR
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Das Thema faszinierte auch die britische Filmemacherin Havana Marking. Sie ließ nicht locker, bis sie mehrere Bandenmitglieder dazu bewegen konnte, vor der Kamera über ihre Machenschaften zu sprechen. Der daraus entstandene Dokumentarfilm „Meisterdiebe im Diamantenfieber“, den das Erste heute Abend zeigt, bietet vor allem deshalb einen außergewöhnlichen Blick hinter die Kulissen des kriminellen Gewerbes.

In 90 Minuten erzählt der Film die Geschichte der erfolgreichsten Juwelendiebe der Welt, die seit dem Jahr 2000 unzählige Überfälle verübten. Ein Überwachungsvideo zeigt einen Raubzug in Dubai, bei dem die Gauner mit Autos in ein luxuriöses Einkaufszentrum rauschten, mit gezückter Waffe die Preziosen rafften und dann wieder wegdüsten.

Ein anderes Mal nutzten sie in Spanien den Lärm eines religiösen Festivals, um unbemerkt die Wand zu einem Tresorraum zu durchbrechen. Geschwindigkeit sei Trumpf gewesen, sagt ein Bandenmitglied: „Ein Überfall, der länger als 22 Sekunden dauert, ist ein Risiko.“ Der Dieb berichtet, dass die Juwelierläden in Städten wie Genf, Monaco, Tokio oder Los Angeles teilweise Monate vor der Tat ausspioniert, Überfall und Flucht genau geplant worden seien: Wenige Stunden nach dem Beutezug waren die Täter schon in einem anderen Land.

Eine besonders wichtige Rolle hatten die Frauen in den perfekt organisierten Zellen: Als Kundschafterinnen mussten sie besonders attraktiv sein, um den Männern den Kopf zu verdrehen. Eine frühere Diebin berichtet, wie sie sich mit Designerfummeln, Pelzen und Schmuck als potenzielle Kundin ausgab und zur Not auch mal einen Ladenbesitzer in sich verliebt machte: Es sind Geschichten wie aus einem Agentenfilm.

Damit sie von den internationalen Fahndern nicht erkannt werden, sind die Gangster in dem Beitrag nur als kunstvolle Animationen zu sehen – ein Kniff, der dem Dokumentarfilm zusätzlich einen ästhetischen Reiz verleiht. Die Mitglieder der Bande stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien, und der Film setzt die Geschichte der Räuber in Bezug mit der Geschichte des Balkans bis zurück in die Tito-Ära. Fahnder berichten, dass die Täter lange Zeit problemlos in ihren Heimatländern wie Serbien und Montenegro untertauchen und dort unbehelligt leben konnten, teilweise gar als moderne Robin Hoods bewundert wurden, weil sie die Reichen beklauten.

Doch die glänzenden Zeiten sind für die Juwelendiebe inzwischen vorbei. Weil die Behörden der verschiedenen Länder besser zusammenarbeiten, konnten schon etwa 50 Bandenmitglieder verhaftet werden. Zwar gibt es nach wie vor Juwelendiebe aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. Doch die werden von den Gangstern in der Dokumentation als eine neue Generation von Räubern abgetan, die ihren Job längst nicht so professionell erledige wie die wahren „Rosaroten Panther“.

„Meisterdiebe im Diamantenfieber“ | ARD
Dokumentation
heute, 22.45 Uhr

Von Cornelia Wystrichowski

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