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Medien & TV „Ziemlich beste Feinde“
Nachrichten Medien & TV „Ziemlich beste Feinde“
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00:15 04.12.2013
Foto: Ohne ihn hätte es im 19. Jahrhundert gar kein Deutsches Reich gegeben: der französische Kaiser Napoleon Bonaparte. Quelle: ZDF
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Historische Unwahrheiten haben meist eine hohe Halbwertszeit. Die von der Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland etwa: Schon immer, hieß es lange Zeit, seien sich die zwei Nachbarstaaten spinnefeind gewesen. Selbst jetzt, da aus der alten Rivalität fast innige Freundschaft zu werden scheint, sind mit dem neuen Kuschelkurs Jahrhunderte, ach Jahrtausende des Zankens, Haderns, Kriegeführens nicht überwunden. Alles Unsinn? Alles Unsinn! Das behauptet zumindest eine Dokumentarfilmserie, die dem deutsch-französischen Verhältnis gründlich auf den Zahn fühlt.

Denn siehe da: Viele Gegensätze zwischen den vermeintlich gegensätzlichen Völkern nämlich, vermeldet der Zehnteiler „Geliebte Feinde“ auf arte, sind nichts als politische Erfindungen. Entstanden im anschwellenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts, der den Gedanken konsistenter Völker in festen Landesgrenzen erst hoffähig machte. Genährt von Napoleon Bonaparte, dessen Okkupation überhaupt erst half, aus dem Flickenteppich rivalisierender Fürstentümer einen leidlich kompakten Verbund namens Deutsches Reich zu formen. Ignorierend, dass Frankreich zuvor eher England zum Erbfeind hatte und dass Deutschland Preußen war, wenn überhaupt.

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Trotzdem gedeiht das Gerede vom Erbfeind bis heute prächtig im Kanon wirkmächtiger Klischees. Vieles wird dabei gerne vergessen: dass französische Bräuche, französische Dichter, Denker und die Zivilisation des Nachbarlandes jahrelang prägend waren fürs deutsche Selbstverständnis, dass unser Wortschatz vollgestopft mit Gallizismen jeder Art ist, dass der germanische Adel bis zu seiner Entmachtung parlierte, nicht sprach, dass nicht nur Nietzsche alle Literaten außer ein paar Parisern (und ihm selbst, versteht sich) für Idioten hielt und Deutschlands geistige Elite Napoleon für einen Heilsbringer.

Da ist es erfrischend, von den fünf verschiedenen Autoren der Miniserie mit diversen Spielszenen zum verfügbaren Archivmaterial zu erfahren, dass die deutsch-französischen Beziehungen eben nicht erst seit Konrad Adenauer friedlicher wurden und die Pariser Verträge von 1963 weniger Anbahnung als Aussöhnung waren. Und die Moderatorinnen Annette Frier als Germania sowie Antonia Rendinger als Marianne präsentieren das genau mit jener Leichtigkeit, die dem Prozess der Entspannung entspricht. Bei aller weltpolitischen Relevanz zwischen Karl dem Großen und Charles de Gaulle, Revolutionen und Weltkriegen geht es schließlich auch um die Gegensätze des Alltags: vom Weingraben über die Weißbrotmauer bis hin zur Kinogrenze quasi.

Das wirft die Frage auf, wie weit es mit der frankogermanischen Freund-Feindschaft denn kulturell gediehen ist. Was haben sich die Nachbarn im Kleinen zu geben? Am Bildschirm zum Beispiel. Womit man schnell beim ausstrahlenden Sender selbst wäre: arte. Das Gemeinschaftsprogramm ist ja schon qua Statut und Auftrag beiden Bevölkerungen verpflichtet. Und arte hat dabei in den vergangenen 21 Jahren Außergewöhnliches geleistet. Bestand das französische Kulturangebot im deutschen Fernsehen auf den prominenten Sendeplätzen bis dato vornehmlich aus Ulk von Louis de Funès oder Kriminetten mit Jean-Paul Belmondo und eher zu nächtlicher Stunde mal aus anspruchsvollem Film noir bis nouveau, so gelangten nun plötzlich französische Serien wie zuletzt „Odysseus“ oder „Seconde Chance“ zu deutschen Ohren. Dazu Reportagen und Dokumentationen, ja selbst Magazine und Nachrichten. Umgekehrt bekam Romy Schneider, rechts des Rheins einst als „Franzosenflittchen“ verpönt, Kollegen zur Seite, die auch links des Rheins gut ankamen: Daniel Brühl zum Beispiel, in Frankreich hoch geschätzt, Sebastian Koch, Hannelore Elsner oder Benjamin Sadler.

Trotzdem ist noch eine Menge zu tun. Denn anders als angloamerikanisches Fernsehen führt das französische bei uns ein ebensolches Nischendasein wie umgekehrt das deutsche in Frankreich. Sicher, „Ziemlich beste Freunde“ war auch in hiesigen Kinos ein Renner, und die Zeichentrickserie „Es war einmal…“ ist seit Langem ein Dauerbrenner im Kinderprogramm. Insgesamt aber stammt jenseits von a rte nur ein Bruchteil des Programms vom jeweiligen Nachbarn. Daran wird auch „Geliebte Feinde“ nichts ändern. Quel dommage!

Von Jan Freitag

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