Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Dokusoap „Lothar – immer am Ball“ ist gestartet
Nachrichten Medien & TV Dokusoap „Lothar – immer am Ball“ ist gestartet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:28 23.06.2012
Von Patrick Hoffmann
Lothar Matthäus hat vor seiner TV-Serie viel versprochen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Es soll ja tatsächlich noch Menschen geben, die beim Namen Lothar Matthäus zuallererst an Fußball denken, und erst danach an osteuropäische Unterwäschemodels und schlechtes Englisch. Dem Rest der Welt fallen gleich die Models ein, und deshalb ist es auch mit Blick auf die Zielgruppe gar keine blöde Idee von VOX, die neue DokusoapLothar – immer am Ball“ mit einem epischen Rückblick auf die Karriere des Fußballers Matthäus zu beginnen. Viele junge Leute wissen nämlich vermutlich gar nicht mehr, dass der Loddar einmal ein richtig guter Fußballer war. Irgendwann in den achtziger und neunziger Jahren war das, als Spielerfrauen noch gefürchtet und der Libero noch nicht aus der Mode gekommen waren. In dieser Zeit wurde Matthäus deutscher Meister, italienischer Meister, UEFA-Pokal-Sieger, Europameister, Weltmeister und Weltfußballer. Eine beeindruckende Bilanz.

So beeindruckend, dass eine Stimme aus dem Off diese Bilanz gleich zu Beginn der ersten Folge mit jeder Menge Pathos verliest. Und mit jedem erwähnten Titel wird die Fallhöhe noch ein bisschen weiter hinaufgeschraubt. So hoch, dass der anschließend zu beobachtende Sturz des früheren Weltklassespielers selbst den Fußballbanausen vor den Fernsehgeräten wehtun muss.

Anzeige

Aber was war die Idee zu dieser Serie? Seit Jahren schon ist Matthäus’ Privatleben fester Bestandteil der Boulevardschlagzeilen. Jetzt will der 51-Jährige, der viermal verheiratet war, offenbar das Zepter selbst in die Hand nehmen und sein Privatleben ganz ohne Umweg zeigen.
Matthäus, der einst in einem Atemzug mit Fußball-Legenden wie Diego Maradona genannt wurde, tritt damit in die Fußstapfen von Doku-Sternchen wie Daniela Katzenberger („Natürlich blond“). „Sie sollen mich in dieser Doku so kennenlernen, wie ich wirklich bin und nicht, wie ich häufig dargestellt werde“, wird er in der Programmankündigung zitiert. Also nicht nur als gescheiterten Fußballtrainer, der mit Models von einer Party zur nächsten fährt? Falsch: Gleich in der ersten Folge ist zu sehen, wie er mit einem osteuropäischen Unterwäschemodel von einer Promi-Party zur nächsten fährt.

Die Dokusoap soll Einblick in sein Zuhause in Budapest geben. Matthäus erklärt darin zum Beispiel seine ganz persönliche Kühlschrankordnung. „Ich gehe davon aus, dass man viel Neues entdeckt, das man von mir noch gar nicht kennt. Ich bin überzeugt, dass es gewisse Dinge gibt, die man mir gar nicht zutraut“, sagt Matthäus. Und dann sieht man seinen missglückten Versuch, seiner aktuellen Freundin Joanna Tuczynska ein Spiegelei zu braten. Oder man beobachtet das Paar bei einem Streit darüber, ob Joanna bei minus zehn Grad nun eine Strumpfhose zum kurzen Kleid tragen darf oder nicht. Matthäus, nicht nur in dieser Szene ein Macho alter Prägung, lehnt ab – und Joanna schleppt sich zwei Tage später mit einer Erkältung an den Frühstückstisch.

Das sagt viel aus über den Menschen Matthäus, spannend oder unterhaltsam ist das alles aber nicht. Selbst VOX ist vom eigenen Format offenbar nicht so recht überzeugt und hat die Sendung vorsorglich im Sonntagabendspätprogramm versteckt. „Lothar Matthäus läuft um 23.15 Uhr. Das ist ein Zeichen, dass wir nicht wirklich glücklich mit dem Programm sind“, hat VOX-Chefredakteur Kai Sturm vor nicht allzu langer Zeit bei einem Diskussionsforum gesagt.

Matthäus ist nicht der erste ehemals erfolgreiche Fußballer, der jetzt in einem Format mitmacht, das viele Zuschauer gerne und zu Recht „Trash-TV“ nennen. In „Effenbergs Heimspiel“ zeigten sich Stefan Effenberg und seine Frau Claudia „ganz privat“ in der Münchener Luxusvilla. Der ehemalige Nationaltorwart Eike Immel und zuletzt auch Ailton lagen neben Mediengewächsen wie DSDS-Sternchen Lisa Bund und Nacktmodell Micaela Schäfer im RTL-Dschungelcamp in der Hängematte.

Dass Loddar Unterhaltungswert besitzt, hat er immer wieder bewiesen: Seine englischen Statements („I hope we have a little bit lucky“) sind legendär. Und ohne seine On-Off-Beziehung zu seiner inzwischen geschiedenen vierten Frau Liliana, die in etwa so alt ist wie eine seiner Töchter, wäre die Boulevard-presse in den vergangenen Jahren um viele Schlagzeilen ärmer gewesen. Als Doku-Selbstdarsteller aber ist er nicht geeignet. (mit:dpa)