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00:15 06.05.2015
Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) sucht das Risiko: Mit Jules Lanke (Albrecht Schuch), einem Freund des Opfers, wagt sie einen Fallschirmsprung. Quelle: WDR/Thomas Kost
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Der Einzige, der nicht am Rad dreht, ist Kommissar Peter Faber. Ausgerechnet. Hauptkommissarin Martina Bönisch ist verzweifelt, weil ihr pubertärer Sohn verschwunden ist. Kommissarin Nora Dalay verzweifelt an ihrer Abtreibung und der Trennung von Kommissar Daniel Kossik. Dieser wiederum verzweifelt an Nora. Nur Faber widmet sich ruhig und konzentriert dem eigentlichen Fall.

Schlafen kann Faber immer noch nicht. Also spielt er Tennis. Nachts, gegen die Ballmaschine. Kossik knutscht unterdessen in einem Club mit einer Fremden rum. Nora Dalay liegt schlaflos im Bett. Bönisch klappert auf der Suche nach ihrem Sohn die Krankenhäuser ab. Dort fällt ihr ein neuer Fall vor die Füße. Ein junger Mann ist mit schwersten Verletzungen vor der Notaufnahme abgelegt worden. Es wird sich herausstellen: Leo Janek ist quasi vom Himmel gefallen, überleben wird er den Sturz nicht. Um es mit Fabers Worten zu sagen: „Ein hübscher Kerl, ist aber leider blöde hingefallen, weil da jemand an seinem Schirm herumgeschnippelt hat.“ Offenbar wollte jemand, dass Janek mit seinem Fallschirm abstürzt. Aber wer? Und warum?

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Keine actionreiche „Tatort“-Folge erwartet die Zuschauer des Dortmunder „Tatort: Schwerelos“, dafür eine, in der es vordergründig um die Kommissare geht. 

Schnell wird klar: Janek gehört zu einer Clique von Fallschirmspringern, die bei waghalsigen und illegalen Sprüngen von Industriebrachen, Brücken, Türmen den besonderen Kick suchen. Der Sprung in die Tiefe als kontrollierter Kontrollverlust. Einfach mal loslassen im Leben. Grenzen überwinden. Etwas riskieren. Faber ist begeistert, überlegt schon, ob er von Tennis zum Base-Jumping wechseln sollte. Und doch klettert er die Höhen, die er in dieser sechsten Dortmunder „Tatort“-Folge erklimmt, alle wieder herunter. Anders als Kommissarin Dalay (Aylin Tezel). Sie springt mit dem Tatverdächtigen Jules Lanke (Albrecht Schuch, „Die Vermessung der Welt“, „Neue Vahr Süd“) erst aus einem Flugzeug, dann von einer Brücke, schließlich ins Bett. Ihre Kollegen sind nicht begeistert.

In der Fallschirmclique kommen die üblichen Mordmotive zutage: Schulden und Affären. Bei näherer Betrachtung bekommt auch die Familienidylle des Opfers Risse. Janek haderte mit seiner Rolle als Ehemann und Familienvater. Zu viel Verantwortung, zu wenig Freiheit.

Es ist keine actionreiche „Tatort“-Folge. Niemand wird erschossen, keiner rennt irgendjemandem hinterher. Dass wirklich jeder im Ermittlerteam sein privates Päckchen zu tragen hat, ist ein bisschen viel des Guten. Und dass auch Kommissare nur Menschen sind, lernt der Zuschauer seit geraumer Zeit in nahezu jedem TV-Krimi. In diesem Fall ist nicht nur Kollege und Ex-Freund Kossik (Stefan Konarske) irgendwann genervt von Kommissarin Dalays grimmigem Schweigen. Das Aufkommen von Langeweile verhindert vor allem Faber. Jörg Hartmann dabei zuzuschauen, wie er den psychisch auffälligen Faber spielt, ist wie immer ein Vergnügen. Und auch wenn Faber es in dieser Folge ruhig angehen lässt, überrascht er doch: Faber kann nämlich richtig gut mit Kindern. Und den Fall, den löst er natürlich auch.

Tatort: Schwerelos“ | ARD
Mit Kommissar Faber
Sonntag, 20.15 Uhr

Von Wiebke Ramm

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