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Medien & TV Drastische Einschnitte bei „Frankfurter Rundschau“
Nachrichten Medien & TV Drastische Einschnitte bei „Frankfurter Rundschau“
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09:16 02.04.2011
Von Dirk Schmaler
Quelle: dpa
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Jahrzehntelang war sie das linksliberale Leitmedium der Republik – nun bleibt von ihr nicht viel mehr als ihre Hülle: Die traditionsreiche „Frankfurter Rundschau“ („FR“) verliert ihre überregionale Redaktion und wird die Berichterstattung über alle Themen außerhalb des Rhein-Main-Gebietes künftig von einer Zentralredaktion beziehen, die bei der „Berliner Zeitung“ in Berlin angesiedelt sein soll. Eigenständig wird an der „FR“ dann nur noch der Lokalteil sein. 44 Redakteursstellen sollen wegfallen. „Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern“, erklärte der Gesellschafter und Verleger Alfred DuMont am Freitag in einem offenen Brief.

Neben dem Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS), dem auch die „Berliner Zeitung“ gehört, hält die SPD-Medienholding DDVG 40 Prozent an der „FR“. Der Verleger kündigte an, „FR“ und „Berliner Zeitung“ sollten künftig eine gemeinsame Chefredaktion haben, die von Uwe Vorkötter geleitet wird, dem Chefredakteur der „Berliner Zeitung“. Der Deutsche Journalistenverband sprach von einem „schwarzen Freitag“.

Die „FR“ arbeitet schon seit Jahren trotz diverser Sparrunden nicht mehr profitabel. 2003 konnte nur eine Landesbürgschaft Hessens die Pleite verhindern, kurz danach stieg die DDVG in den Verlag ein und versuchte, das Blatt zu sanieren. 2006 erwarb MDS 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie. Schon im vergangenen Jahr legten „Berliner Zeitung“ und FR die Ressorts Wirtschaft in Frankfurt und Politik in Berlin zusammen.

Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig. Neben der allgemeinen Finanz- und der Zeitungskrise gab es wohl auch inhaltliche Gründe. Die Gewerkschaftsdiskurse der siebziger Jahre und der alte Typus des bundesrepublikanischen Linksintellektuellen verloren in der neuen, schicken Berliner Republik an Deutungsmacht – und die „FR“ als deren Hausblatt ebenfalls. Die Auflage der „Rundschau“ liegt aktuell bei nicht einmal 130.000 Exemplaren. Am Freitag erschien die „FR“ mit der Schlagzeile: „Die Zeit ist abgelaufen.“ Es ging um die alten, deutschen Atommeiler, gegen die die „FR“ so lange publizistisch gekämpft hat. Es gilt aber wohl leider auch für sie selbst.