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Medien & TV Elf Feinde müsst ihr sein
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15:40 16.01.2014
Das „Dschungelcamp“ geht in eine neue Runde. Ab Freitag führen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich durch die achte Staffel. Quelle: dpa
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Berlin

Nie zuvor wurde eine Grimme-Preis-Nominierung derart heftig diskutiert wie im vergangenen Jahr: Zynisch, ekelerregend bis menschenverachtend sei das „Dschungelcamp“ und demzufolge keine Erwähnung wert - schon gar keinen Preis. Sogar der Direktor des ehrwürdigen Instituts sah sich genötigt, die Entscheidung zu erklären. „Die Kommission sei keinesfalls zeitgeistig verlottert“, schrieb Uwe Kammann, sondern man trage mit der Entscheidung der Tatsache Rechnung, dass das Fernsehen sich nun mal verändert habe. Das Dschungelcamp sei ein offenes und spektakuläres Soziallabor.

Den Preis bekam RTL im vergangenen Jahr zwar dennoch nicht, dafür wählten die Zuschauer Ex-Superstarkandidat Joey Heindle zum neuen Dschungelkönig. Mit Sätzen wie „Ich hatte mal eine Spinnenphobie. Aber ich habe die hypnotisiert, da ist das weggegangen“ erspielte er sich die Krone.

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Die RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ geht in ihre achte Runde. Wieder sitzen fast erloschene Fernsehsternchen im australischen Urwald fest. Sie tratschen, lästern und kämpfen um den Titel. Die elf Kandidaten im Überblick.

Am Freitag ist es wieder so weit (RTL, 21.15 Uhr). Elf Kandidaten ziehen für zwei Wochen in den australischen Dschungel, um sich dort für ein mitunter üppiges Schmerzensgeld vor den Augen der Fernsehnation jeder nur denkbaren Unappetitlichkeit hinzugeben. Zum König wird, wer gänzlich ekelbefreit Känguru-Hoden verspeist oder im Kakerlaken-Sarg möglichst lange stillhalten kann.

Unter dem bissigen Kommentar des früheren Moderatorenduos Sonja Zietlow und Dirk Bach ist das Format zum Quotenkrösus avanciert. Daran hat auch Bachs plötzlicher Tod 2012 nichts geändert. Die bisher letzte Staffel vor einem Jahr, erstmals mit Daniel Hartwich als Co-Moderator, sahen durchschnittlich 7,34 Millionen Zuschauer. Marktanteil: 29,2 Prozent. Da wundert es nicht, wenn „Bild“ kurz vor dem Start der achten Staffel den Eindruck erweckt, über das „Dschungelcamp“ müsse das Land genauso debattieren wie über das Wetter, die Große Koalition oder die Fußball-Bundesliga. Immerhin garantiert das Springer-Blatt bereits im Vorfeld Zicken-Zoff und checkt die Paarungswilligkeit der Kandidaten. Erste Porno-Geständnisse von Ex-Bachelor- und jetzt Dschungel-Kandidatin Melanie Müller gab es auch schon, und wie immer ziert einen Tag vor dem Staffelstart eine der Kandidatinnen, in diesem Fall Ex-Queenberry-Sängerin Gabby Rinne, das Playboycover. Es läuft mal wieder alles nach Plan.

Der Sender braucht den Erfolg, denn nicht nur, dass die Produktion geschätzt 30 Millionen Euro verschlingt, auch die Zielquote ist selten derart hoch gesetzt. Vor zwei Jahren sahen im Schnitt 7,40 Millionen Zuschauer täglich zu, wie sich das Team unter Extrembedingungen in seine Einzelteile zerlegte und Ex-Topmodel Sarah Knappik damit drohte, das Camp vorzeitig zu verlassen. Das war Gruppenpsychologie für Anfänger und die anschließende Grimme-Preis-Nominierung bestenfalls für jene eine Überraschung, die nicht dabei gewesen waren.

Das sind die Kandidaten

1. Michael Wendler, 41, selbsterklärter Erfinder des „Popschlagers“, passt ins Dschungelcamp wie seine Gold-und-Platin-Songs à la „Sie liebt den DJ“ zu Mallorca. Der Mann mit Solariumbräune und Hipsterbart geht fast als richtiger Promi durch unter den vielen namenlosen Gesichtern, die bestenfalls ausdauernden RTL2-Zuschauern bekannt sind. Schließlich hatte Wendler bereits drei eigene Fernsehsendungen. „Der Wendler-Clan“, „Der Wendler sucht den Schlagergott“ und „Die Akte Wendler“.

2. Vollends aus der Reihe fällt der frühere „Tatort“-Kommissar Winfried Glatzeder. Einst spielte sich der heute 68 Jahre alte Schauspieler in der Defa-Kultproduktion „Die Legende von Paul und Paula“ in die Herzen einer ganzen DDR-Generation inklusive der damals gerade volljährigen Angela Merkel. Jetzt ist Glatzeder am anderen Ende der Welt angekommen und schlägt sich durch den australischen Dschungel.

3. Larissa Marolt, 21, gewann einst die österreichische Topmodel-Version und sieht das Camp als „Nebenjob“. „Manche gehen Kellnern, ich gehe halt in den Dschungel.“ 2010 war sie in der Doku-Soap „Die Model-WG“ auf ProSieben zu sehen. Verließ die Wohngemeinschaft aber vorzeitig, um die Schule zu beenden. Jetzt hat sie wieder Zeit fürs Fernsehen.

4. Jochen Bendel, Ex-Moderator der legendären Rateshow „Ruck Zuck“, macht es vor, wie man im Dschungel besteht. Aus einer Pommespappe verschlingt der 46-Jährige schon mal testweise eine Portion Mehlwürmer. Erste Medienerfahrungen sammelte Bendel allerdings beim Radio und als Synchrinsprecher von Werbespots. Warum er in den Dschungel geht? Sein Fernsehcomeback 2010 floppte. Zuletzt veranstaltete er jedenfalls nur noch Kochkurse in München.

5. Gabby Rinne, 24 und Ex-Sängerin der Castingband Queensberry, heißt eigentlich Christina De Almeida Rinne. Zuletzt versuchte sie sich als Solosängerin und übte schon mal in der Wüste fürs Dschungelcamp. Zuletzt war sie in der ProSieben-Reality-Doku „Reality Queens auf Safari“ zu sehen.

6. Das erklärte „Erotikmodel“ mit Porno-Vergangenheit Melanie Müller, 25, ist eine der wenigen unter den Kandidaten nicht mal über eine eigene Wikipedia-Seite verfügen. Dafür machte sie in der dritten Staffel des „Bachelor“ (RTL) durch auf sich aufmerksam. Für den Fall, dass es mit der Fernsehkarriere irgendwann nicht mehr so läuft, hat Müller vorgesorgt: Unlängst eröffnete sie einen Sex-Shop im Internet.

7. Der schrille Designer Julian F. M. Stoeckel, 26, ist Jungunternehmer, der außerhalb Berlins noch nicht weiter aufgefallen ist. Hier organisiert gerne Stoeckel gerne C-Promipartys und sagt über sich selbst, er sei ein „Partygesamtkunstwerk“. Seit 2010 schreibt er eine Kolume für ein Lifestyle-Magazin, die sich „Telegramm aus der feinen Gesellschaft“ nennt.

8. Tanja Schumann, 51, wurde in den Neunzigern bei RTL mit Comedy groß und musste nach Immobilienspekulationen 2006 in die Privatinsolvenz gehen. Möglich, dass dies auch der Grund für ihren Auftritt im Dschungel ist. Denn auch wenn Schumann seit 2013 schuldenfrei sein soll, so fehlt ein festes Engagement derzeit.

9. „Superstar“-Kandidat Marco Angelini, 29, belegte damals den vierten Platz in der Casting-Show, die anschließenden Karriereversuche als Sänger verliefen ebenfalls schleppend. Sehr viel mehr ist über nicht über ihn bekannt - außer, dass es heißt, dass zwischen ihm und Gabby Rinne im Dschungel mehr drin sein könnte, als gemeinsames Reis Kochen.

10. Der ewige Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi ist inzwischen 40 Jahre alt und hat kein Experiment ausgelassen. Vom Gastspiel bei den Karl-May-Festspielen bis zur eigenen Unterwäschekollektion. Auch musikalisch probierte Mola sich bereits aus: 1996 war er kurz mit seiner Single „Shake that Body“ in den Charts.

11. Corinna Drews, 51, hat es neben der Scheidung von Schlagersänger Jürgen („Ein Bett im Kornfeld) auf drei weitere glücklose Ehen und eine Modelkarriere für Dior in Paris gebracht – damals, in den Achtzigern. Das war auch die Zeit, als sie mehrmals den Playboy-Titel zierte. Mittlerweile lebt Drews in Berlin und hat zuletzt 2005 einen Auftritt in der Vorabendserie „Verbotene Liebe“ absolviert.

Von Nora Lysk und Bastian Pauly

RTL: „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“. Freitag ab 21.15 Uhr.

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