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Nachrichten Medien & TV Ein Betriebssystem geht in Rente
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20:11 26.01.2014
Von Frerk Schenker
Am 8. April läuft der Support für Windows XP aus. Quelle: dpa
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Hannover

Zwölf Jahre sind eigentlich kein Alter. In der Welt der Bits und Bytes aber sind sie eine halbe Ewigkeit. Deshalb hat der Softwareriese Microsoft entschieden, sein Urgestein unter den Betriebssystemen endgültig in Rente zu schicken: Am 8. April läuft der Support für Windows XP aus. Dann werden keine Sicherheits-Updates mehr veröffentlicht.

Das Ende der Ära XP kommt allerdings nicht überraschend. Bereits 2011 hatte Microsoft den Oldie beerdigen wollen, lenkte jedoch ein und verlängerte die Frist bis 2014. Der Grund: Die Windows-Nutzer hielten XP hartnäckig die Treue - und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Microsoft hat mit Windows Vista und den Versionen 7 und 8 unlängst Nachfolger auf den Markt gebracht, nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Net Applications laufen weltweit aber noch immer rund 29 Prozent aller Rechner unter Windows XP (siehe Grafik). Vor einem Jahr betrieben einer Erhebung des Statistikdienstes Netmarketshare zufolge sogar noch 38,7 Prozent aller Nutzer ihren Rechner mit Windows XP.

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Besitzer von Windows XP können das Programm zwar auch noch installieren, wenn Microsoft den Support eingestellt hat. Die dafür nötige Onlineaktivierung soll nach dem Stichtag am 8. April 2014 weiter funktionieren, berichtet „Heise Online“. Das Betriebssystem nach dem Supportende weiter zu nutzen ist aber trotzdem eher keine gute Idee: Sowohl Sicherheitsexperten als auch Microsoft selbst raten davon ab. Einzige Ausnahme sind laut dem IT-Portal ZDNet Kunden mit einem sogenannten Premier-Support-Vertrag. Für sie will Microsoft auch nach dem 8. April 2014 Sicherheitsupdates anbieten.

Tatsächlich ist der Wechselwille diesmal mehr als angebracht, denn wegen der dann fehlenden Updates wird Windows XP zu einem Sicherheitsrisiko. Gleiches gilt für Office 2003, dessen Support ebenfalls am 8. April endet. Die Büro-Software und das Betriebssystem laufen zwar weiter auf dem Rechner, sollten nach dem Stichtag neue Sicherheitslücken bekannt werden, bleiben diese aber für immer ungeschlossen.

Gerade weil XP weltweit noch auf so vielen Rechnern läuft, ist es ein beliebtes Angriffsziel für Cyberkriminelle. Selbst Microsoft warnt deshalb seit einigen Jahren vor seinem Oldie: Das Betriebssystem sei überholt und für die Abwehr moderner Angreifer schlichtweg nicht mehr gerüstet. Die jüngsten Zahlen über infizierte Rechner sprechen eine deutliche Sprache: So ist die Rate der betroffenen XP-Rechner fast dreimal so hoch wie bei Windows Vista, Windows 7 oder Windows 8. Laut Microsofts Gefahrenbericht für 2012 waren von 1000 untersuchten Rechnern mit Windows XP zehn Computer mit Schadsoftware infiziert.

Auch Virenscanner, in die hartnäckige XP-Fans ihre Hoffnungen setzen, versprechen nur bedingt Schutz. Viele Hersteller von Sicherheitssoftware wollen nach dem Ende von Windows XP weiter Signatur-Updates für ihre Programme liefern. Diese sorgen dafür, dass die Scanner neu entdeckte Schädlinge erkennen können. Wie lange es die Signatur-Updates geben wird, ist von Hersteller zu Hersteller aber unterschiedlich, berichtet die Computerzeitschrift „c’t“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Einige Firmen versprechen Updates bis zum Ende der Lizenzlaufzeit, andere für ein Jahr oder bis Ende 2015.

Microsoft selbst hat vor einigen Tagen angekündigt, sein Virenprogramm Security Essentials bis zum 14. Juli 2015 mit Signaturen auf dem neuesten Stand zu halten. Ob das allein ausreicht, ist aber fraglich. So bekannte der Antiviren-Hersteller AVG gegenüber der „c’t“ recht unverblümt, das Unternehmen könne „keine Sicherheitslücken schließen, die Microsoft offen lässt“.

Und es gibt ein weiteres Risiko für Nutzer von XP-Rechnern: Auch für wichtige Dienstprogramme wie Java und Flash könnte es bald keine Updates mehr geben, sodass neu entdeckte Sicherheitslücken auch hier offen blieben. Gerade diese sogenannten Plug-ins sind in der Vergangenheit immer wieder zu Einfalltoren für Angreifer geworden. Denkbar ist zwar, dass die Hersteller von Sicherheitssoftware hier einspringen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Microsoft selbst geht zudem davon aus, dass auch der überwiegende Teil der unabhängigen Softwareproduzenten seine neuen Programmversionen künftig ohne XP-Unterstützung auf den Markt bringen wird. Für XP-Nutzer sind die Aktualisierungen damit wertlos. Darüberhinaus hatten die meisten Hardwarehersteller laut dem Umfrageinstitut Gartner Research bereits im Jahr 2012 auf die XP-Unterstützung verzichtet.

Wer auf seinem Rechner noch XP nutzt, sollte deshalb schleunigst umsteigen - alles andere ist mit einem großen Risiko behaftet. „Wenn Ihre Organisation den Wechsel zu einem modernen System noch nicht begonnen hat, sind Sie spät dran“, mahnt Microsoft auf seiner Internetseite eindringlich.

Um nicht in einigen Jahren, wenn auch der Support für Windows Vista ausläuft, vor demselben Problem zu stehen, sollten Nutzer mindestens die Betriebssystemversion Windows 7 wählen. Diese Version will Microsoft nach eigenen Angaben bis 2020 unterstützen, Windows 8 soll dann sogar bis 2023 mit Sicherheitsupdates versorgt werden.(mit: dpa)

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