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Nachrichten Medien & TV Ein Mini-Computer als Sprachhilfe
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13:30 08.05.2010
Das iPad könnte auch als Kommunikations- und Orientierungshilfe für  Behinderte dienen.
Das iPad könnte auch als Kommunikations- und Orientierungshilfe für Behinderte dienen. Quelle: afp
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Fachleute sehen ein großes Potenzial, das iPad, das ab Montag auch in Deutschland vorbestellt werden kann, als kostengünstige Kommunikations- und Orientierungshilfe für Behinderte weiterzuentwickeln.

Professor Gregg Vanderheiden von der University of Wisconsin in Madison erforscht seit Jahren technische Kommunikationshilfen für Menschen, die nicht mehr sprechen können - etwa Schlaganfall- oder Hirntraumapatienten. „Anstatt eine 5000 Dollar teure Sprechhilfe zu kaufen, kann man nun sein iPad nehmen, eine entsprechende Anwendung herunterladen und - zack! - kann man kommunizieren“, sagt Vanderheiden. Das Gerät sei bedienerfreundlich und mit Kosten in den USA ab 499 Dollar vor allem viel erschwinglicher als bisher angebotene Geräte.

Vanderheiden erwartet, dass im Laufe der Zeit viele nützliche Anwendungen - so genannte Apps - für die iPad-Nutzung von Behinderten entwickelt werden. „Am wichtigsten ist, dass das iPad jetzt eine Entwicklungsplattform darstellt, die zu kreativen Neuerungen anregt“, sagt der Professor. „Es gibt hier die Chance für enorme Innovationen.“

Der US-Hersteller AssistiveWare beispielsweise hat seine Anwendung „Proloquo2Go“ bereits für das iPad weiterentwickelt und bietet es für 189,99 Dollar zum Kauf an. Nutzer mit Sprechproblemen können Worte eintippen, die das iPad dann mit menschlicher Stimme vorliest. Für Nutzer mit Schwierigkeiten bei der Worterkennung bietet es eine ganze Palette bunter Symbole, die für bestimmte Wörter oder ganze Sätze stehen und per Fingerdruck zu bedienen sind.

Viele Sprachbehinderte tun sich mit grafischen Symbolen leichter als mit der Suche nach dem richtigen Wort, sagt Karen Sheehan von der Alliance for Technology Access, eine Gruppe in Kalifornien, die den Zugang von Behinderten zu hilfreicher Technologie erleichtern will. „Auf dem iPad ist es einfacher: Mit einem Fingerdruck kann man sagen ’Ich habe Durst’ oder ’Ich will einen Film sehen’.“

Bei Behinderten und Therapeuten sehe sie „großes Interesse am iPad“, sagt Sheehan. „Denn jeder, der nicht selbst sprechen kann, ist auf ein Kommunikationsgerät angewiesen.“ Als potenzielle Nutzer sieht sie Menschen mit Schlaganfall, mit Hirnverletzungen etwa nach Autounfällen, mit bestimmten Formen von Nervenlähmung, mit Zerebralparese oder Autismus.

Die Bedienung des iPad-Touchscreens - des hoch entwickelten Berührbildschirms also - erfordert freilich eine gewisse Fingerfertigkeit, für manche Funktionen müssen zwei Finger koordiniert über den Bildschirm streichen. Einige Experten zweifeln daran, ob die erforderliche Feinmotorik nicht eine zu hohe Hürde darstellt.

Für manche Befehle müsse man Daumen und Zeigefinger auf dem Bildschirm zusammenführen oder auseinanderspreizen, sagt Joanne Castellano, Direktorin des Spezialunternehmens TechConnections in New Jersey. „Das dürfte für manche ziemlich schwer sein.“ Sehr hilfreich aber findet sie etwa eine iPad-Anwendung, mit der das Gerät ganze Bücher vorlesen kann. Trotz gewisser Bedenken resümiert sie: „Für unseren Kundenkreis scheint das Gerät sehr nützlich.“

afp

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