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19:14 21.11.2014
Von Imre Grimm
Kann Klaas Heufer-Umlauf auch solo ins Nimmerland-Fernsehen für die Generation Bällchenbad?
Kann Klaas Heufer-Umlauf auch solo ins Nimmerland-Fernsehen für die Generation Bällchenbad? Quelle: dpa
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„Er ist immer für mich da“, sagt Klaas Heufer-Umlauf. Und klingt überraschend ironiefrei bei diesem Bekenntnis. Ernst, fast schon gerührt. „Wir arbeiten seit zehn Jahren zusammen, und ich freue mich sehr, dass ich ihn habe.“ Der Mann, sagt Heufer-Umlauf, sei sein persönlicher „Mann des Jahres“.

Nein. Es geht nicht um Joko Winterscheidt in diesem Moment. Es geht um Heufer-Umlaufs Manager. Vaterfigur der eine, Bruderfigur der andere.

Man muss nicht bei Kain und Abel anfangen, um Joko & Klaas zu verstehen, aber die Sache mit dem Brudermord hilft schon. Brüder sind immer auch Konkurrenten. Um die Anerkennung des Vaters, die Liebe der Mutter, die Erbfolge in der Familie, das dickste Steak, die tollste Frau, den geilsten Job. Joko & Klaas – nicht bluts-, aber ziemlich geistesverwandt – haben das klassische, brüderlich-maskuline Konkurrenzgefrotzel zu ihrem Markenkern gemacht. In jeder Sekunde jeder Show saufen, rauchen, reden, denken, spielen, leiden und entertainen sie um die Wette. Und wenn man diese Kabbelei wirklich zu Ende denkt, bis zu einem Sieger, dann landet man in letzter Konsequenz beim Tod. Wie im Alten Testament. Nicht beim Tod eines Menschen. Aber vielleicht beim Tod eines Duos.

Seit sechs Jahren, seit der Show „MTV Home“, sind sie synergetisch verschmolzen. Der eine tut, als könnte er nicht ohne den anderen. Das war – obwohl es zufällig passierte – ein ziemlich kluger Zug, denn junge verrückte Dinger, die es solo ins Fernsehen reißt, gibt es eine Menge. Duos aber, die ihre eigene Reibungshitze gleich mitbringen, fallen schneller auf.

Und es lief ja bisher auch ganz rasant für Joko & Klaas: „Ahnungslos“, „17 Meter“, dann „neoParadise“ und dessen XXL-Version bei Pro7: „Circus HalliGalli“, die derzeit schrillste Wundertüte im deutschen Fernsehen. Schnelles, anspielungsreiches Nimmerland-Fernsehen für die Generation Bällchenbad. Am 6. Dezember kommt „Mein bester Feind“ dazu, ein Spin-off aus „HalliGalli“. Sonnabend. 20.15 Uhr. Eine Woche später wird 
 „Wetten, dass ...?“ zu Grabe getragen – die Show, die sie hätten übernehmen können.

Das ist nackte Panik

Stattdessen haben sie dann gleich zwei Samstagabendshows. Denn das „Duell um die Welt“ kommt ja auch noch dazu, Sonnabend wieder. In der überdrehten, hoch unterhaltsamen Mutprobensause hat das Team den Erregungsgrad inzwischen so weit gesteigert, dass Joko am Abend, in einem Flugzeug sitzend, echte Todesangst verspürt. Das ist nicht mehr das künstlich aufgemotzte, verschmitzte Hollywood-Pathos aus ihren selbst kommentierten Pennälerspielchen. Das ist nackte Panik.

Möglich, dass die Joko-und-Klaas-Konstruktion hier an eine Sollbruchstelle gerät. Wenn sich inzwischen sogar „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner an das Duo ranwanzt („Ihr seid, was Gottschalk, Jauch vor 30 Jahren waren. Modern“), ist es allerhöchste Zeit, ans Aufhören zu denken. Ein guter Moment für Heufer-Umlauf, um mal einen Fuß aus der Komfortzone zu setzen und ein größeres Soloprojekt zu wagen. Das Duo funktioniert wunderbar – aber es wabert der Verdacht durch die Branche, dass Klaas allein noch ganz andere Pfeile im Köcher hätte als das ewige Geknuffe und Geguffel unter Schulhofjungs. Und deshalb: Free Klaas! Bevor er zum „One Trick Pony“ der TV-Menagerie wird.

Erste Ablösungserscheinungen gibt’s bereits. Er lieferte mit dem früheren Wir-sind-Helden-Bassisten Mark Tavassol ein überraschend ernstes Album ab („Gloria“) und nahm mit Jan Böhmermann zwei „Förderschulklassenfahrt“-Hörspiele auf. Gerade war er im WDR 
allein in Jürgen von der Lippes Jubiläumsausgabe von „Geld oder Liebe“ zu Gast – locker, schlau, schnell. Von der Lippe hat ihn im „Spiegel“ über den grünen Klee gelobt. Klaas sei derjenige, sagte der große alte Mann der gepflegten Klugscheißerei, dem er eine Late-Night-Show und mehr zutraue. Von Joko war nicht die Rede.

Ehen enden eben so

Es ist ja jetzt schon so, dass die Aufgaben bei „Circus HalliGalli“ ungleich verteilt sind. Klaas ist das emotionale Zentrum, Joko der lachende Lulatsch. Klaas (31) ist vier Jahre jünger als Joko, wirkt aber älter. „Du hast selber mal gesagt, im Geiste bist du 45“, sagte Joko einst, als er seinen Kompagnon für das „Süddeutsche Magazin“ interviewte. „Dem habe ich nichts hinzuzufügen.“

Klaas ist für Joko wichtiger als Joko für Klaas. Auch Joko hatte seine Solos. In Matthias Schweighöfers Film „Die Nanny“. Im Radio. Mit Ina Müller beim Echo. Klaas aber ist – Friseurlehre hin oder her – der fabulierlustige Intellektuelle, der phasenweise wirkt, als arbeite er mit gebremstem Schaum, um auch seinen Buddy gut aussehen zu lassen. „Ich kann mich auf meinen Bauch verlassen“, sagt Joko, „du brauchst immer den Kopf.“

Natürlich ist eine Ablösung gefährlich, nicht nur der Marke wegen. Nach der Trennung berühmter Duos läuft es meist nur für einen richtig gut: Von Sonny & Cher blieb Cher, von Simon & Garfunkel blieb Paul Simon, von Ike & Tina Turner blieb Tina Turner, von Wham blieb George Michael. Manchmal, sagt Heufer-Umlauf, störe ihn Winterscheidts offensive Lache dann schon, „morgens manchmal, da kommt sie mir nicht wie eine Lache vor, sondern wie ein störendes Geräusch, als wenn jemand einen Sack Kartoffeln überm Schlagzeug ausleert“.

Ehen enden eben so. Dass die Marotten des anderen plötzlich nerven. Es muss ja nicht gleich eine Scheidung sein. Aber öfter mal fremdgehen, Herr Heufer-Umlauf, das wäre schon schön.

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