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Nachrichten Medien & TV Ein „Tatort“ wie ein Western
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15:33 18.11.2018
Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) sind bestürzt: Sie kannten den getöteten Einbrecher. Quelle: Christine Schroeder/NDR
Hamburg

Da schau her: Jetzt haben die Mitglieder der südosteuropäischen Einbrecherbanden auch noch Humor. Als nämlich der junge Kolya (Tilman Pörzgen) im Verhör gefragt wird, was er am helllichten Tag mit Sturmhaube und Schraubenzieher anfangen wolle, antwortet er: „In Deutschland ist es kalt, und immer ist irgendwo eine Schraube locker.“

Diese kecke Antwort gefällt auch Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), der ihn wegen einer großen Einbruchserie vernimmt. Und da keine konkreten Beweise vorliegen, lässt er den jungen Mann kurz danach laufen.

Ein verhängnisvoller Fehler, denn nach dieser heiteren Auftaktszene ist schnell Schluss mit Komik, und Kolya liegt erschossen im Wohnzimmer eines Häuschens in einer Hamburger Vorortsiedlung. Der Hauseigentümer (Jörg Pose) hat ihn gezielt mit einer Waffe niedergestreckt – fast wie im Western. In Samira Radsis „TatortTreibjagd“ (Drehbuch: Benjamin Hessler, Florian Oeller) geht es also um Selbstjustiz, um Bürger, die in ihrem Stadtteil mit einer Serie von Einbrüchen konfrontiert sind und sich dabei von der Polizei in Stich gelassen fühlen. Zu sehen ist der Film am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Aus diesem Grund ist eine Sonderkommission gegründet wurden, zu der auch die Bundespolizisten Falke und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) gehören. Als beide am Tatort erscheinen, um den Todesschützen zu befragen, stoßen sie ziemlich schnell auf Ungereimtheiten.

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz). Quelle: NDR Presse und Information

So trägt der erschossene Einbrecher in der rechten Hand eine Pistolenattrappe, obwohl er Linkshänder gewesen ist. Und der Schütze hat noch einen zweiten Schuss abgegeben, den er nicht so recht erklären kann.

Außerdem hat Falke sowieso mal wieder schlechte Laune. Das bekommt der Todesschütze zu spüren. Die vermeintliche Notwehr will Falke ihm nämlich nicht abkaufen. Und schießwütige Bürger, die Jagd auf Westernhelden machen, gehen ihm sowieso gewaltig gegen den Strich. Nur mit Mühe kann Falkes Kollegin verhindern, dass die aggressive Befragung völlig eskaliert.

Dennoch werden kurze Zeit später bereits Bilder von diesem Streit in einem Internetforum veröffentlicht, das die Bürger des Stadtteils wegen der Einbruchsserie gegründet haben. Die Geschwindigkeit, mit der so etwas im Internet möglich ist, erstaunt Falke. Für ihn ist das Netz auch im Jahre 2018 augenscheinlich immer noch Neuland.

„Internetvideos sind sowieso nur etwas für Spacken,“ meint er. Leider trifft das auch auf manchen „Tatort“ zu – und dazu zählt leider auch dieser Fall. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist so unglaubwürdig wie die handelnden Personen. Das gilt vor allem für die Bürger der Siedlung, die sich ja aus gutem Grund bedroht fühlen, was im Film übrigens völlig vernachlässigt wird.

Das Ermittlerteam auf „Treibjagd“. Quelle: NDR Presse und Information

Sie begleiten in ihrem Netzforum das Geschehen zwar mit verbalen Hassausbrüchen, der Zuschauer traut ihnen aber einfach nicht zu, dass sie mit rauchenden Colts das Gesetz in die eigene Hand nehmen – und auch noch Schlimmeres anstellen. Die kriminelle Energie, die besonders der Bruder des Todesschützen an den Tag legt, kauft man ihm überhaupt nicht ab.

Dagegen werden der junge Einbrecher und seine Freundin (Michelle Barthels) romantisch verklärt zu einem liebenswerten Bonnie-und-Clyde-Verschnitt. Sie sind im Film zwei jungen Liebende, die zärtlich miteinander umgehen und für die die Einbrüche offenbar nur ein lästiger Nebenerwerb sind. Die beiden sind jedenfalls bis zum Schluss in diesem Krimi die Guten und richtige Sympathieträger, während die wegen der Einbrüche verzweifelt wütenden Bürger die Bösen sind. Diese veranstalten dann auf die Freundin des Toten auch noch eine wahre Treibjagd, weil sie die einzige Zeugin der Tat gewesen ist.

Das sorgt dann zumindest für ein wenig Krimispannung. Ein weiterer rarer Lichtblick ist Falkes wuschlige Katze, die in einer netten Szene zusammen mit ihrem Herrchen Milch schlürft. Da menschelt es endlich ein wenig. Und Falkes vermutlich zu hoher Blutdruck normalisiert sich mal ein bisschen. Aber eine Katze allein kann diesen „Tatort“ nicht retten, dem würden nur ein paar Dutzend Katzenvideos helfen.

Von Ernst Corinth

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