Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Dritte deutsche Netflix-Serie: Ein Drehbesuch bei „Skylines“
Nachrichten Medien & TV Dritte deutsche Netflix-Serie: Ein Drehbesuch bei „Skylines“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:49 05.03.2019
„Skylines“ ist eine Männerwelt: Die Darsteller Sahin Eryilmaz (v. l.) und Murathan Muslu. Quelle: Foto: Christian Lüdeke
Frankfurt

Auf der Terrasse flammen kleine Feuerstellen, darum sammeln sich Komparsen. Diese Terrasse im engen Frankfurter Bahnhofsviertel ist groß und weit und dient als Kulisse für die dritte deutsche Netflixserie „Skylines“ – eine Geschichte aus der Frankfurter Hip-Hop-Szene.

Eine Szene aus der ersten „Skylines“-Folge steht auf dem Drehplan

Wenn die Komparsen nach oben gucken, sehen sie die glasglatten Fassaden, hinter denen an diesem Dienstag noch weit nach Feierabend irgendwelche Videokonferenzen geführt werden. Würden sie nach unten schauen, könnten sie sehen, wie sich dort Wohnungslose in zerrissene, verblichene Schlafsäcke wickeln. Aber die Komparsen können so weit nicht schauen – ihr Kosmos ist diese achte Etage des fiktiven Hip-Hop-Labels „Skylines“. Und eine Release-Party steht auf dem Drehplan – eine Szene aus der ersten Folge.

Während sie draußen auf der Terrasse frieren, ist drinnen, wo die Party voll im Gange sein soll, nur leises Gemurmel zu hören. Im Zentrum des Seriengeschehens: Khalifa, gespielt von Murathan Muslu in schwarzem Rollkragen-Pulli und Hosenträgern – ein erfolgreicher Rapper, der sein eigenes Plattenlabel hochgezogen hat. Es ist 19 Uhr, der Drehtag hat gerade erst begonnen, lautlos legt der DJ auf.

Khalifa erzählt, wie er einen Rapper seines Labels getroffen hat. Take 101/40/1/1. Noch einmal. Take 101/40/1/2. Neue Kameraperspektive. Die 50 Komparsen werden hin- und hergeschoben, Sichtachsen für die Kamera frei gelegt. Wieder wirft Muslu dieselbe Orange hoch, zwischen den Takes übt er den Wurf. Wieder Handshakes.

Skylines“ ist eine Männerdomäne mit Hantelraum und Billardtisch

Die Büroräume des fiktiven Labels wurden in dieser Büroetage komplett eingerichtet – eine Männerdomäne mit Hantelraum und Billardtisch. Etwa 60 Tage wird in Frankfurt gedreht, weitere 20, alle Szenen spielen dort in einem Aufnahmestudio, in Berlin. Insgesamt arbeiten laut Netflix im gesamten Zeitraum ungefähr 250 Leute an der Produktion.

Auf dieser Party wird Khalifa die Vergangenheit einholen. Sein großer Bruder Ardan, gespielt von Erdal Yildiz, wird nach 15 Jahren plötzlich aus dem Exil zurückkehren und kampfeslustig das Ruder übernehmen wollen. Er ist eine tickende Zeitbombe und mit seinen engen Kontakten zur Unterwelt eine Gefahr.

Wenn die beiden Schauspieler in den Pausen miteinander reden, dann sind sie ebenfalls wie Brüder, aber wie herzlich einander zugetane. Ardan will eigentlich nur die Nähe seines Bruders zurückhaben, findet Erdal Yildiz. „Khalifa“, erzählt Murathan Muslu sanft, „ist depressiv“. Er könne mit dem andauernden Erfolgsdruck nicht umgehen.

Im Lauf der Serie „Skylines“ soll es düster und gefährlich werden

Ein anderer wird noch auf dieser Party aufkreuzen: Der junge Produzent Jinn, gespielt von Edin Hasanovic, der sich entscheiden muss, ob er mit dem großen Label „Skylines“ fett Karriere machen will oder seinem Kumpel treu bleiben will. Und ja, im Laufe der Serie soll es düster und gefährlich werden. Aber das ist an diesem Abend noch nicht abzusehen, gemütliches Geplänkel ist an der Tagesordnung.

„Erfolg und Business sind die großen Themen der Serie“, meint Autorenchef Dennis Schanz. Er ist Hip-Hop-Fan und war frustriert vom schlechten Bild von Hip-Hop in den Medien. Deswegen habe er von Anfang an Kontakt zum Produzenten von Haftbefehl, Bazzazian, aufgebaut, bei einem Frankfurter Label hospitiert – und dadurch auch viele Rapper ins Boot geholt, die mit Cameo-Auftritten für Authentizität sorgen sollen. Auch Murathan Muslu ist einschlägig gecastet. Bevor er mit Auftritten im „Tatort“ als Schauspieler bekannt wurde, brachte er in seiner Heimat Österreich ein Rap-Album auf den Markt.

Mehr zum Thema: Neue Serien auf Netflix, Amazon Prime und Sky im März 2019

Skylines“ zeigt eine Männerwelt. Die wenigen Frauen, die auftauchen, kommen von außerhalb. Sie sind Schwestern oder Polizistinnen – so etwa Sara, gespielt von Peri Baumeister. Sara muss extra tough sein, mit Khalifa ist sie in der selben schwierigen Plattenbausiedlung groß geworden. „Sie ist keine gute Mutter, obwohl sie es mit dem bürgerlichen Leben versucht hat“, sagt Peri Baumeister. Sara sei unruhig, habe Spaß an Gewalt.

Im Herbst 2019 soll die Serie bei Netflix anlaufen

In die Frankfurter Bahnhofsviertel-Szenerie von arm und reich, von Erfolg und Scheitern, will Dennis Schanz individuelle menschliche Konflikte platzieren – ein depressiver Hip-Hopper, eine nervöse, gewalttätige Polizistin, ein verlorener Bruder. Im Herbst 2019 soll die Serie bei Netflix anlaufen – dann wird sich zeigen, ob Showrunner Schanz das schwerfällige Macho-Image des Hip-Hop, das keine Schwäche zeigen darf, aufbrechen kann.

Von Geraldine Oetken / RND

In Russland fährt er Schlitten, in Italien spricht er über Mafia-Filme, in England kämpft er mit dem Linksverkehr: Michael Kessler ist als Klischee-Tester in Europa unterwegs.

05.03.2019

Die Zuschauer kennen Hendrik Duryn als Lehrer Stefan Vollmer aus einer RTL-Serie. Jetzt soll der 51-Jährige für den Pädagogennachwuchs an Sachsens Schulen werben. Am Montag wurde das Projekt vorgestellt.

04.03.2019

Der Schauspieler Idris Elba wurde noch vor kurzem als möglicher neuer James-Bond-Darsteller gehandelt. Jetzt macht er erstmal in Sachen Musik. In der Netflix-Serie „Turn Up Charlie“ (Streamingstart am 15. März) spielt er einen Diskjockey, der einem ungwöhnlichen Nebenjob nachgeht.

04.03.2019