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09:46 14.03.2014
Von Imre Grimm
Foto: Das Mädchentrio Elaiza vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2014 in Dänemark.
Das Mädchentrio Elaiza vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2014 in Dänemark. Quelle: dpa
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Köln

Ein Kontrabass. Ein Akkordeon. Ein Ohrwurm namens „Is It Right“. Und drei Mädels, die sich bei der Schnapsverkostung kennengelernt haben. Mehr braucht es manchmal nicht, um einen großen Sieg zu feiern. Das bisher völlig unbekannte Trio Elaiza vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2014 am 10. Mai in Kopenhagen. Vor 6500 Zuschauern in Köln holten sich die drei gestern Abend überraschend das Ticket.

Am Ende konnten sie es kaum fassen, weiß gekleidet, überglücklich. „Es ist ein Traum“, glaube ich, sagte Sängerin Ela nach der Show. Keck lugten sie hinter ihrem Kontrabass hervor – und hatten die Halle sofort im Sack. Und der Graf von Unheilig, bis zuletzt haushoher Favorit, bleibt zu Hause.

„Wenn du gewinnen willst, musst du das ganze Land auf deine Seite ziehen“, hatte der „Graf“ - mit bürgerlichem Namen Bernd Heinrich Graf - vor der ARD-Show gesagt. Das gelang ihm nicht. Er verlor knapp, der Mann, der als Kind stotterte, später Zahntechniker wurde, dann Zeitsoldat. Irgendwann zog er den Gothic-Brokatmantel und die Lederstiefel aus und wurde „Der Graf“ - Kunstfigur mit sorgfältig gepflegter Rätselaura, Charismatiker in Bestatteroptik, Mittelpunkt einer treuen Fangemeinde. Das glamouröse Pathos des Grafen allerdings vermittelt sich vor allem durch die Sprache. Er hätte es ohnehin nicht leicht gehabt zwischen all den Federboas, Trickkleidern und Teufelsgeigern.

Elaiza vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2014 in Dänemark. Gegen dieses Konkurrenten musste sich das Mädchentrio behaupten.

Elaiza also, Gewinnerinnen der WildCard, mit einem Lied, das schnell hängen bleibt. Es war dann doch nicht der fröhliche Ahoifolk der Seeräuberjungs von Santiano, der das Rennen machte. Mit ihrem Mix aus Shanty, Irish Folk, Volkslied und schwerer See in der Seele sind „die Giganten des Shanty-Rock“ (ARD) seit Jahren eine Art Fischerchöre 2.0 – quasi die borstigen Enkel von Hans Albers. Ihre Kaperfahrt führt die Nordlichter nun zwar nicht nach Kopenhagen, aber Piraten kennen keinen Schmerz.

Einen „Querschnitt der aktuellen deutschen Popmusik“ hatte ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber vor der Show versprochen. Ganz ohne krawallige Schrägheiten, mit einer allerdings nur mittellustigen Barbara Schöneberger („ein musikalischer G-8-Gipfel!“) als Moderatorin, lieferte die ARD ihre beste TV-Show für jungen Pop des Jahres. Was kein Kunststück ist: Es war die einzige. Das öffentlich-rechtliche Popfernsehen liegt am Boden, man muss dankbar sein für das, was da ist.

Newcomerin MarieMarie zum Beispiel, die es mit frischem Achtziger-Pop, Harfe und viel Frisur ins Halbfinale schaffte. Madeline Juno dagegen, die 18-Jährige aus dem Schwarzwald, nannte ihre Musik zwar „Heart-Core“ , durfte gestern aber nur einmal an die Rampe. Ansonsten alles dabei: Flötenschlumpf, Barfußmädchen, Silberstulpen, Harfe, Trommler.

Der verrätselte Berliner Szenekünstler Das Gezeichnete Ich schwurbelte sich durch seine anstrengende Soundcollage, die klang, als habe der Cousin von Kraftwerk im Keller eine Stromgitarre entdeckt. Den drei sympathischen The-Baseballs-Jungs mit ihren akkurat pomadierten Teddyboy-Tollen wollte man gern auf die Schulter klopfen mit den Worten: „Wichtig ist, dass ihr Spaß habt!“ Und Oceana, die coole Hamburgerin? Wollte mit ihrem Song „Thank You“ ein „neues Leben anfangen“. Das kann sie nun, allerdings nicht in Kopenhagen.

Elaiza also. Es ist keine schlechte Wahl. Wenn die drei sympathischen Sängerinnen am 10. Mai in Kopenhagen auch nur annähernd Tagesform erreichen, dann droht keine Wiederholung der Blamage von Malmö. Platz 21 für Cascada? Schon vergessen.

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