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Medien & TV Erfolgreiche Serie „Glee“ startet auf Super RTL
Nachrichten Medien & TV Erfolgreiche Serie „Glee“ startet auf Super RTL
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19:43 16.01.2011
Von Marina Kormbaki
Sie müssen noch viel üben: Die Mitglieder des „Glee Club“ geben aber nicht auf – schließlich setzt die Musikindustrie große Hoffnungen in sie. Quelle: RTL
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Würde sie sich um einen dieser Preise für engagierte Ganztagsschulen mit buntem Nachmittagsprogramm bewerben, die William McKinley High School in Lima, Ohio, hätte gute Chancen. Nicht unbedingt wegen der Originalität ihres AG-Angebots – Cheerleading und Football hat wohl jede amerikanische High School im Programm. Auch nicht etwa wegen der guten Ausstattung, obwohl es für eine öffentliche Schule doch überrascht, dass nahezu überall eine Gitarre lehnt oder ein Mikrofonständer rumsteht. Preiswürdig sind vielmehr der Idealismus und das Engagement der Lehrer, allen voran von Spanischlehrer Will Schuester.

Schuester, gespielt vom Broadway-erfahrenen Mattew Morrison, will den traditionsreichen „Glee Club“ der Schule wiederaufleben lassen – einen Showchor, in dem Schuester einst selbst als Schüler gesungen und Erfolge gefeiert hatte. Aber ihm geht es anfangs so wie vielen Lehrern mit guten Ideen: Sie sind die Einzigen, die ihren Einfall so richtig zu schätzen wissen. Musikpädagoge Schuester, eine Art gereifter Justin Timberlake, findet also kaum jemanden, der in seiner Musicalgruppe mitmachen will. Mit Ausnahme von einigen Außenseitern, die ihren Mitschülern bisher lediglich dadurch aufgefallen sind, dass sie in deren Augen zu dick, zu schwul, zu eingebildet sind oder im Rollstuhl sitzen. Das sind nicht unbedingt die Leute, mit denen Schuester seinem Chor namens „New Directions“ ein cooles Image geben könnte.

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Die jungen Sänger aber deuten ihren Sonderlingstatus als Mission: Jede Widrigkeit und jedes Hindernis ist ein Grund mehr, für ihren Traum vom Ruhm zu kämpfen. Es ist die trotzige Überzeugung dieser Teenager, dass die Welt ihnen Achtung und Aufmerksamkeit schuldet. Sie haben es sich verdient. Klar, dass die ersten gemeinsam geprobten Stücke Mutmachersongs wie „Respect“ von Aretha Franklin oder „Don’t Stop Believin’“ der Achtziger-Jahre-Band Journey sind.

So war es denn auch kein Zufall, dass die erste Folge der Serie in den USA im Sommer 2009 im Anschluss an die Castingshow „American Idol“ gezeigt wurde. Beiden Formaten liegt eine allumfassende Idee von Wettbewerb zugrunde: Nur der Beste, Talentierteste, Begabteste kommt weiter im Leben, und Leben, das ist in erster Linie die ganz große Show. Gleich in der ersten Folge sagt die verwöhnte Rachel Berry (Lea Michele) in einem Nebensatz: „Lieber arm als anonym“, und während sie so vor sich hinplappert, darüber, dass sie „Teil eines Besonderen sein möchte“, ergänzt sie gerade ihr „Myspace“-Profil im Internet um eine weitere Belanglosigkeit.

Die Serie ist reich an feinen Beobachtungen aus dem ambivalenten, zwischen mediengenerierten Allmachtsphantasien und schnödem Vorstadtleben taumelnden Alltag Jugendlicher. Vor allem aber ist die Serie „Glee“, die seit eineinhalb Jahren zu den erfolgreichsten US-Serien zählt und hier sonderbarerweise vom Randkanal Super RTL gezeigt wird, sehr poppig.

Es ist nicht so, dass überall und ständig gesungen wird. Wie schon in dem Disney-Film „High School Musical“ entsprechen die Gesangseinlagen realen Singsituationen, etwa wenn der Chor gerade probt, die neurotische Vertrauenslehrerin Emma Pillsburry (Jayma Mays) sich im Auto an der Ampel unbeobachtet wähnt oder Schulschwarm Finn Hudson (Cory Monteith) gerade duscht.

Dennoch: Alle singen hier sehr viel. Was auch daran liegt, dass zahlreiche Vertreter der siechenden Musikindustrie mit „Glee“ wieder zu Geld kommen: Die Plattenfirmen reißen sich darum, neue Singles in der Serie zu platzieren, vorgetragen vom Schulchor. Das sichert Aufmerksamkeit bei der anvisierten Zielgruppe: Rund zehn Millionen Menschen verfolgten die erste Staffel beim US-Sender Fox, die zweite läuft dort gerade. Die Songs zu den einzelnen Folgen sind eine Woche vor Ausstrahlung im iTunes-Store zu kaufen, hinterher gibt es sie überall. Mehr als fünf Millionen Alben mit eigens für die Serie verfassten Stücken wurden verkauft, mit 75 Songs in den „Billboard Hot 100“-Charts binnen eines Jahres überholte „Glee“ sogar die Beatles in den USA. Ganz zu schweigen von zahlreichen Golden-Globe- und Emmy-Auszeichnungen.

Es sind gar nicht so sehr die Querelen und Sehnsüchteleien der Teenager, die den bemerkenswerten Erfolg der Serie ausmachen. Die Serie hat einige Nebenrollen treffend besetzt, allen voran Jane Lynch als zynische Sportlehrerin mit Megafon. Und dann sind da noch die vielen Gastauftritte Prominenter: Madonna war da, Lady Gaga und auch Britney Spears. Und Teenieheld Justin Bieber soll zurzeit auch darüber nachdenken, ob er nicht gelegentlich in der William McKinley High School vorbeischaut.

Ob nun mit Bieber oder ohne – die helle Vorfreude in deutschen Teenie-Netzportalen legt nahe, dass dem kleinen Sender Super RTL mit „Glee“ ein großer Coup gelingen könnte.

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