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Medien & TV „Es geht dir an den Kragen“
Nachrichten Medien & TV „Es geht dir an den Kragen“
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22:15 07.12.2011
Total normal: Hape Kerkeling 1991 in seiner ARD-Sendung „Total normal“, mit der er – als Königin Beatrix und Mitropa-Kaffeemaschinenverkäufer – den Durchbruch als Entertainer schaffte. Kurz darauf outete Rosa von Praunheim ihn als schwul. Quelle: dpa

Es ist der 10. Dezember 1991. Tags zuvor hatte Hape Kerkeling seinen 27. Geburtstag gefeiert. Am Abend darauf tritt der Schwulenaktivist Rosa von Praunheim live im Fernsehen auf und outet den TV-Liebling in einer beispiellosen Aktion gegen dessen Willen als homosexuell. Am Sonnabend jährt sich der legendäre Auftritt in der RTL-Krawallshow „Explosiv – Der heiße Stuhl“ zum 20. Mal. Ein Bärendienst für die Schwulenbewegung? Oder ein Freundschaftsdienst? Mit Sicherheit: ein Stück Fernsehgeschichte.

„Mein Outing von schwulen Prominenten war ein Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aids-Krise“, erklärt der heute 69-jährige Rosa von Praunheim auf seiner Website. Ihm sei es damals darum gegangen, schwule Sympathieträger, die versteckt lebten, zur Solidarität mit der Homosexuellengemeinschaft zu bewegen, weil es in ihr die meisten HIV-Infizierten und Aids-Toten zu beklagen gab. Von Praunheim outete in der Sendung auch Alfred Biloek und – fälschlicherweise – Götz George.

Seine Aktion bereut der Filmemacher („Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“) keineswegs. „Beide haben ja davon profitiert“, meinte er noch kürzlich. Der damalige RTL-Moderator Ulrich Meyer sieht die Sache anders: „Das war damals leider viel zu blauäugig von mir. Ich habe Alfred Biolek und Hape Kerkeling deshalb nie eine Erklärung aufgenötigt oder sie um Entschuldigung gebeten. Das war unverzeihlich ...“

„Auf dem ,heißen Stuhl‘ machte ich mir keine Freunde“, sagte von Praunheim in einem Interview. Aber: „Trotz dieses Tabubruchs äußerten sich sogar Alfred Biolek und Hape Kerkeling im Nachhinein versöhnlich zu meiner Aktion, die ich heute nicht mehr wiederholen würde.“ Auf jeden Fall habe sich „die einseitig negative Berichterstattung in den Medien über Schwule zum Besseren“ verändert.

Direkt nach der RTL-Show titelte die „Bild“-Zeitung am 12. Dezember 1991 aber erst einmal: „Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV“ und machte damit das Outing erst so richtig bekannt. Die Sendung selbst hatten am 10. Dezember, abends zwischen 22 und 22.50 Uhr, nach Angaben von Media Control im Schnitt 4,02 Millionen Menschen gesehen (21,0 Prozent Marktanteil). Vor dem Hintergrund des damals noch geltenden Paragrafen 175 – der „Schwulenparagraf“ legte noch bis 1994 (zumindest in Westdeutschland) ein höheres Schutzalter für gleichgeschlechtlichen Sex fest – schrieb die „Bild“ unter die Überschrift: „Hape Kerkeling zum Geständnis gezwungen: Ja, ich bin schwul“.

Etwa ein Jahr nach dem Outing sagte Kerkeling im „Spiegel“: „Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt.“ Doch das Publikum habe „irre normal reagiert“. „Sogar in der tiefsten bayerischen Provinz, wo ich kurz nach dem Outing auf Tournee war, bin ich nie dumm angequatscht worden. Es gibt in unserem Gewerbe so viele Untergrund-Schwule, die teilweise zur Tarnung in die Ehe geflüchtet sind. Ich kann nur jedem raten, sich nicht zu verstellen.“

Den Ablauf des Zwangsoutings stellte Kerkeling so dar: Einen Tag vor der berüchtigten „Explosiv“-Sendung habe Praunheim ihn angerufen und wissen wollen, ob er schwul sei. „Ich habe ihm gesagt: ,Das veröffentliche ich, wenn ich es für richtig halte.‘ Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Am Abend darauf rief eine entsetzte Freundin bei mir an: ,Schalt sofort den Fernseher ein, es geht dir an den Kragen.‘ Als Rosa meinen Namen nannte, war ich der Ohnmacht nahe.“

Im „Spiegel“ erläuterte Kerkeling auch, dass er damals schon länger eine Enthüllung befürchtet hatte. „Ich habe mich nie an die Samstagabendshow getraut, weil die Schnüffler von der Boulevardpresse dann mit Sicherheit in meinem Privatleben gewühlt und herausgefunden hätten, dass ich seit Jahren mit meinem Freund zusammenlebe.“ Ironie der Geschichte: Auch jetzt, wo sein Privatleben kein Geheimnis mehr ist, will Kerkeling keine Samstagabendshow machen, wie seine „Wetten, dass ...?“-Absage Anfang November gezeigt hat.

Wie sieht es heute mit dem Outing und Coming-out von Prominenten aus? In der Politik und in der Unterhaltungsbranche scheint der Umgang mit der sexuellen Orientierung lockerer und die Akzeptanz von Homosexualität größer geworden zu sein – ein schwuler Außenminister, ein schwuler Regierender Bürgermeister in Berlin, kein Problem. In der Wirtschaft jedoch und vor allem im Sport, insbesondere im Fußball, haben allein schon Gerüchte – zum Beispiel über die angebliche Liaison eines Kickers und eines TV-Moderators – nach wie vor großes Tuschel-Potenzial. Und je mehr die Genannten abstreiten, desto größer wird das Getuschel – ein Teufelskreis, der weiter Bestand hat. Auch 20 Jahre nach Rosa von Praunheims spektakulärer Verzweiflungstat.

Gregor Tholl

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