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20:24 14.01.2014
Ein Vater flippt aus: Der Konflikt von Stiefvater Andreas (Mark Waschke) und Stieftochter Sarah (Sinje Irslinger) endet mit Handgreiflichkeiten. Quelle: WDR
Hannover

Auf den ersten Blick sind Birgit, Andreas und Sarah eine heile Patchworkfamilie. „War herrlich“, schwärmt die Mittdreißigerin Birgit (Silke Bodenbender) ihrer Reihenhausnachbarin nach dem Familienurlaub in Holland vor. Doch sah die Realität oft anders aus: Es gab nicht nur Spannungen am Strand, sondern auf der Rückfahrt im Auto auch einen handfesten Krach zwischen ihrem Mann Andreas (Mark Waschke) und Sarah (Sinje Irslinger), ihrer Tochter aus erster Ehe – woraufhin Andreas die 13-Jährige, die den Streit dreist provoziert hatte, wutentbrannt an der Raststätte zurückließ.

Von Schein und Sein eines bürgerlichen Familienlebens, von Aggression und Gewalt hinter gepflegter Fassade erzählt die 1966 geborene Regisseurin und Grimme-Preisträgerin Nicole Weegmann („Mobbing“) so eindringlich wie differenziert in ihrem Spielfilm „Es ist alles in Ordnung“.

Dabei müssen die Verhältnisse hier erst zu einer wahrhaft abgründigen Situation eskalieren, damit die stets einem Traumbild von Harmonie nachjagende Birgit ihre Passivität aufgibt und endlich handelt. Selbst vaterlos aufgewachsen, ist schließlich für sie eine intakte (Patchwork-)Familie etwas, das sie sich selbst und der übrigen Welt um nahezu jeden Preis bieten will. Dafür beteuert sie schon mal, die blauen Flecke auf Sarahs Körper stammten „vom Turnen“. Die von ihr wegen „klarer Verhältnisse“ angestrebte Adoption ihrer Tochter durch den Stiefvater erweist sich dann jedenfalls nicht als das Mittel, den Frieden im Haus herzustellen – im Gegenteil. Die Pubertierende fühlt sich noch weniger verstanden, provoziert mit ihrer flinken Zunge umso mehr. Ihren leiblichen Vater scheint der Konflikt nicht zu interessieren.

Packend feinfühlig setzen die Darsteller, zu denen auch der kleine Caemon van Erp als siebenjähriger Sohn Philipp gehört, das Drehbuch von Christina Ebelt und Ingo Haeb um. Das zeigt Menschen in ihrer Fehlbarkeit, verzichtet zugleich auf allzu simple Schuldzuschreibungen. So durchleben auch die Zuschauer Wechselbäder der Gefühle bei diesem Film.
Der brutal reagierende Stiefvater und die wegguckende Mutter als Mittäterin ziehen nicht nur Ablehnung und Verurteilung auf sich. Und die im Kern traurige, sich alleingelassen fühlende Teenagertochter darf nicht nur auf Verständnis hoffen.

Geschädigter bleibt allemal der kleine Philipp, der sich nach den Gesetzen der Psychologie bereits als nächster Kandidat für einschlägige Beziehungsdesaster empfiehlt.
Zur Ausdrucksstärke des Films trägt auch die Kameraführung von Ngo The Chau („Tom Sawyer“) bei. Das verlogene Familienglück fängt er in fahlen Farben ein. Bettina Schmidt hat dabei für ein Szenenbild gesorgt, das immer wieder Enge, Leb- und Ausweglosigkeit suggeriert – so endet ein Blick aus dem Fenster nach plattem, kahlem Land schon bald am dunklen Waldrand.

„Es ist alles in Ordnung“ | ARD, Familiendrama mit Silke Bodenbender, Mittwoch, 20.15 Uhr

dpa

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