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Medien & TV Tödliche Lügen
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00:15 01.01.2014
Von Christiane Eickmann
Die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ermitteln im Kieler Tatort. Quelle: ARD / NDR
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Sabrina Dobisch (Lavinia Wilson) ist eine attraktive 30-Jährige. Sie legt großen Wert auf ihr Äußeres, sich stilvoll zu kleiden und zu frisieren. Dobisch arbeitet als Altenpflegerin und gibt sich auch allgemein gern hilfsbereit. Doch etwas stimmt nicht mit diesem engelsgleichen Wesen. Daran lässt der neuste Kieler „Tatort“ „Borowski und der Engel“ von Anfang an keinen Zweifel.

Als ein Patient der Altenpflegerin röchelnd in seinem Bett stirbt, greift Dobisch nicht ein, sondern schaut nebenan im Wohnzimmer einen alten Liebesfilm im Fernsehen. Die schwarze (!) Katze des Toten lässt sie wenig später absichtlich auf die Straße laufen und löst dadurch einen folgenschweren Verkehrsunfall aus: Eine Immobilienmaklerin (Leslie Malton), die dem Tier ausweichen will, fährt in einen Blumenladen. Die Frau überlebt schwer verletzt, doch ein junger Pianist stirbt - in Sabrina Dobischs Armen, die schnell herbeigeeilt war. „Sie wollte mich töten“, zitiert die Altenpflegerin fortan gegenüber Polizei und Journalisten die angeblich letzten Worte des jungen Mannes über die Unfallfahrerin. So konstruiert sie einen Kriminalfall, den es in der Realität nicht gibt. Doch Dobisch ist das egal, denn sie liebt Fantasiewelten.

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Seit zehn Jahren ermittelt Axel Milberg als Klaus Borowski in Kiel. In der neuen Folge glänzt unter anderem Lavinia Wilson als rätselhafte Altenpflegerin.

Das Kieler „Tatort“-Team war stets offen für Experimente, so auch beim Jubiläumsfall. Denn dieser ist kein klassischer Fernsehkrimi. Die Arbeit der Ermittler tritt in den Hintergrund, erzählt wird dagegen die Geschichte einer psychisch kranken Frau, über die der Zuschauer stets mehr weiß als die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Der „Tatort“ als Psychothriller, warum nicht? Auch spielt Lavinia Wilson den gefährlichen „Engel“ beeindruckend facettenreich: Sie schaut in einem Augenblick mit großen braunen Augen treuherzig den Kommissar an, nur um im nächsten Moment einen weiteren unbarmherzigen Plan auszuhecken. Und doch geht das aktuelle „Tatort“-Experiment von Drehbuchautor Sascha Arango und Regisseur Andreas Kleinert schief. Denn das Drehbuch basiert auf viel zu vielen aberwitzigen Zufällen und wurde zäh inszeniert.

Auch ist Dobisch leider nicht die einzige künstlich wirkende Figur im Thriller-ensemble. Denn berauscht an ihrer neuen Wichtigkeit hat diese nichts Besseres zu tun, als sich bei der Familie des toten Pianisten als dessen angebliche Verlobte vorzustellen. Und spätestens hier wird es krude. Denn die trauernden Eltern (wie Karikaturen: Victoria Trauttmannsdorff und Horst Janson) lassen die junge Frau tatsächlich in ihre Villa einziehen. Irgendwie erinnert das an die staubigen Siebziger und Fernsehermittler Derrick. Es fehlt nur noch der Cognac für den Kommissar. Der ist dieses Mal übrigens derart norddeutsch-gelassen, als habe er eigentlich gar keine Lust zu ermitteln. Selbstironisch wirkt da die witzige Szene, in der jemand Borowski auf der Straße einen Euro in den leeren Kaffeepappbecher wirft.

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