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18:08 29.05.2014
Ménage-à-trois: Matthias (Devid Striesow) heiratet Diana (Anna Maria Mühe, li.), doch seine Gefühle gehören Pastorin Lily (Jeanette Hain). Quelle: ARD
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Es gibt Dinge, die sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Dazu gehört auch das Freitagabendfernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. An diesem Tag wird seit Menschengedenken in ZDF-Krimis gemordet, in den Dritten Programmen getalkt, und in der ARD lässt man sich Zeit für große Gefühle. Neustes Beispiel für den emotionalen Feierabendrausch ist der Liebesfilm „Göttliche Funken“, den Maria von Heland inszeniert hat, die zusammen mit Sathyan Ramesh auch das Drehbuch schrieb.

Entstanden ist eine gefühlsechte Romanze, die, dank ihrer gut durchkomponierten Bilder und Einstellungen und der Hauptdarsteller Jeanette Hain und Devid Striesow, schön sowie ungewöhnlich glaubhaft und äußerst anrührend anzuschauen ist.

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Bis die zwei zueinanderfinden, dauert es allerdings fast eine Stunde. Zuvor wird erst einmal geheiratet. Doch die Trauung hat Folgen, die sich wohl keiner der Beteiligten hat vorstellen können: Sie beginnt mit Verspätung, da der Pfarrer auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz verunglückt ist. Als Ersatz springt kurzerhand Pastorin Lily (Jeanette Hain) ein, der der Name des Bräutigams irgendwie bekannt vorkommt. Und tatsächlich: In der Kirche vor dem Altar hat sie schnell Gewissheit: Matthias, den sie mit Diana (Ann Maria Mühe) trauen soll, ist einst ihre große Jugendliebe gewesen. Die beiden drückten gemeinsam die Schulbank, dann wurden sie ein Paar, bis sie sich wegen eines Umzugs in eine andere Stadt trennten.

Auch Matthias scheint wie vom Blitz getroffen zu sein, als er in der Pastorin seine geliebte Lily von früher erkennt. Dennoch lassen die beiden sich äußerlich kaum etwas anmerken. Doch bei der anschließenden Hochzeitsfeier verabreden sie sich zusammen mit ihren jeweiligen Partnern zu einem gemeinsamen Essen. Diesem ersten Treffen folgen weitere, schließlich eine Fahrt der beiden Paare zu einer Abiturfeier, die endgültig bei Matthias und Lily wehmütige Erinnerungen an ihre verflossen geglaubte große Liebe weckt.

Anschließend geschieht, was in einer solchen Romanze einfach geschehen muss: Als Diana für ein paar Tage dienstlich unterwegs ist, kommen die zwei sich auch körperlich näher. Mehr wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da der Film seine Zuschauer gegen Ende mit noch ein paar ungewöhnlichen Wendungen überrascht. Und – was noch erstaunlicher ist – sogar einen durchaus unkonventionellen harmonischen Ausweg für beide Paare aus dieser verflixten Situation andeutet.

Aber nicht nur das unterscheidet diesen Film von den sonst üblichen Liebesromanzen von der Stange. Es ist beachtlich, wie es der Regisseurin gelingt, die bei diesem hochemotionalen Genre stets drohende Kitschgefahr zu vermeiden. Das liegt neben den guten Darstellern vor allem an den oft recht originellen Dialogen. Und an der Tatsache, dass die Geschichte bei allem beschworenen Herz und Schmerz wenig gefühlsduselig wirkt.
Kurzum: „Göttliche Funken“ ist ein sorgfältig inszenierter, bisweilen leicht artifizieller Liebesreigen. Und ein glaubhaft daherkommendes Drama, das Groschenroman-Romantik vermeidet.

Von Ernst Corinth