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Medien & TV „Fremde Heimat“ läuft in der ARD
Nachrichten Medien & TV „Fremde Heimat“ läuft in der ARD
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18:28 13.03.2011
Von Simon Benne
Harte Arbeit und zäher Aufstiegswille halfen Vertriebenen, im Westen heimisch zu werden – wie diesen Fischern aus Ostpreußen, die in Norddeutschland eine neue Heimat fanden. Quelle: ARD

Ihre Geschichten erzählen von Hartherzigkeit, Diskriminierung und Demütigung. Da ist die bayerische Bäuerin, die dem ausgemergelten Flüchtlingskind verbietet, einen Apfel aufzulesen. Da sind die katholischen Dorfbewohner, die ihre Kinder nicht mit dem evangelischen Stadtkind aus Breslau spielen lassen. Da ist das Mädchen aus dem stinkenden Barackenlager, das niemand aus der Schulklasse zum Geburtstag einlädt. Es sind bewegende Geschichten, die die Kinder von damals, aus der Zeit nach 1945, in der zweiteiligen Dokumentation „Fremde Heimat“ erzählen.

Mehr als zwölf Millionen Deutsche wurden nach Kriegsende vertrieben, und oft war ihr Martyrium nach der Ankunft im Westen nicht vorüber. Vielerorts waren sie eher geächtet als geachtet. „Wir waren am tiefsten Punkt der sozialen Leiter gelandet“, erinnert sich ein Mann, der als 16-Jähriger aus dem Memelland vertrieben wurde. Die Integration der Flüchtlinge gilt bis heute – zu Recht – als eine der großen Erfolgsgeschichten der deutschen Geschichte. Die Dokumentation und das parallel dazu erschienene Begleitbuch „Fremde Heimat (rowohlt Berlin, 272 Seiten, 19,95 Euro) zeigen allerdings eindringlich, dass diese Entwicklung keineswegs so geradlinig verlief, wie es die Gründungsmythen der Bundesrepublik oft behaupten.

In der DDR wurde die Vertreibung als „Umsiedlung“ schöngeredet, das Schicksal der Betroffenen war tabu. Im Westen instrumentalisierten konservative Politiker Vertriebene als Kronzeugen gegen den Kommunismus, Linke denunzierten sie als Revanchisten. Bei alledem blieben die Vertriebenen oft lange unter sich. In Stuttgart-Zuffenhausen gründeten Donauschwaben, die in einem Barackenlager zusammengepfercht lebten, gar einen eigenen Fußballverein. Den FC Batschka, benannt nach ihrer Region in Jugoslawien, feuerten bei Auswärtsspielen Hunderte Lagerbewohner an.

Henning Burk und Erika Fehse skizzieren in ihrem Zweiteiler ruhig und einfühlsam, wie die Integration dann doch gelang. Der wachsende Wohlstand spielte eine Rolle, das zähe Aufstiegsstreben der sozial Deklassierten und der unbedingte Wille, dazuzugehören. Teils verband ein gemeinsamer Gegner Einheimische und Flüchtlinge – wie in Salzgitter, wo sie gemeinsam gegen die Demontage von Industrieanlagen durch Alliierte kämpften.

Teils aber fanden die Entwurzelten auch Halt bei Schicksalsgefährten: Wallfahrten, Heimattreffen und die Pflege der eigenen Identität in den viel gescholtenen Landsmannschaften halfen ihnen, ihr Los zu ertragen – und trugen so zur Integration bei.

Wirtschaftlich profitierten die Einheimischen oft von Know-how und Unternehmergeist der Vertriebenen: Viele Geigen- und Gitarrenbauer aus dem böhmischen Schönbach fanden im bayerischen Bubenreuth Zuflucht, nachdem andere Orte sie abgewiesen hatten. Sie etablierten dort eine florierende Instrumentenindustrie: Stars wie John Lennon spielten auf Instrumenten made in Bubenreuth – und im Ort wurden bald Schule, Kirche und Straßen gebaut.

Die Dokumentation lässt den Berichten von Zeitzeugen viel Raum, doch hier und da fehlen Historiker, die das Gehörte einordnen. So kommt zum Beispiel etwas kurz, dass es oft Frauen waren, die das Überleben der Familien sicherten – die Männer waren entweder gefallen, in Gefangenschaft oder tief demoralisiert. Denn 1945 war auch die Welt männlicher Ideale von Heldentum, Opfergeist und Stärke untergegangen.

„Fremde Heimat“ | ARD
Vertriebenen-Doku
Montag und kommenden Montag, 21 Uhr

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