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Medien & TV „Germany’s Next Topmodel“ geht in die sechste Runde
Nachrichten Medien & TV „Germany’s Next Topmodel“ geht in die sechste Runde
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20:10 02.03.2011
Von Hannah Suppa
Creative-Director Thomas Hayo und Designer Thomas Rath unterstützen Heidi Klum in der Jury.
Creative-Director Thomas Hayo und Designer Thomas Rath unterstützen Heidi Klum in der Jury. Quelle: PRO7
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Sie traten an, um berühmt zu werden. Um mit ihrem Aussehen Geld zu verdienen. Sie wollten um die Welt reisen, in der Hoffnung, dass ein bisschen von Heidi Klums vermeintlichem Glamour auf sie abstrahlen würde. 2006 hatten 11.637 junge Frauen diesen Traum, sie alle bewarben sich für die erste Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM). Im vergangenen Jahr, bereits die fünfte Auflage der Show, waren es sogar 23.248. Die Träume vieler deutscher Mädchen sind immer noch groß. Obwohl inzwischen jede Bewerberin wissen sollte, dass die Siegerin der PRO7-Show keine internationale Topmodelkarriere erwartet, sondern vorerst Werbeverträge im Heidi-Kosmos: für deutsche Modehäuser, Damenrasierer, Erdbeerschokolade. Jedes Jahr wieder, ­jedes Jahr ein neues Gesicht. Sie wissen das alle, doch sie wollen es trotzdem.

Barbara Meier hat das alles mitgemacht, die klumsche Werbemaschinerie, die roten Teppiche. Das war vor vier Jahren. Heute blickt die 24-jährige „Topmodel“-Gewinnerin der zweiten Staffel äußerst selbstreflektiert auf den Verlauf ihrer Karriere. „Klar, gerade in Deutschland gibt es Vorbehalte gegen Castingshows, aber ich bin nun mal ein Castingmodel“, sagt die Bayerin. Vor „GNTM“ war das rothaarige Model Mathematikstudentin in Regensburg im dritten Semester, Programmiererin wollte sie werden. „Ich war eine richtige Streberin“, erzählt sie und lacht. Ihre Rolle war in der Show die der schlauen, schüchternen, eher unscheinbaren Elfe. Zumindest ihr Vordiplom in Mathematik wolle sie ablegen, sagte sie damals. Daraus ist nichts geworden. „Modeln und Studium ließen sich nicht vereinbaren – ich konnte nur eines richtig machen.“ Sie wählte das Modeln und läuft inzwischen sogar für Wolfgang Joops Label „Wunderkind“ in Paris über den Laufsteg. Im ersten Jahr nach der Sendung habe sie viel in Deutschland gearbeitet und „Aufträge erhalten, die meiner Prominenz zu verdanken waren“, sagt sie. Meier machte sich danach auf ins Ausland – um das Modeln nach dem „Modelcrashkurs richtig zu lernen“. Istanbul und Athen wurden ihre ersten Stationen. Ihr Castingsieg hat dort nie eine Rolle gespielt, sie hat auch niemandem davon erzählt. „In Deutschland schauen die Leute zuerst gar nicht richtig hin, sie haben ein Bild von mir im Kopf, und sie sehen nicht, was ich mir alles erarbeitet habe.“ Sie erzählt es ruhig, ohne Bedauern, ohne Genervtsein – aber mit einem gewissen Ehrgeiz. Sie will zeigen, was sie kann.

Bei der Agentur, für die Meier als Gewinnerin der Show einen Vertrag bekam, ist sie seit dem vergangenen Jahr nicht mehr. „Ich bin komplett frei.“ Man habe sich freundschaftlich getrennt. Andere Kolleginnen, die mit ihr in ihrer Staffel konkurrierten, hatten vor einiger Zeit Schlagzeilen gemacht, weil sie sich aus den Verträgen des Klum-Imperiums geklagt hatten. „Die Show war ein Sprungbrett, aber irgendwann muss man zu neuen Ufern aufbrechen“, sagt Meier.

Und die anderen? Sind sie abgesprungen? Jennifer Hof, die mit ihren 113 Zentimeter langen Beinen und dem kurzen Blondschopf 2008 von Klum zur Siegerin gemacht wurde, ist erst einmal gar nicht zu erreichen. Mails an die angegebene Adresse kommen mit einer Fehlermeldung zurück, die Homepage wurde zuletzt im Jahr 2009 aktualisiert. Eine Topmodel­vermarktung sieht anders aus. Auch um die Vorjahressiegerin Alisar Ailabouni ist es vor allem eins: ruhig. Die fünfte Staffel hatte die bisher schlechteste Quote. Die 22-Jährige kämpfte sich durch die vorgegebenen Werbeaufträge, lächelt hier und da neben 2009-Gewinnerin Sara Nuru in die PRO7-Kameras. Modelkarriere? Auch hier: Fehlanzeige. Die kecke Sara ist präsenter. Sie ist bei Schauen namhafter deutscher Designer auf dem Laufsteg zu erblicken, spielte im Kinofilm „Otto’s Eleven“ und saß gar auf dem „Wetten, dass ...?“-Sofa. Nuru hat ihren Namen etabliert – und machte es damit Topmodel Nummer eins, Lena Gercke (Gewinnerin 2006), nach. Die lächelte seit ihrem Sieg einer breiten Masse vom H&M-Katalog entgegen, moderierte die österreichische Ausgabe der Topmodelshow und posierte eine Zeit lang auf den roten Teppichen neben Dschungelcampbewohner Jay Khan.

An all das, was nach dem Glitterregen beim Topmodelfinale kommen könnte, haben die 13.374 Bewerberinnen der aktuellen Staffel wohl noch nicht gedacht – bei einer Castingtour durch 21 Städte haben sie sich aufgereiht und begutachten lassen. Aber nicht von Heidi Klum. Für die sechste Staffel wurde das Verfahren geändert: 50 angehende Models wurden vorab ausgesucht, sogar schon auf der Senderhomepage vorgestellt und zur Abstimmung freigegeben. Und erst jetzt kommt Heidi Klum in den Ring – und an ihrer Seite finden sich wieder neue Gesichter: „Creative Director“ Thomas Hayo (41) und Designer Thomas Rath (44). Der Druck bei der ­Modelquälerei wird erhöht, erstmals kann jedes Mädchen jederzeit rausfliegen.

Am Donnerstagabend müssen die Frauen gleich einen Weltrekord knacken: Sie sollen in einer Stunde insgesamt 175 Kilometer in High Heels auf einem Laufband laufen. Warum auch immer. Mit ihnen auch Marie Retzlaff aus Hannover. Die 19-Jährige hat es unter die Top 50 geschafft – eigentlich studiert sie BWL, doch ihr Spaß an Mode hat sie zum Casting geführt. In der Südstadt lebt sie, im hannoverschen Tanzstudio „Olandos“ verbringt sie ihre Freizeit. Am Donnerstag ist sie erst einmal auf dem TV-Schirm zu sehen – mit 49 anderen Frauen. Sie alle wollen die Nächste sein.

„Germany’s Next Topmodel“ | PRO7

Castingshow mit Heidi Klum Donnerstag, 20.15 Uhr