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Nachrichten Medien & TV Google klaut Emdern den Hafen
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09:15 23.02.2011
Von Frerk Schenker
Google-Maps zufolge verläuft direkt am Emder Hafen die Grenze zu den Niederlanden.
Google-Maps zufolge verläuft direkt am Emder Hafen die Grenze zu den Niederlanden. Quelle: Ralf Decker
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Emden ist geschrumpft: Der Stadt an der Emsmündung ist ein Großteil seines Hafens abhandengekommen. Schuld daran ist ausgerechnet der US-Konzern Google, der normalerweise damit wirbt, beim Suchen und Finden helfen zu wollen. Doch an der ostfriesischen Küste scheint der Internetriese sein Firmenmotto kurzerhand vergessen zu haben. Grund für die Verlustmeldung: Der Kartendienst Google Maps hat die deutsch-niederländische Staatsgrenze falsch eingezeichnet und Teile des Emder Hafens den Niederlanden zugeschlagen. Glaubt man Google, so müssten die Emder nur noch von der Kaimauer springen – schon wären sie im Nachbarland. Oder den Deich hinablaufen, denn an der Waterkant liegt laut Google bereits das Königreich.

Die Grenzziehung an Ems und Dollart ist in der Tat umstritten, auf den genauen Verlauf konnten sich beide Staaten nie einigen. So beruft sich Deutschland auf eine Urkunde aus dem 15. Jahrhundert, nach der die Grenze bis an die niederländische Küste heranreicht. Die Niederlande hingegen berufen sich auf das Völkerrecht und sehen den korrekten Grenzverlauf in der Mitte des Ems-Fahrwassers. Mit der Grenzdarstellung, wie sie bei Google Maps zu finden ist, haben jedoch beide Varianten nichts gemein.

Deutschland und die Niederlande einigten sich schließlich 1960 im Ems-Dollart-Vertrag darauf, dass es keine Einigung gibt – und verpflichteten sich im selben Atemzug, „im Geiste guter Nachbarschaft zusammenzuarbeiten“. Gewährleisten soll das die Emskommission, ein binationales Gremium, in dem sich die beiden Staaten zum Beispiel über Arbeiten an den Wasserwegen oder Küstenschutzprogramme gegenseitig unterrichten. „Das funktioniert sehr gut, bislang gab es keine Streitigkeiten“, sagt Frank Hentschel von der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich. Er ist sicher, dass sich daran nichts ändern wird. Die aktuelle Debatte sei deshalb auch ziemlich kurios.

Nicht ganz so entspannt wird der Vorgang in Emden gesehen. Man habe zwar den Humor nicht verloren, „witzig ist das Ganze aber nicht mehr“, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela. Seit vergangenem Jahr bemüht sich die Stadt nach eigenen Angaben darum, den falschen Grenzverlauf bei Google korrigieren zu lassen – bislang ohne Erfolg. „Dabei gehört doch nur ein bisschen Verstand dazu, um zu merken, dass die Grenze so nicht verlaufen kann.“ Am Dienstagabend lenkte Google dann ein. „Ja, wir haben einen Fehler gemacht“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung und kündigte eine rasche Korrektur des Kartenmaterials an. Mit dem Update soll Emden virtuell dann wieder auf die alte Größe wachsen – inklusive seines Hafenbeckens.

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