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Nachrichten Medien & TV Google will bald auch Gesichter weltweit erkennen
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21:42 18.08.2010
Bei Picasa vergleicht Google mehrere Aufnahmen und schlägt bereits recht zuverlässig vor, wer auf den Aufnahmen abgebildet ist.
Bei Picasa vergleicht Google mehrere Aufnahmen und schlägt bereits recht zuverlässig vor, wer auf den Aufnahmen abgebildet ist. Quelle: Screenshot
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Während die deutsche Politik noch über Googles Bilderdienst Street View debattiert, bauen die US-Unternehmen Facebook und Google ihre umstrittenen Datenbanken weiter aus: Bald soll eine filigrane automatische Gesichtserkennung in der Lage sein, auf Wunsch jedem ins Internet gestellten Foto den Namen der darauf sichtbaren Personen zuzuordnen – sofern dieselbe Person in anderen Datenbanken bereits mit ihrem Gesicht und ihrem Namen gespeichert ist.

Datenschützer warnen, dies werde der weiteren Vernetzung von persönlichen Daten im Internet einen riesigen Schub geben. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte gestern die Einführung eines zentralen Widerspruchsregisters.

Facebook, ein soziales Internetnetzwerk mit weltweit mehr als 400 Millionen angemeldeten Nutzern, hat jüngst den aufs Gesichter-Scannen spezialisierten Dienst Divvyshot übernommen. Auch der Suchmaschinenbetreiber Google hat sich für 100 Millionen Dollar ein US-Unternehmen einverleibt, das auf detaillierte Fotoanalyse spezialisiert ist. Bei Facebook noch im Test und beim Bilderdienst von Googles Picasa bereits Realität ist die automatische Verschlagwortung abgebildeter Personen.

In den von Nutzern hochgeladenen Aufnahmen können vollautomatisch Menschen von der Maschine erkannt werden. Die Gesichter werden mit bereits früher hochgeladenen Aufnahmen verglichen – und mit deren Namen verknüpft. Datenschützer Schaar erklärte am Mittwoch in Berlin, es dürfe nicht sein, „dass Widerspruchsrechte vom Goodwill der jeweiligen Unternehmen abhängen.“ Mit einem Widerspruchsregister könne man sicherstellen, dass die Verknüpfung von personenbezogenen Daten nur dann zulässig sei, wenn die Betroffenen damit einverstanden sind, sagte er. Schaar forderte ein entsprechendes Gesetz.

Dazu kommt es jedoch nicht vor dem Herbst. Das Bundeskabinett lehnte gestern eine Initiative der Länder zur Regulierung von Straßenfotodiensten ab. Google steht in der Kritik, seitdem das Unternehmen bekannt gegeben hat, dass noch in diesem Jahr die Fotos von 20 deutschen Großstädten, darunter Hannover, Haus für Haus ins Internet gestellt werden sollen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, das Gesetz des Bundesrats sei gut gemeint, konzentriere sich aber zu sehr auf Street View. Benötigt werde eine generellere Abwägung zwischen Datenschutz und wirtschaftlichen Interessen im Internet.

Schon heute bietet nicht nur Google die kritisierte Verknüpfung persönlicher Daten im Internet an. So hat die Deutsche Telekom im Internet Namen und Adressen aus dem Telefonbuch nicht mehr nur mit der Telefonnummer verkoppelt, sondern schon heute auch mit Luftbildern des jeweiligen Wohnhauses. Auf diese Weise lässt sich direkt herausfinden, in welcher Umgebung jemand wohnt, dessen Telefonnummer man soeben mit „Telefonbuch.de“ ermittelt hat.

Marcus Schwarze und Mathias Klein

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