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Nachrichten Medien & TV Googles Street View ruft erneut Datenschützer auf den Plan
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19:24 22.04.2010
Google scannt für Street View auch WLAN-Netze.
Google scannt für Street View auch WLAN-Netze. Quelle: dpa
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Neuer Ärger für Googles Kartendienst Street View: Google fotografiere mit seinen Fahrzeugen nicht nur die Umgebung, sondern erfasse „rechtswidrig“ Daten über Funknetze, erklärte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar am Donnerstag. Google wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Die Erfassung von WLAN-Daten ist weder etwas Neues, noch ist es etwas, was nur Google macht“, erklärte Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Google habe nie ein Geheimnis darum gemacht, dass das Unternehmen wie andere auch solche Netz-Daten erfasst, erklärte der Suchmaschinen-Anbieter. „Diese Art von Daten werden seit Jahren von verschiedenen - darunter auch deutschen - Unternehmen gesammelt.“

Datenschützer Caspar hält das Vorgehen von Google dennoch für „nicht akzeptabel“, da dabei personenbezogene Daten erhoben würden. Damit sei es „rechtswidrig“. Denn neben dem Verschlüsselungsstatus der Geräte und einer eindeutigen Seriennummer (MAC-Adresse) würde auch der vom Nutzer vergebene Name der Funkstation (SSID) gespeichert, kritisiert der Datenschützer. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, schloss sich der Kritik an. „Ich bin entsetzt, zu welchen Zwecken diese Fahrten ohne Wissen Dritter genutzt werden.“

Die FDP-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein meinte ebenfalls, anonymes Erfassen und Speichern von Daten ohne Einwilligung der Betroffenen sei absolut inakzeptabel. „Wir wollen wissen, welche Funknetz-Daten Google speichert - und zu welchen Zweck“, erklärte FDP-Medienexpertin Ingrid Brand-Hückstädt. Um diese Fragen zu klären, habe die FDP-Fraktion jetzt die Befassung des Innen- und Rechtsausschusses des Landtags mit dem Sachverhalt beantragt. Hierzu sollen auch die Datenschützer aus Hamburg und Schleswig-Holstein um Stellungnahme gebeten werden.

Google ist der Auffassung, dass die Erfassung völlig rechtmäßig sei. Die technischen Informationen über ein Netzwerk würden von den jeweiligen Betreibern öffentlich zugänglich gemacht. „Es handelt sich hierbei nicht um persönlich identifizierbare Daten.“

Öffentlich verfügbare und auch privat betriebene WLAN-Netze werden heute vor allem genutzt, um mobile, ortsbezogene Dienste etwa für Smartphones anzubieten - selbst wenn die Handys keinen GPS-Empfänger haben. Zahlreiche Anwendungen (Apps) für Handys mit Googles Betriebssystem Android oder Apples iPhone bieten zum Beispiel Informationen wie Sehenswürdigkeiten oder Restaurants in der Nähe des Nutzers an.

Dafür wird zuvor anhand der erfassten Daten der jeweilige Standort des Nutzers ermittelt. Entsprechende Netzdaten werden seit Jahren von verschiedenen Unternehmen ermittelt. So fährt das US-Unternehmen Skyhook Wireless unter anderem für seinen Kunden Apple auch in Deutschland Straßenzüge ab und registriert dabei, welche Funknetze (WLAN) in der Umgebung vorhanden sind. Dabei wählen sich die WLAN- Scanner allerdings nicht in die Netze ein, selbst wenn diese ungeschützt sind. Auch das renommierte Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen IIS entwickelt und betreibt entsprechende Ortungsanwendungen für den mobilen Einsatz.

dpa