Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Googles Streetview-Autos haben Material aus Funknetzen aufgezeichnet
Nachrichten Medien & TV Googles Streetview-Autos haben Material aus Funknetzen aufgezeichnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 16.05.2010
Googles Streetview-Autos haben Material aus Funknetzen aufgezeichnet. Quelle: dpa
Anzeige

Wie nennt man das, wenn jemand drei Jahre lang Straßen in 38 Ländern mit Autos abfährt, dabei per Computer in fremde Funknetze einsteigt und Fragmente von E-Mails, Webseiten und Fotos aufzeichnet? „Illegal“, „unzulässig“ „schlimm“, teilte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner am Wochenende mit. „Ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). „Einen Fehler, den wir zutiefst bedauern und für den wir um Entschuldigung bitten“, sagte der Sprecher jenes Unternehmens, das diese Spähangriffe vorgenommen hat: Google.

Ausgerechnet dem US-amerikanischen Internet-Konzern ist diese „Panne“ unterlaufen. Beim ohnehin umstrittenen, großflächigen Filmen von Straßen, Häuserfronten und Vorgärten zeichneten die Autos zusätzliche Informationen über örtliche Funknetze auf – und nahmen, sofern die jeweiligen Funknetze nicht durch ein Kennwort geschützt waren, auch gleich noch willkürlich Datenschnipsel auf.

Anzeige

Ursprünglich sollten die aufgenommenenen Panoramafotos als modernes Straßenverzeichnis im Internet dienen. Die dabei registrierten Standorte von privaten und öffentlichen Funknetzen (WLANs) helfen darüber hinaus bei der Navigation per Handy. Nicht nur Google, auch andere Unternehmen wie Skyhook nehmen seit Jahren weltweit solche Standorte von Funknetzen in Verzeichnissen auf. Da Google etwa fünfmal in der Sekunde die Funkkanäle wechselte, sind allerdings nur unzusammenhängende, kaum verwertbare Datenschnipsel gespeichert worden. Das jedoch in großer Menge: 600 Gigabyte an solchem offensichtlich illegal abgehörten Datenmaterial sind bei den Autofahrten der Google-Streetview-Autos zusammen gekommen. Entdeckt wurden die Aufnahmen dank dem Beharren des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. Er hatte wegen des allgemeinen Misstrauens in Deutschland ein Streetview-Auto näher untersucht und die Festplatte des eingebauten Computers vermisst – sie war inzwischen zur Verwertung der Fotos in die USA geschickt worden. Experten sehen allerdings mehr in der „Schlamperei“ bei der Programmierung ein Problem. Falls Google tatsächlich Haushalte durchleuchten wollte, könnte es durch seinen Dienst wie Google Mail viel leichter an umfangreiches Datenmaterial gelangen.

Nun plagt Google ein ganz anderes Problem: Das Unternehmen möchte das Material zwar umgehend löschen, sich aber andererseits nicht strafbar machen, weil Beweismaterial vernichtet werde. Ob das Eindringen in ungeschützte Funknetze strafbar ist, ist allerdings fraglich. Einstweilen sind nun die Streetview-Fahrzeuge gestoppt.