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Medien & TV Gottschalk verliert Zuschauer, Bohlen rückt näher
Nachrichten Medien & TV Gottschalk verliert Zuschauer, Bohlen rückt näher
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12:45 07.11.2010
Thomas Gottschalk mit Miley Cyrus. Quelle: dpa
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Wetten, dass... sich Pop-Titan Dieter Bohlen schon die Hände reibt? Im TV-Quotenduell zwischen ihm und Thomas Gottschalk konnte der ZDF-Entertainer mit seinem Dauerbrenner „Wetten, dass...?“ nur noch knapp die Spitze verteidigen - der auf RTL nach dem „Supertalent“ suchende Bohlen rückte dem Thron der Samstagabendunterhaltung deutlich näher.

Dabei hatte sich der 60-jährige Gottschalk in Hannover mit Teenie- Idolen wie Miley Cyrus und Lena Meyer-Landrut auf der angeblich jüngsten „Wetten, dass...?“-Couch überhaupt gewappnet, um nicht noch mehr - vor allem junge Zuschauer - an Bohlen zu verlieren. Doch nur 8,40 Millionen wollten die öffentlich-rechtliche Show sehen, 7,74 Millionen dagegen die Privatsender-Talentsuche, die auf Protagonisten setzt wie Kandidaten mit Feuerwerkskörpern im Hintern.

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Gottschalk verlor bei der 191. „Wetten dass...?“-Ausgabe im Vergleich zum Oktober sogar rund eine Million Zuschauer. „Die Konkurrenz wird härter und ich war bisher zu freundlich“, witzelte er vor der Show beim Warm-up in Hannover und forderte sein Publikum in der TUI Arena im „Rio de Janeiro Deutschlands“ zu mehr Emotionen auf: „Bei dem Bohlen weinen die in Zeitlupe!“

Leidenschaft und Entsetzen sollten die Hannoveraner drei Stunden lang zeigen. Wenige Sekunden vor Beginn der Live-Show rief Gottschalk noch einmal seine Kampfparole aus: „Wichtig ist: Bohlen knacken!“ In der Sendung selbst bekannte er selbstironisch in Anspielung auf die 14 Millionen Zuschauer bei Vitali Klitschkos vergangenem Boxkampf: „Ich erinnere mich noch gut an dieses Gefühl.“

Nicht nur für junge und prominente - fast durchweg dunkel gekleidete - Wettpaten auf der hellen Couch hatten die Macher gesorgt, sondern vor allem für ausdauernde: Die heimische Prominenz blieb diesmal von Anfang bis Ende sitzen, über harmlose Plaudereien hinaus reichten die Gespräche dennoch nicht.

Im Gegenteil: Die sonst so frech-flippige Lena (19), die mit Schauspieler und Mädchen-Schwarm Matthias Schweighöfer (29) kam, meldete sich nur gelegentlich zu Wort, Komiker Atze Schröder fast nie (außer dass er den Gastgeber in Günther Jauchs Weinberg schicken wollte und Lothar Matthäus als hartnäckigen Verfolger der gerade 17- jährigen Miley Cyrus verdächtigte). Box-Weltmeister Klitschko und Ehefrau Natalia stimmten immerhin nach verlorener Wette ein ukrainisches Lied an - sanft zupfte „Dr. Eisenfaust“ zum Gesang seiner besseren Hälfte auf der Gitarre.

Zu den mit Abstand Ältesten an diesem Abend zählte der Moderator selbst. Ob er seine sonst oft ausgefallene Outfit-Wahl diesmal den Jungstars überlassen wollte und deshalb schon fast brav im dunklen Anzug erschien? Teenager-Liebling Cyrus jedenfalls trat im halbdurchsichtigen weißen Kleidchen auf, räkelte sich zu ihrem Song „Who Owns My Heart“ auf der Bühne und gab sich verrucht.

Zwar sorgte der Disney-Star der TV-Serie „Hannah Montana“ für den größten Kreisch-Alarm, aber auch für die größte Enttäuschung. Ließ das ZDF extra zum Cyrus-Auftritt zusätzlich zahlreiche Mädchen oft noch im Grundschulalter (Gottschalk: „Die Wette, 2000 Zahnspangen in einer Halle hätte ich locker schaffen können!“) in die Arena, würdigte ihr Idol sie kaum eines Blickes. Erst als sie zum Wetteinsatz verdonnert wurde, gab Cyrus eine Minute lang Autogramme - keine Sekunde länger.

Sichtlich enttäuscht zogen die Mädchen wieder ab, während sich Gäste wie Lena und die Hip-Hopper der Fantastischen Vier Spitzen gen Miley nicht verkneifen konnten. Schließlich hatte diese selbst eine gute Vorlage geliefert: „Man sollte niemals die Fans vergessen!“, sagte sie - und ließ nach ihrem kurzen Besuch achtlos ein Fangeschenk auf der Bühne zurück. Ein wenig länger blieb dagegen der zweifache Oscar-Gewinner Denzel Washington („Malcolm X“), der für seinen neuen Film „Unstoppable“ warb. Einen ungewöhnlichen Auftritt boten Die Fantastischen Vier: Die Hip-Hopper um Smudo ließen sich mit Engelsflügeln von der Hallendecke abseilen und nahmen später auf der Couch Lena unter ihre Fittiche. Der Brite James Blunt und die Blue Man Group mit spektakulären Darbietungen lieferten weitere Showacts.

Vom Bundespräsidenten Christian Wulff hatte das ZDF einen Korb erhalten, dafür platzierten sie statt seiner einen Namensvetter in der ersten Reihe. Dieser konnte dann das Herzstück der Show verfolgen - die Wetten. Diese waren zumeist unterhaltsam, spannend und ebenfalls besonders aufs junge Publikum ausgerichtet: Ein 15-Jähriger etwa legte auf einem Basketball acht Meter zurück, ohne den Boden zu berühren, ein ferngesteuerter Modellbuggy schlug im Wettrennen einen BMX-Fahrer.

Zunge oder Lunge lautete am Ende bei der Wahl des Wettkönigs per Telefonabstimmung die Frage, denn sowohl der Mann, der unterschiedliche Kakteenarten mit seiner Zunge erfühlte, als auch der, der es knapp verfehlte, 1000 Kerzen in zwei Minuten auszublasen, hatten sich gegenüber ihren Konkurrenten durchgesetzt. Trotz verlorener Wette gewann der Kerzenausbläser Nico Haddad - der mit 74 Jahren Älteste in der Show.

Mit besonderer Spannung dürften die Macher bei RTL und ZDF nun auf das nächste Aufeinandertreffen der beiden Show-Giganten warten: Noch nie war Bohlen so nah dran an Gottschalk wie diesmal. Und in der werberelevanten, für RTL wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag Bohlens „Supertalent“ mit 34,8 Prozent deutlich vor „Wetten dass...?“ (22,6 Prozent). Am 4. Dezember meldet sich das ZDF wieder mit seiner Wettshow, dann unter anderem mit Take That und Justin Bieber - wieder einem Teenie-Star.

dpa

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