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Medien & TV Gottschalk zeigt in letzter „Wetten, dass ...?“- Sendung, wie Unterhaltung geht
Nachrichten Medien & TV Gottschalk zeigt in letzter „Wetten, dass ...?“- Sendung, wie Unterhaltung geht
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21:41 04.12.2011
Von Stefanie Nickel
Auf der Couch nahmen mit Günther Jauch und Dirk Nowitzki alte Bekannte Platz. Quelle: dpa
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Friedrichshafen

Und so wurde schließlich das Licht gedimmt, das Publikum erhob sich von seinen Plätzen, klatschte, und der leuchtende Schriftzug „Danke Thomas“ flammte über den Köpfen der Zuschauer in der letzten Reihe in der Friedrichshafener Rothaus Halle auf. „Ich hab’s für Sie gemacht“, verkündete ein gerührter Thomas Gottschalk mit etwas Pathos in der Stimme. „Und es hat unglaublich viel Spaß gemacht.“

Um 23.18 Uhr war es dann also endgültig vorbei. Der Showmaster verbeugte sich, um danach in dem Gang zu entschwinden, durch den sonst nur die Hollywoodstars schritten, um vorzeitig den Flieger zu nehmen.

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Dabei hätte man zwischendurch fast vergessen können, dass es Gottschalks letzte „Wetten, dass ...?“-Sendung nach 24 Jahren war. So souverän, sympathisch und witzig hatte er lange nicht mehr durch die Show geführt. „Ich zeig’ euch noch mal, wie es geht, dann könnt ihr einen Nachfolger suchen“, hatte Gottschalk seinem Intendanten Markus Schächter anfangs zugerufen. Das tat er auch. Gottschalk fühlte sich sichtbar wohl, vielleicht befreit von der Sorge um die sinkenden Quoten einer Samstagabendshow, die mit ihrem Anspruch, die ganze Familie zu unterhalten, am Ende wie aus der Zeit gefallen zu sein schien. Und auch die Nachfolgerdebatte dürfte ihn gefreut haben. Hape Kerkeling wollte nicht, und dem Rest traut man es erst gar nicht zu. So leicht ist Gottschalk eben doch nicht zu ersetzen.

Seine Spielfreude hatte der Showmaster ausgerechnet für seine Abschiedssendung wiedergefunden. Auch die Einschaltquote knüpfte mit 14,73 Millionen Zuschauern an Glanzzeiten an. Wie früher verzichtete er auf die Stichwort-Karten seiner Redaktion – gute Entscheidung. Schließlich hatten auf dem Sofa mit Günther Jauch, Til Schweiger, Iris Berben und Karl Lagerfeld hauptsächlich alte Bekannte Platz genommen, mit denen er sich gekonnt die Bälle zuspielte. Günther Jauch beschrieb er als „Partykracher“, Basketballstar Dirk Nowitzki fragte er, ob er im Stehen pinkele und dabei treffe. Til Schweiger sehe so aus, als sei er „dem Dirk aus dem Ärmel gefallen“. Nur mit der Hollywoodschauspielerin Jessica Biel wurde Gottschalk nicht so richtig warm. Immer wieder nannte er sie statt Jessica Jennifer Biel.

Sei es drum. Für Gottschalk war seine letzte „Wetten, dass ...?“-Sendung ein Heimspiel. Vielleicht lag es auch daran, dass er diesmal nicht den Anschein erwecken musste, es ginge ihm in erster Linie um die Wetten  (Toiletten am Rauschen erkennen, Golfbälle im Basketballnetz versenken, 50 Turner stapeln sich auf einer Fläche von zwei Quadratmetern) oder um die Projekte der Hollywoodstars. Am Ende der Show hat er es selbst ganz gut auf den Punkt gebracht, was den eigentlichen Wert der Sendung ausmacht: „Ich mache Unterhaltung, und die muss man gar nicht so ernst nehmen.“ Sein Erfolgsrezept war immer er selbst. Und in der letzten Ausgabe wurde der Kult um seine Person dann auch ohne Umschweife zelebriert: Im Publikum trugen Zuschauer Gottschalk-Perücken, hielten Plakate hoch mit Aufschriften wie „We will miss you, Thommy“ („Wir werden dich vermissen, Thommy“). Im Tiroler Ischgl, wo die Außenwette ausgetragen wurde, hatten sie einen riesigen Gottschalk-Kopf aus Schnee gebaut. Eine Kandidatin wettete sogar, alle seine Kostüme der jeweiligen Sendung und dem Ausstrahlungsort zuordnen zu können, und wollte nach gewonnener Wette mit dem Showmaster durchbrennen. Gottschalk war selig. Und sah großzügig darüber hinweg, dass Karl Lagerfeld lieber mit Jessica Biel plauderte, als der Wette zu folgen, die dieser trocken mit den Worten „Das ist gesunde, vielleicht unnötige Gehirngymnastik“ kommentierte hatte.

Nur manchmal kam etwas Wehmut auf. Iris Berben unterstellte er, sie ginge gerne auf Beerdigungen. Schließlich sei sie schon bei Frank Elstners letzter Sendung dabei gewesen. Und natürlich erinnerte die Torte mit Marzipan-Moderatoren, die Michelle Hunziker ihm geschenkt hatte, an die Gewissheit, dass es sich um eine Abschiedssendung handelte.

Wer den Unterhaltungsdampfer nun steuern wird, darüber gab auch die letzte Sendung keinen Aufschluss. Günther Jauch, den Gottschalk spaßhaft während der Sendung ins Spiel gebracht hatte, wird die Sendung wohl nicht übernehmen. Der Vorschlag war eher ein Gag, um den Jahresrückblick von Kumpel Jauch auf RTL zu bewerben. Jauch selbst hatte vor der Sendung zu bedenken gegeben, dass Gottschalks Nachfolger „eine televisionäre Eier legende Wollmilchsau“ sein müsse. Vielleicht hat er recht.

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