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Medien & TV Gruner + Jahr schrumpft weiter
Nachrichten Medien & TV Gruner + Jahr schrumpft weiter
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17:01 01.04.2015
Forsch in die Zukunft: Verlagschefin Julia Jäkel baut um.Foto: dpa Quelle: Christian Charisius
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Hannover

Die Namen Gruner und Jahr standen einmal für den Drucker Richard Gruner und den Verleger John Jahr, die Abkürzung G+J für einen der internationalsten Verlage weltweit. In Europa war er das führende Zeitschriftenhaus mit großen Marken wie „Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Capital“. Im vorigen Mai hat sich G+J mit dem Verkauf von Brown Printing in den USA endgültig vom Druckgeschäft getrennt; im November verabschiedete sich die Jahr-Familie. G+J ist jetzt eine hundertprozentige Tochter von Bertelsmann. Der Gütersloher Konzern will die Übernahme als „Bekenntnis zum Journalismus“ verstanden wissen. Das Bestreben ist, bei G+J das Pluszeichen zu erhalten. 2014 überwog das Minus.

Das operative Ergebnis ist mit 166 Millionen Euro um 14 Prozent gesunken, der Umsatz um 13 Prozent auf 1,7 Milliarden. So gab die Rendite wenigstens nur leicht nach, auf 9,5 Prozent. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist von 10 500 auf 8200 geschrumpft. Geschuldet ist das dem Verkauf der Druckerei und dem Rückzug aus mehreren Ländern. G+J befindet sich im Umbruch. Die Fantasie, woher Wachstum kommen könnte, ist vage. Im Apple-Store bietet G+J 80 E-Mags an, es wird mit E-Commerce experimentiert, Firmen für technische Dienstleistungen wurden gekauft, in mobile Vermarktung investiert. Einzeln betrachtet, sind die Geschäfte übersichtlich, doch sie ließen den Umsatzanteil des Digitalen auf 17 Prozent anwachsen. 62 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr investiert. Auch 2015 wird kein Jahr des Wachstums sein.

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Im Sommer wird G+J sein 50-jähriges Bestehen feiern - klein, denn alles andere verbietet das Sparprogramm. Bis 2017 müssen die Personal- und Sachkosten um 75 Millionen Euro sinken. Die Redaktionen von „Neon“, „P.M.“ und „Eltern“ sind an den Hauptsitz in Hamburg gezogen, wodurch in München Mieten entfallen. Neue Druckverträge, aber auch Entlassungen sparen weitere Kosten. Möglicherweise wird G+J das repräsentative Gebäude an der Elbe verkaufen. Der „Niedergang des einst so glanzvollen Hauses“, wie der lange beim „Stern“ angestellte Publizist Manfred Bissinger gesagt hat, ist schmerzvoll. Doch Verlagschefin Julia Jäkel mag nicht „romantisch nach hinten schauen“, lieber forsch in die Zukunft.

Inzwischen publiziert G+J Kundenmagazine, die Chefredaktionen der Traditionstitel sind allesamt ausgetauscht, die Hefte überarbeitet. An Print, sagt Jäkel, glaube sie weiter. Die neuen Magazine sind für Anhänger sehr spezieller Liebhabereien: von Papier („Flow“), von Gastlichkeit und Tischkultur („Salon“) oder Abenteuern in der Natur („Walden“, Start im Mai). G+J folgt dem branchenweiten Trend bei der Einführung neuer Magazine: kleine Auflagen, hohe Verkaufspreise, spitze Zielgruppen. Das Vorgehen erinnert an die Start-up-Industrie: Funktioniert die Idee, werden Erscheinungsfrequenz und Auflage erhöht, falls nicht, war das Investment überschaubar.

Zuletzt war Jäkel mehrmals in New York, etwa bei Meredith, ein Medienhaus, dessen Portfolio sich mit G+J überschneidet. Die Gespräche sollen unverbindlich gewesen sein. Jäkels Plan: effizienter arbeiten, bei Print Chancen nutzen, Digitales ausbauen, auch durch kleinere Zukäufe, und sich von dem trennen, was nicht passt oder zu wenig Rendite verspricht.

Von Ulrike Simon

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