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Medien & TV HDTV findet zur Fußball-WM neue Freunde
Nachrichten Medien & TV HDTV findet zur Fußball-WM neue Freunde
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08:50 24.06.2010
In der Zentralregie der Fernsehstudios A und B des WDR etwa ist die gesamte Bildtechnik für den Betrieb in SD (Standard Definition) und HD (High Definition) ausgelegt. Quelle: WDR/Herby Sachs
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Ist HD tatsächlich etwas Besonderes?
Die höhere Auflösung bemerkt man vor allem bei aktuellen Sendungen, die mit speziellen HD-Kameras aufgenommen wurden, wie etwa den Spielen der Fußball-WM, den Aufnahmen aus den Stadienstudios oder den Nachrichten von ARD und ZDF. Auch neue Spielfilme wie der „Tatort“ oder aktuelle Hollywoodproduktion wie „Avatar“ wurden in HD oder sogar 3-D aufgenommen und entwickeln auf einem HD-Fernseher ein wunderbar scharfes Bild. Ältere Filmproduktionen werden von den HD-Sendern ins hochauflösende Format skaliert, also von Computern umgerechnet. Je nachdem, wie aufwendig die Sender ältere Filme hochgerechnet haben, ergibt sich auch für diese Aufnahmen eine neue Qualität von Spielfilmen, etwa eine besondere Körnigkeit (nicht Pixeligkeit), die in manchen Filmen zusätzliche Atmosphäre schafft. Herkömmliche niedrig aufgelöste Sendungen füllen dagegen in der Regel nicht den Bildschirm aus.

Welche Sender gibt es in HD-Technik?
Gegenwärtig übertragen Das Erste, das ZDF und arte ihre Programme in HD, darüber hinaus gibt es im hochauflösenden Sendeformat für Internet-Fernsehgucker der Telekom den Musiksender MTVHD sowie die exotischen Kanäle Anixe HD (per Satellit und Internet) und Servus TV (per Satellit und Kabel). Außerdem haben die privaten Kanäle RTL, SAT.1, PRO7, VOX und Kabel1 ihre Programme als sogenanntes HD+ gebündelt. Dieses Bouquet HD+ wird allerdings nicht überall eingespeist: Es ist gegenwärtig nur über Satellit und nur mit besonderer Technik erhältlich.

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Wie erkenne ich, ob ich HD-Technik empfange?
Dafür hat sich bei allen HD-Kanälen eingebürgert, dass das Senderlogo mit dem Zusatz „HD“ versehen ist. Wichtig: Bei der Umstellung vom normalen Programm auf HD ist ein Sendersuchlauf empfehlenswert. Denn parallel zu den neuen HD-Kanälen wird über alle Plattformen auch weiterhin das bisherige normale TV-Signal des jeweiligen Senders ausgestrahlt. Beim Sendersuchlauf werden dann die HD-Kanäle je nach Gerät möglicherweise „weit hinten“ auf einer dreistelligen Taste auf der Fernbedienung belegt.

Wie kann man HD-Fernsehen empfangen?
Das funktioniert derzeit nicht über das terrestrische Signal DVB-T und ist zum Ärger vieler Nutzer bis auf Weiteres auch nicht vorgesehen. Möglich sind die Übertragungswege Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) und Internet (IPTV). Nötig ist stets ein besonderer Receiver, der zum einen auf den jeweiligen Übertragungsweg vorbereitet ist und der zum anderen in der Lage sein muss, HD zu verarbeiten. Nicht jeder Receiver beherrscht automatisch HD.

Was kosten die HD-Kanäle?
Die Sender Das Erste HD, ZDF HD, Arte HD und über Satellit auch Anixe HD und Servus TV sind kostenlos empfangbar. Für den Empfang der privaten HD-Kanäle von RTL, SAT.1, PRO7 und Kabel1 ist hingegen ein besonderer Receiver nötig, der die verschlüsselt ausgestrahlten HD-Signale entschlüsseln kann und dafür mit dem HD+-Logo ausgestattet sein muss. Die Nutzung von HD+ ist im ersten Jahr kostenlos, danach soll eine HD+-Karte, die in den Receiver geschoben wird, 50 Euro jährlich kosten.

Warum wird HD+ nicht auch ins Kabelnetz und beim Internet-TV eingespeist?
Die Privatsender wollen für ihre HD-Angebote bestimmte Einschränkungen durchsetzen. Sie sind bekanntlich werbefinanziert und daher auf die lukrative Ausstrahlung von Werbespots angewiesen. Neue Festplattenreceiver erlauben es jedoch, die Werbung in Aufnahmen schnell zu überspringen eine Gefahr für das Geschäftsmodell der Privatsender. Daher dringen die Sender darauf, bestimmte Funktionen im verschlüsselten Signal hinterlegen zu dürfen: Das Überspringen von Werbung lässt sich beispielsweise unterbinden, die Abspielfähigkeit für Aufnahmen auf die nächsten 24 Stunden begrenzen oder auch generell verhindern. Die Netzbetreiber wollen dagegen solche Einschränkungen nicht zulassen. Sie feilen stattdessen an eigenen gesonderten Bezahlkanälen.

Wie kann man HD-Programme aufnehmen?
Es empfiehlt sich, bei der Umstellung auf HD-Fernsehen über den Receiver länger nachzudenken. Gängige günstige HD-Receiver können die Signale nur abspielen; fürs Aufnehmen bietet sich ein (teurerer) Festplattenrecorder an, mit dem so komfortable Dinge wie zeitversetztes Fernsehen möglich werden, sodass man beispielsweise ein laufendes Programm anhalten kann. Mit alten VHS-Recordern können HD-Sendungen nicht aufgezeichnet werden. Manche DVD-Recorder können zwar HD-Sendungen aufnehmen, jedoch lediglich komprimiert auf DVD speichern. Dadurch geht der HD-Effekt verloren. Zudem lässt sich beim Empfang über Satellit zunächst nur ein Sender aufnehmen, nicht automatisch aber gleichzeitig ein zweiter Sender gucken. Verfügt der Receiver jedoch über zwei Empfangsteile und stehen zwei Leitungen von der Satellitenschüssel zur Verfügung, gelingt auch das. Mit einem Trick ist es darüber hinaus möglich, eine Satellitenleitung für den Empfang von zwei verschiedenen Kanälen zu nutzen, sofern der Receiver dafür ausgestattet ist und die beiden gewünschten Sender, vereinfacht dargestellt, „nah beieinander“ im Satellitensignal liegen.

Ist HD-Fernsehen übers herkömmliche Internet empfangbar?
Ja: ARD und ZDF bieten etwa in ihren Mediatheken ein Klickfeld, um HD-Sendungen über das normale Internet am Computerbildschirm in einer hochauflösenden Variante abzuspielen. Live ist dies allerdings problematisch – wie diverse Ausfälle während der Fußball-WM zeigten. Der Andrang war manchmal zu groß, die Technik noch nicht ausgereift. Eine zuverlässige Sendequalität bietet dagegen das Internet-Fernsehen der Telekom, da hier im Hintergrund eine auf massenhafte Nutzung ausgelegte VDSL-Technik zum Einsatz kommt, die nur über Hochgeschwindigkeitsleitungen der Telekom möglich ist – vergleichbar mit dem Kabelfernsehen. Wer im Büro oder zu Hause übers Internet Fernsehen gucken möchte, sollte den alternativen Anbieter zattoo.com aus den USA prüfen: Hierüber gelang nach persönlicher Registrierung auch ein kleines Livebild vom ZDF, während das ZDF selbst offline ging. Der Bezahlsender Sky experimentiert darüber hinaus mit einer „App“ fürs iPad, in der sich per WLAN-Funknetz drei ausgesuchte Sportsender empfangen lassen.

Überall ist jetzt vom 3-D-Fernsehen die Rede – ist HD nicht nur ein Zwischenschritt?
Einige Fernseherhersteller wie Sony und Samsung bieten bereits 3-D-Fernseher, doch ist noch längst nicht ausgemacht, dass sich dieses Fernsehformat durchsetzt. Zum einen fehlt es an Standards fürs Aufnehmen und Ausstrahlen solcher Sendungen, zum andern weiß noch niemand, ob die Zuschauer 3-D-Fernsehen wirklich wollen. In Testsendungen haben manche Zuschauer das Format abgelehnt, weil es eine erhöhte Aufmerksamkeit und eine besondere Brille fordert, bei manchen Übelkeit oder Kopfschmerzen verursacht und auch nicht mal einfach „nebenbei“ laufen kann. Besonders hochwertige neue Flachbildschirme ermöglichen bereits die Darstellung von 3-D-Filmen, doch ist die Anzahl der ausgestrahlten Sendungen noch äußerst gering und auf Tests beschränkt.

Marcus Schwarze

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