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Medien & TV Hannover-Tatort: Das Interview mit den Autoren
Nachrichten Medien & TV Hannover-Tatort: Das Interview mit den Autoren
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00:15 12.12.2012
Von Dany Schrader
Mädchen, Männer, Macht: In ihrem 20. Fall verstrickt sich Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) tief in die Machenschaften der feinen Gesellschaft. Quelle: ARD
Hannover

Am Sonntag gab es eine Premiere: Erstmals ermittelte Charlotte Lindholm in einer Doppelfolge. Warum?

Christian Granderath: Die Geschichte war von Anfang an auf zwei Teile angelegt. An einem Sonntag vor rund zwei Jahren habe ich einen Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ über die sogenannte Hannover-Connection gelesen und Maria Furtwängler eine SMS geschrieben, dass wir daraus einen „Tatort“ entwickeln könnten. Sie antwortete, dass sie in der „Welt am Sonntag“ ebenfalls einen interessanten Artikel gelesen habe - darin ging es um die Zwangsprostitution. Drehbuchautor Stefan Dähnert hat sich dann von beiden Themen für unseren „Tatort“ inspirieren lassen und diese erfundene Geschichte entwickelt. Zeitung lesen lohnt.

So viel von der niedersächsischen Landeshauptstadt war bisher wahrscheinlich in keinem anderen Lindholm-„Tatort“ zu sehen. Wie kam es dazu?

Granderath: Lange war es ja so: Hannover galt manchen als das gewisse Nichts, als langweiligste Stadt Deutschlands. Das hat sich aus meiner Sicht spätestens in den neunziger Jahren stark verändert, vor allem durch Gerhard Schröder. Der Altkanzler war ja lange in einer Kanzlei mit Götz von Fromberg, der wiederum enge Verbindungen mit dem Hells Angel Frank Hahnebuth hat. Für die Erfindung solch spannender Konstellationen zahlt man Drehbuchautoren normalerweise viel Geld, in Hannover gibt es das in der Wirklichkeit. Das hat schon eine besondere Klasse. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe Prominenter aus Hannover, deren Namen man auch über die Stadtgrenzen hinaus kennt: Philipp Rösler, Ursula von der Leyen, Oliver Pocher, die Scorpions, Lena und nicht zuletzt auch Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm … Das alles hat das Image der Stadt nachhaltig verändert.

Ich glaube, Sie haben niemanden in der Aufzählung vergessen.

Granderath: Carsten Maschmeyer habe ich vergessen.

Dann war Carsten Maschmeyer also ein Vorbild für den Immobilienhändler im Film?

Stefan Dähnert: Nein. Wir erzählen die Geschichte des reichen Unternehmers nicht anhand eines Fondsmanagers, sondern am Beispiel eines Immobilienhändlers. Das passt besser in die Zeit.

Den Hannnoveranern ist im aktuellen „Tatort“ viel bekannt vorgekommen. Die Schlagworte Rocker, Herrenabend und Steintor etwa.

Dähnert: Das Hauptthema ist ganz klar Fiktion. Aber man nimmt natürlich auch Ereignisse wahr, die durch die Tagespresse gegangen sind. Berichte über die Maschseeconnection konnte man eine Zeit lang in allen großen Tageszeitungen lesen.

Dann haben Sie auch vom Rocker-Frieden von Hannover gehört?

Dähnert: Ereignisse, die in den Medien auftauchen, benutzt man beim Schreiben natürlich. Aber ich erhebe keinen Anspruch auf Echtheit. Wir erzählen in dem Film nicht von real existierenden Personen. Dieser „Tatort“ ist kein Schlüsselroman. Interessant ist vielmehr das System. Es geht um die Prinzipien beim Zusammenspiel von Macht und Politik.

Dann hatten Sie also auch keine Angst, dass jemand sich wiedererkennt?

Granderath: Es würde mich wundern. Wir haben keinen Dokumentarfilm gemacht, dieser „Tatort“ ist wie alle anderen ein Produkt der Phantasie und wir werden damit hoffentlich spannend unterhalten. Aber wenn man an einigen Stellen bestimmte Zustände und Strukturen wiedererkennt und hinterfragt, ist das auch okay.

Hätte die Geschichte auch in eine andere Stadt gepasst?

Dähnert: Man hätte sie im Grunde auch in Berlin erzählen lassen können. Bei den Recherchen vor Ort war ich tatsächlich überrascht, dass es auch in Hannover Fälle von Zwangsprostitution gibt. Was die Netzwerke von Geld, Macht und Politik angeht, gibt es die sicher überall. Allerdings verspielt es sich in Großstädten wie Berlin anders. In Hannover kommt dagegen immer wieder dieselbe Gruppe von Prominenten zusammen.

Wie war es, am Steintor zu drehen? Haben Sie Kontakt mit dem Milieu gehabt? Oder gar mit Rockern?

Granderath: Nicht dass ich wüsste. Allerdings hatten die Hells Angels vermutlich andere Sorgen. Während der Dreharbeiten stürmte das Team der GSG-9 das Haus von Frank Hahnebuth.

Wie finden Sie Hannover als Filmstadt?

Granderath: Hannover bietet viele interessante Geschichten. Einige Ideen für den Film sind noch während der Vorbereitung der Dreharbeiten in Hannover entstanden. Die Staatsoper etwa hat uns in einer Aufführung von „La Traviata“ drehen lassen. So etwas ist nicht selbstverständlich, das war sehr besonders und kommt nicht in jeder Stadt vor. Die Inszenierung war großartig, nicht zuletzt wegen der phantastischen Sängerin Nicole Chevalier.

Interview: Dany Schrader

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