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Medien & TV Harald Schmidt talkt am Donnerstag in der ARD
Nachrichten Medien & TV Harald Schmidt talkt am Donnerstag in der ARD
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20:17 15.09.2010
Von Stefan Stosch
„Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen“: Kurz vor seiner Rückkehr aus der Sommerpause kritisierte Harald Schmidt in der „Zeit“ seinen Noch-Arbeitgeber ARD.
„Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen“: Kurz vor seiner Rückkehr aus der Sommerpause kritisierte Harald Schmidt in der „Zeit“ seinen Noch-Arbeitgeber ARD. Quelle: dpa (Archivbild)
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Seine Sommerpause in der ARD war so lang, dass man schon ganz vergessen hatte, ihn zu vermissen. Harald Schmidt war gefühlsmäßig der „Late Night“-Talker, der nie auf Sendung war, aber dafür in Stuttgart Theater spielte, die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika kommentierte oder irgendwo auf einem „Traumschiff“ die Weltmeere bereiste. Der Mann glänzte durch Abwesenheit.

Früher war das anders. Da schmunzelte der Fernsehzuschauer schon, wenn er nur zurückdachte an Playmobil-Abenteuer mit Harald Schmidt oder an spätabendliche Lehrstunden in französischer Sprache. Das war die Zeit, als Harald Schmidt den „Late Night“-Talk in Deutschland revolutionierte und sich als intellektueller Großmeister der unterhaltsamen Unverschämtheiten zelebrierte. Lange ist das her.

Wäre Harald Schmidt am Donnerstagabend einfach so in sein ARD-Studio zurückgekehrt, dann hätte es ihm gut ergehen können wie Kafkas Hungerkünstler: Übersehen vom ungeduldigen zappenden TV-Publikum, hätte er sich hinter seinem viel zu großen Schreibtisch dem Ende seines Vertrages entgegengeblödelt, hätte Scherze über seine sinkenden Marktanteile gemacht, hätte sich und uns gelangweilt und wäre langsam ins Vergessen geglitten.

Doch nun kommt es anders: Harald Schmidt wechselt in einem Jahr zurück zu seinem „Unterschichtensender“ SAT.1. Einige Arbeitsproben hat er schon vor der Sendung am Donnerstag abgeliefert. Er habe die Signale der ARD verstanden, sagt Harald Schmidt in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“. „Ab und zu erreichte mich irgendein Konzept. Die Weihnachtsgrüße sind von Jahr zu Jahr formeller geworden ... Als ehemaliger Marxist und Zivildienstleistender kann ich viel mit dem Satz anfangen: Völker, hört die Signale.“

Warm miteinander scheinen das Erste und der Chefzyniker nie geworden zu sein. Trotz aller Euphoriebekundungen: Der damalige ARD-Vorsitzende Jobst Plog hatte Schmidt bei dessen Verpflichtung vor knapp sechs Jahren „die überragende TV-Persönlichkeit dieser Tage“ genannt, die exakt ins Programmprofil passe. Es knirschte dann aber doch. Mit der Präsentation eines „Nazometers“ etwa überschritt Schmidt in den Augen mancher ARD-Oberer die öffentlich-rechtliche Grenze. Damals operierte Schmidt bereits mit Oliver Pocher an seiner Seite, der ihm eine Verjüngungskur bescheren sollte, sich dann doch nur als Nervensäge erwies und mittlerweile bei SAT.1 im Quotentief gelandet ist.

Schmidt hat bereits darüber Auskunft gegeben, warum er der ARD den Rücken kehrt: „Die wussten nicht, wohin mit mir. Jetzt hinterlasse ich 26 Sendeplätze und ’ne Menge Kohle. Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen.“
Er kehrt zu dem Sender zurück, bei dem er seine größten Erfolge feierte. 1995 war er zum Privatsender SAT.1 gegangen, um dort im Stil des US-Late-Night-Talkers David Letterman zu moderieren. Man darf ihm glauben, dass er sich auf den Neubeginn am alten Arbeitsplatz freut: „Gut finde ich, dass ich in Zeiten der großen Finanzkrisen in einem börsennotierten Unternehmen wieder anfange. Nicht mehr die undurchsichtige Welt der ARD, sondern die klare Frage: Bist du dein Geld wert?“

Das dürfte tatsächlich eine gute Frage sein. Schmidt will personell so weitermachen wie bisher. Auch künftig assistieren ihm Katrin Bauerfeind (3sat), Jan Böhmermann (vom WDR-Radiosender 1Live), Christian Brey (Schauspielhaus Stuttgart) sowie Peter Richter („Frankfurter Allgemeine Zeitung“). Die Musik kommt von Helmut Zerletts Band. Neu im Team ist lediglich der Comedian und Schauspieler Max Giermann („Switch reloaded“). Ob das reicht, um zu neuer Form aufzulaufen?

Einen Vorteil hat er immerhin am neuen, alten Arbeitsplatz: Zweimal wöchentlich will Schmidt sich von September 2011 an dem alltäglichen Wahnsinn entgegenstemmen, Erweiterung der Arbeitszeit nicht ausgeschlossen. Und je mehr Sendezeit Schmidt verschwenden darf, desto besser wird er. So gesehen ist von ihm bei seiner ARD-Ehrenrunde nicht mehr viel zu erwarten. Seine Arbeitgeber bei der ARD allerdings dürften sehr genau zuhören, was er ihnen noch zu sagen hat.

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