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Medien & TV Harald Schmidt wechselt zu Sky
Nachrichten Medien & TV Harald Schmidt wechselt zu Sky
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06:16 05.05.2012
Von Karsten Röhrbein
„Für mich der Himmel auf Erden“: Harald Schmidt wechselt mal wieder Sender und Programmplatz.
„Für mich der Himmel auf Erden“: Harald Schmidt wechselt mal wieder Sender und Programmplatz. Quelle: dpa
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Hannover

Gut, dass Manuel Andrack nicht um Geld gewettet hat. „Bis Mai 2013“, da war sich der frühere Redaktionsleiter der „Harald Schmidt Show“ sicher, werde sein ehemaliger Chef nach dem Rausschmiss bei SAT.1 nicht wieder auf dem Bildschirm erscheinen. „Wenn einer mit so großem Bohei zu SAT.1 zurückkehrt und schon wenige Monate später den Stecker gezogen bekommt, dann war’s das erst mal“, erklärte er im „Spiegel“-Interview. Herbert Feuerstein, langjähriger Schmidt-Sidekick in der WDR-Show „Schmidteinander“ hielt dagegen: „Ich bin Atheist. Aber an Schmidts Wiedergeburt glaube ich.“ Er sollte recht behalten. Am Mittwoch gab Sky Deutschland bekannt, dass der 54-jährige Entertainer ab Herbst im Bezahlfernsehen zu sehen ist.

Für den Münchener Pay-TV-Sender ist die Personalie nicht weniger als der „Transfercoup dieses Jahres“, für Zyniker Schmidt der „Himmel auf Erden“. Für seine Fans aber wird die „Harald Schmidt Show“ künftig ein teurer Spaß: Zusätzlich zum Pay-TV-Einstiegs­paket („Sky Welt“) müssen sie das Filmpaket abonnieren, beides kostet derzeit zusammen 33,90 Euro pro Monat. Wer die Show auf Apple-iPhone oder iPad, der Microsoft-Videospielkonsole Xbox oder dem Laptop („Sky Go“) schauen möchte, muss das HD-Upgrade dazubuchen - und dafür noch einmal zehn Euro extra zahlen.

Das ist ein stolzer Preis - den vermutlich nicht jeder Schmidt-Fan zahlen wird. Die wurden zuletzt immer spärlicher: Immerhin 1,39 Millionen Menschen hatten im Sommer 2011 seine letzte Show in der ARD gesehen, der er nach dem missglückten Experiment mit Sidekick Oliver Pocher den Rücken kehrte, um wieder bei SAT.1 anzuheuern, wo er zwischen 1995 und 2003 unter Vertrag war. Doch der Heimkehrer scheiterte. Gerade einmal 690.000 Zuschauer schalteten seit September 2011 im Schnitt ein, wenn Schmidt den Tag Revue passieren ließ.

Während Dauerkonkurrent Thomas Gottschalk in der ARD immerhin mit großen Namen auf dem Gästesofa punkten konnte, musste der grauhaarige Grantler immer öfter mit B-Promis der ProSiebenSAT.1-Senderfamilie vorliebnehmen. Das wird auch heute, bei Schmidts letzter SAT.1-Show, so sein. Neben Pianistin Yuja Wang hat sich Moderator Ulrich Meyer („Akte 20.12“) angekündigt.

Für Schmidt ist der Wechsel ins Nischenfernsehen dennoch ein kleiner Coup: Er, der Abgesägte, der bei alten Weggefährten und Arbeitgebern selten mehr als verbrannte Erde hinterlässt, hat es seinen Kritikern gezeigt. „Ich wüsste nicht, wo der noch hin kann - oder wer ihm noch eine Sendung gibt“, hatte etwa Roger Schawinski, ehemaliger SAT.1-Chef, vor Kurzem noch geätzt. Sky hatte er nicht auf dem Zettel.

Für Sky-Manager Brian Sullivan passt Schmidt perfekt ins Portfolio. Vor zwei Wochen erst hat der US-Amerikaner den Rekordbetrag von 486 Millionen Euro pro Jahr auf den Tisch gelegt, um seinem Sender 2013 bis 2017 die Rechte für die Liveübertragung der Fußball-Bundesliga zu sichern. Konkurrenten wie die Telekom, die beim Bieterwettstreit den Kürzeren gezogen haben, stehen jetzt in Unterföhring Schlange, um am Verhandlungstisch wenigstens einen Teil der lukrativen Lizenzen abzubekommen. Sullivan gibt sich verhandlungsbereit, verfolgt aber gleichzeitig ehrgeizige Expansionspläne. Rund 60 HD-Kanäle soll es bei Sky bis Jahresende geben, die Zahl der Abonnenten (derzeit 3,1 Millionen) deutlich steigen. Spätestens 2013 hofft Sullivan, schwarze Zahlen schreiben zu können. Nicht nur mit dem Premiumprodukt Bundesliga will er das defizitäre Bezahlfernsehen in Deutschland etablieren, auch Fans von hochwertigen US-Serien wie „The Wire“ will der Manager für Sky gewinnen. Und jetzt auch die von Harald Schmidt.

Dessen Show soll „Ende September, Anfang Oktober“ starten, genauer will sich der Sender nicht festlegen. Auf „Sky Hits“ soll Schmidt um 22.15 Uhr zu sehen sein - eine Stunde früher als bislang. Sonst ändert sich wenig: Er kann die Show wie bislang mit seinem Partner Fred Kogel produzieren, der Late-Night-Talk soll auch künftig in Köln aufgezeichnet werden. Ob Bandleader Helmut Zerlett wieder mit von der Partie ist, werde zu gegebener Zeit besprochen, sagte ein „Sky“-Sprecher am Mittwoch, genau wie das Engagement von Sidekicks wie Nathalie Licard und Katrin Bauerfeind.

Der Hofnarr des Fußballsenders, diese Rolle dürfte dem Entertainer gefallen. Fußballwitze („Manuel Neuer, der Elfmeterkiller - nicht verwechseln mit König Juan Carlos von Spanien, das ist der Elefantenkiller!“) gehen schließlich immer. Dumm wäre nur, wenn Harald Schmidt auch mal in der sonntäglichen Expertenrunde „Sky90“ mitmischen müsste. Dort könnte er nämlich auf seinen alten Partner Oliver Pocher treffen, der auch unter die Sky-Moderatoren gegangen ist. Mit mäßigen Quoten. Aber auch der ist weiter auf dem Bildschirm.

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