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16:29 03.03.2009
Gewalt und Mobbing in neuen Medien breiten sich zunehmend aus. Quelle: Michael Kappeler/ddp
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Es zeigt seinen gescheiterten Auftritt bei der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“). Über 400 Mal existiert der Clip mit Hunderten hämischen Kommentaren alleine auf der Videoplattform Myvideo.de. „Der arme Teufel wird von den anonymen Jugendlichen richtig fertiggemacht“, sagt Friedrich Schindler, Leiter der Internetseite Jugendschutz.net. Was Raimund widerfährt, nennt sich Cyber-Mobbing und war neben Gewalt im Web 2.0 Thema der Jugendmedienschutztagung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) am Montag in Hannover.

Laut der Jugendschutzinitiative klicksafe.de ist Cyber-Mobbing, das vor allem unter Schülern verbreitet ist, besonders problematisch. So endeten die Schikanen nicht etwa nach Unterrichtsende, sondern gingen theoretisch sogar rund um die Uhr über das Internet oder das Handy weiter, berichteten Vertreter von klicksafe.de. Das Publikum sei unüberschaubar groß und die Mobber anonym. Hinzu komme, dass einmal eingestellte Daten hundertfach vervielfältigt werden könnten und eine Löschung deshalb schier unmöglich sei.

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Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) drängte gerade wegen der oft unbekannten Probleme auf eine Aufklärung der Eltern, Lehrer und Schüler: „Wir werden das Internet niemals ganz kontrollieren können“, sagte die Sozialministerin auf der Tagung. Durch Aufklärung könne aber eine Sensibilisierung für die neuen Gefahren stattfinden.

Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart hat eine Studie über den Umgang Jugendlicher mit gewalthaltigen Web-Inhalten und Cyber-Mobbing vorgelegt. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die im Internet schon einmal unangenehme Erfahrung gemacht haben, sei mit einem Drittel relativ hoch, heißt es in Grimms Studie. Vor allem Mädchen seien häufig Opfer sexueller Belästigungen im Netz. Jedes fünfte Mädchen sei schon einmal im Internet sexuell belästigt worden.

Extreme Gewaltvideos sind laut der Studie ebenfalls ein Problem. Danach haben schon 43,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen Bilder und Videos von Hinrichtungen oder Folter im Netz gesehen. So berichtet ein Junge in der Studie beispielsweise von einem Video, bei dem einem Menschen bei lebendigem Leib der Kopf abgeschnitten wird.

Der 17-jährigen Charlotte aus Göttingen passierte zum Glück noch nichts Schlimmes im Internet. Ihr Freund habe sich aber einmal als Mädchen in einem Chat ausgegeben, berichtete sie auf der Tagung. Zuerst sei das noch ganz lustig gewesen, „aber aus Spaß wurde dann irgendwann ernst“, sagte die Schülerin. Die Männer im Chat hätten immer schärfere sexuelle Anspielungen gemacht und nach Webcam und Telefonnummer gefragt.

Jugendschützer Schindler verlangt deshalb schärfere Kontrollmaßnahmen von den großen Web-2.0-Anbietern wie schülerVZ, Facebook oder Youtube. Unter anderem mit Hilfe eines sogenannten Unique Identifier, beispielsweise der Personalausweisnummer, könnten anonyme Täter identifiziert werden, sagte er. Außerdem forderte Schindler die Seitenbetreiber auf, konsequent gegen gewalttätige oder sexuelle Inhalte vorzugehen. Zurzeit gebe es noch kein Filtersystem, dass soziale Plattformen ausreichend auf mögliche Gefahren durchforste, bemängelte der Jugendschutz-Experte.

ddp