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Medien & TV „Ich bin eigentlich ein Morgenmuffel“
Nachrichten Medien & TV „Ich bin eigentlich ein Morgenmuffel“
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12:30 09.07.2012
Zum 20-jährigen Jubiläum des Morgenmagazins spricht ZDF-Moderatorin Dunja Hayali im Interview über die Besonderheiten Frühstücksfernsehens. Quelle: dpa
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Berlin

Frau Hayali, als Moderatorin des „Morgenmagazins“ sind Sie die Weckfrau der Nation. Wann müssen Sie selber aufstehen?

Um Viertel vor vier. Manchmal schlafe ich aber auch fünf Minuten länger, je nachdem welcher Aufwand an dem Tag für Recherchieren und Texte schreiben ansteht. Gegen halb fünf bin ich im Sender, bereite die Gespräche und die Moderation vor, um Viertel vor sieben bin ich in der Maske und zehn Minuten später im Studio.

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Das Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF startete vor 20 Jahren. Anders als damals können sich heutzutage viele mit ihrem Smartphone schnell auf den neuesten Stand der Dinge bringen. Wird die Sendung überhaupt noch gebraucht?

Offenbar ja: Die guten Einschaltquoten zeigen, dass wir geguckt werden. Die Zuschauer bekommen bei uns alles, was sie wissen müssen, kurz und kompakt geliefert. Außerdem vermitteln wir ihnen das Lebensgefühl, das an diesem Tag gerade herrscht, etwa wenn die deutsche Elf bei der Fußball-EM ausgeschieden ist. Sie haben das Gefühl, uns in die Küche oder ins Wohnzimmer zu holen.  Diese Art der Gefühlswelt kann das Internet nicht bieten.

Wer sieht Ihnen um diese Tageszeit überhaupt zu?

Es ist ein Querschnitt dieser Republik: Politiker, Manager, die im Hotel sind, Urlauber, die gerade aufwachen, Leute, die gleich zur Arbeit gehen, und Leute, die vielleicht nicht zur Arbeit müssen. Also im Grunde sind unsere Zuschauer genauso eine Wundertüte wie unsere Sendung.

Haben Sie früher Frühstücksfernsehen geschaut, bevor Sie „Morgenmagazin“-Moderatorin wurden?

Gemeine Frage! Ich bin eigentlich ein Morgenmuffel und war früher um diese Uhrzeit gar nicht wach.

Wie kamen Sie denn als Morgenmuffel zu diesem Frühaufsteherjob?

Das frage ich mich auch manchmal. Nein, im Ernst: Ich bin neugierig und spontan, ich möchte mich mit vielen Themen beschäftigen. Deshalb ist das „Morgenmagazin“ die perfekte Sendung für mich, wir haben Leben im Studio, wir haben Auftritte von Bands und ständig wechselnde Themen – also außer der Uhrzeit ist nichts daran auszusetzen.

Aber wenn die meisten Menschen abends noch ein Glas Weißwein trinken, müssen Sie schon ins Bett, oder?

Also ich gehe zwar nicht um 19 Uhr ins Bett, aber in den Sendewochen lebe ich schon in einer Art Parallelwelt und unternehme nur wenig. Ich komme ja gegen Mittag nach Hause und schlafe dann ein oder zwei Stunden. Außerdem habe ich einen Hund, und da muss ich mich am Abend auf jeden Fall noch mal vor die Tür bewegen. Meistens jogge ich mit ihm, lasse dabei den Tag noch mal Revue passieren.

Welcher Ihrer prominenten Gesprächspartner im „Morgenmagazin“ ist denn in der Frühe am ausgeschlafensten?

Bei den Politikern spielt die Uhrzeit eigentlich kaum eine Rolle. Deren Laune, Wachheit und Humor richten sich eher nach den Themen: Gibt es etwas Positives zu berichten oder eher nicht? Bei Musikern wiederum ist es ganz unterschiedlich. Wir hatten letztens den Pianisten Lang Lang da, der war sehr nett und gut gelaunt, aber für ihn war es schon eine Herausforderung, so früh zu spielen, weil er sich ja vorher immer noch warm spielen muss.

Darf man im Frühstücksfernsehen eigentlich frecher sein als in anderen Sendungen?

Wir sind schon ein wenig freier, als es in stark formatierten Nachrichtensendungen wie „heute“ der Fall ist. Die Herausforderung beim „Morgenmagazin“ ist es, sich auf diesem schmalen Grat zwischen seriösen Nachrichten und einer lockeren Ansprechhaltung zu bewegen. Das ist nicht immer einfach und auch ganz oft ein Wechselbad der Gefühle, das einen nicht aus dem Konzept bringen darf. Da muss man zum einen lustige Themen nett und launig anmoderieren – und drei Minuten später möglicherweise vom nächsten Anschlag in Syrien mit hundert Toten berichten. Da kann man nicht beliebig abwechselnd eine Trauermiene und ein fröhliches Gesicht aufsetzen, sondern muss einfach authentisch bleiben.

Ihre Eltern kamen in den fünfziger Jahren aus Bagdad nach Deutschland. Waren Sie in letzter Zeit im Irak?

Gefühlsmäßig bin ich relativ häufig dort, aber rein physisch leider nicht. Das liegt an der immer schlimmer werdenden Situation im Irak. Aber der Drang ist bei mir auch nicht mehr so akut, denn sehr viele meiner Verwandten sind aus dem Irak geflohen, weil wir ja Christen sind – und die Lage für Christen im Irak ist dramatisch.

Ist es schwierig für Sie, im Fernsehen über Themen aus dem Herkunftsland Ihrer Familie zu berichten?

Ich muss der traurigen Wahrheit im „Morgenmagazin“ täglich ins Gesicht sehen, und wenn wir Nachrichten aus dem Irak zu vermelden haben, muss ich damit umgehen. Aber ich lege schon großen Wert darauf, auch über schöne Sachen aus den Krisengebieten der Welt zu berichten und zu zeigen, dass es hinter Krieg und Terror auch Leben und positive Signale gibt.

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