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Medien & TV „Ich bin für neue Lebensmodelle“
Nachrichten Medien & TV „Ich bin für neue Lebensmodelle“
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10:01 04.12.2013
An diesem Freitag ist Riemann um 20.15 Uhr in der Komödie „Kleine Schiffe“ in der ARD zu sehen. Quelle: ARD
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Frau Riemann, der Film „Kleine Schiffe“ ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Silke Schütze. Kannten Sie das Buch schon vorher?
Nein, kannte ich nicht. Sie?

Nein, ich kannte das bisher auch nicht. Was hat Sie denn an der Rolle der Franziska besonders gereizt?
Dass sich eine etwas zu alte Schwangere und eine etwas zu junge Schwangere treffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ohne dass dabei auch nur einmal der Verdacht aufkäme, dass die Ältere die Mutterrolle übernähme. Das hat mir gefallen. Und dass man sich an das Tabu getraut hat, dass ein junger Mann sich in eine 15 Jahre ältere Frau verknallt und umgekehrt. Hinzu kommt, dass ein Lebensentwurf ausgebreitet wird, der sich der Idee der Wahlverwandtschaft oder Wohngemeinschaft mehr nähert als der Familienidee.

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Wie waren die Dreharbeiten?
Es haben tolle Leute mitgespielt. Peter Franke und Hans Werner Mayer zum Beispiel, die ich sehr schätze. Und meine jungen Kollegen Aylin Tecel und Christoph Schechinger sind wirklich große Talente. Wir hatten Spaß miteinander und haben uns dadurch auch angefreundet.

Katja Riemann

...wurde am 1. November 1963 in Kirchweyhe bei Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte die Tochter zweier Kunsterzieher zunächst Tanzpädagogik, entschied sich dann aber für die Schauspielerei. Ihre Ausbildung absolvierte sie unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Riemann ist sowohl für Theater- als auch für Filmrollen mit diversen Preisen ausgezeichnet worden. Aus ihrer vorübergehenden Beziehung mit Peter Sattmann hat sie die mittlerweile 20-jährige Tochter Paula. An diesem Freitag ist Riemann um 20.15 Uhr in der Komödie „Kleine Schiffe“ in der ARD zu sehen.

Franziskas Neurosen wirken wie ein Schutzmantel, unter dem sie versucht, ihre Angst vor einer ungewissen Zukunft als alleinerziehende Mutter Mitte 40 zu verstecken. Können Sie diese Ängste, die viele Frauen ab einem gewissen Alter teilen, nachvollziehen?
Also, eigentlich hat sie die Neurosen bereits vor der Schwangerschaft, aber vielleicht habe ich das nicht deutlich genug gespielt. Das ist in ihrer Person begründet. Wie lange, seit wann – keine Ahnung. Diese Ticks sind ja letztlich dazu da, die Figur besonders zu machen. Schräg und irgendwie liebenswert. Ob das jetzt auf psychologischer Ebene die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust ist …? Kann sein. Aber da kann doch jeder selber sehen, wie er oder sie damit umgeht. Franziska beispielsweise spricht ständig mit sich selbst, wie ein Sportreporter kommentiert sie alles, was sie tut. Ich kenne das von meiner Mutter, daher habe ich das eingebaut. Wenn man so etwas liebevoll darstellt, öffnet es den Zuschauer schnell für die Figur. Mir war wichtig, dass man diese Franziska gern hat, trotz all ihrer dogmatischen Vorstellungen über den Alltag und das Leben.

In „Kleine Schiffe“ prallen zwei Lebensmodelle aufeinander: Auf der einen Seite sieht man zwei grundverschiedene Frauen, die sich in einer WG zusammenraufen. Auf der anderen Seite erkennt man auch die Sehnsucht nach der klassischen Mann-Frau-Beziehung. Wo würden Sie sich selbst am ehesten verorten?
Ich habe ja nie eine klassische Frau-Mann-Beziehung gelebt. Wenn Sie damit heiraten, Kinder kriegen, für ein Eigenheim am Stadtrand sparen und zweimal im Jahr nach Mallorca fliegen meinen. Das ist nicht so meins. In unserem Film, und das gefiel mir so, entsteht ja während des Verlaufs der Geschichte die Möglichkeit eines neuen Lebensmodells, indem die beiden Frauen, der junge Mann, der Vater und schließlich gar der Ex-Ehemann eine Gemeinschaft bilden, in der jegliche Konvention oder die Vorstellung wie Familie definiert sein soll, über Bord geworfen werden. So entsteht Freiheit und sehr viel mehr Vergnügen und Lebensqualität. Ich bin dafür.

Im Kino sind Sie derzeit in dem Film „Fack ju Göhte“ zu sehen. Hätten Sie gedacht, dass eine Schulkomödie so ein großer Erfolg werden wird?
Wenn man einen Film vorbereitet und ihn dann dreht, denkt man über wirklich viele Sachen nach, aber sicherlich nicht, ob der Film ein großer, ein kleiner, ein mittlerer oder sonst wie gearteter Erfolg wird. Man macht seine Arbeit, manchmal unter guten, oft unter erschwerten Bedingungen. Ich versuche immer die Herausforderung anzunehmen, die schauspielerischen Mittel zu erweitern, nicht stehen zu bleiben, mich nicht zu wiederholen. Wenn man seine Arbeit am Erfolg messen würde, dann hätten wir viele Selbstmörder. Im Finanzamt oder auch im Verlagswesen. Zumal Erfolg so relativ ist. Allein einen Film realisieren zu können kann bereits ein Erfolg sein. Wenn ihn dann noch viele Menschen sehen, sind wir alle wahnsinnig glücklich.

Haben die Zuschauer vielleicht einfach wieder mehr Lust auf Komödie?
Oh, ich glaube, da müssen Sie tatsächlich die Zuschauer fragen und nicht mich. Ich weiß nicht, wer oder was ‚der Zuschauer‘ ist oder ‚die Quote‘. Letztlich sucht jede Branche nach dem Rezept für Erfolg. Nirgendwo jedoch ist es so uneindeutig und so überraschend wie in der Kunst. Ich behaupte mal kühn, der Zuschauer hatte und hat immer Lust auf gute Filme. Was immer das auch bedeutet.

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