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Medien & TV „Ich habe mich gefühlt, als würde ich treiben“
Nachrichten Medien & TV „Ich habe mich gefühlt, als würde ich treiben“
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15:49 30.08.2011
Die Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena Meyer-Landrut kehrt in die Manege zurück. Quelle: dpa
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Hannover

Die ersten schrieben schon, es sei „still um sie geworden“. Passiert schon mal, wenn man ausführlich Pause macht nach 18 Monaten nacktem Wahnsinn. Doch jetzt kehrt Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena Meyer-Landrut (20) in die Manege zurück. Am Donnerstag erscheint ihre neue Single „What a Man“, der Titelsong zu Matthias Schweighöfers gleichnamigem Regiedebüt. Der Soundtrack zum Film ist bereits im Handel.

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Es folgen: Auftritte bei „Schlag den Raab“ (17. September) und bei „Inas Nacht“ (15. Oktober). Lena ist wieder da. Zeit für ein Gespräch über das Leben nach dem Grand Prix.

Lena, wie war dein Sommer? Mein Sommer war super. Total entspannt. Ich war nicht vier Monate in New York oder so, ich war zweimal auf Ibiza und ansonsten viel zu Hause, in Köln.

Du hast fast vier Monate Pause gemacht. Wie hast du die Zeit verbracht? Ich hab viel Kram geregelt: Wohnung anmelden, Steuern, Haftpflicht, Versicherungen, Krankenkasse – so’n Zeug. Und ich habe Sport gemacht. Ich habe wieder mit Ballett angefangen, in einer total süßen Ballettschule mit lauter jungen Müttern, da unterrichtet ein älterer Franzose. Das genieße ich sehr.

Hast du den Medienzirkus vermisst? Nee, den Trubel habe ich nicht vermisst, das In-der-Öffentlichkeit-stehen. Das hat sich ja auch etwas beruhigt. Es ist chilliger geworden für mich. Die Leute auf der Straße gucken zwar immer noch, als wäre ich ein exotisches Tier, aber das Tier ist jetzt nicht mehr gerade erst entdeckt worden. Und deswegen muss es auch nicht sofort fotografiert oder angesprochen werden. Das ist angenehm.

Du hast gesagt, du wolltest dich in diesem Sommer fragen: „Wer bin ich und was will ich?“ Hast du eine Antwort gefunden? Ja. Die Antwort lautet: Es ist für mich keine Option, mein ganzes Leben lang zu chillen. Ich hatte jetzt fast vier Monate Pause, aber es kommt mir vor wie vier Jahre. Ich habe viel Kraft getankt. Ich will Sachen lernen. Ich habe mich zum Studium angemeldet: „Sprachen und Kulturen Afrikas“ und Philosophie, in Köln. Das interessiert mich. Ich finde afrikanische Musik und Tanz cool. Die erste Pflichtsprache ist Suaheli! Und ich mache natürlich weiter Musik.

Am Freitag erscheint deine neue Single „What a Man“, der Titelsong zu Matthias Schweighöfers Film. Wie kam es dazu? Matthias und ich kennen uns ja von der Synchronisationsarbeit von „Sammys Abenteuer“ und mailen uns seitdem alle paar Wochen. Wir sind total auf einer Wellenlänge, wir können uns den ganzen Tag kaputtlachen. Und darum haben wir gesagt: Irgendwann machen wir mal was zusammen.

Hat er dir auch angeboten, in „What a Man“ mitzuspielen? Ja. Aber dafür war im Frühjahr keine Zeit. Das war zu hektisch. Und deshalb hat er gefragt, ob ich einen Song dazu machen würde.

Kanntest du das Original von Linda Lyndell von 1968 oder nur das Cover von Salt’n’­Pepa 1994 – da warst du drei Jahre alt ... Ich kannte tatsächlich nur die Originalversion, wahrscheinlich von Muttern. Und in der Art wollte ich’s dann auch machen, Stefan Raab hat’s produziert. Es hat unglaublich Spaß gemacht, das aufzunehmen, ganz ungezwungen. Wir hatten alle Zeit der Welt. Und dann hat’s doch nur dreieinhalb Stunden gedauert. Der Song ist toll geworden. Ich bin da sehr stolz drauf.

Und gibt’s bald ein drittes Album? Ja. Und diesmal haben wir etwas mehr Zeit. Es wird 2012 erscheinen – Hektik hatte ich jetzt genug.

Hast du eine Idealvorstellung von der Platte? Ich bin ja stilistisch nicht sehr eingeschossen. Wenn man zum Beispiel Lykke Li hört, dann ähneln sich die Songs sehr. Das ist bei mir anders. Ich finde sehr viele Sachen cool. Ich hoffe einfach, dass es bei mir gelingt, trotz vieler Stilrichtungen eine durchgehende Basis zu finden

Kleiner Werbeblock: Wessen Musik hörst du gerade gern? Im Moment Dave Matthews und Brooke Fraser und Casper. Und Philipp Poisel, den finde ich immer cool

Der Brainpool-Chef Jörg Grabosch hat im Mai gesagt: „Lena hat jetzt bei uns Carte Blanche.“ Willst du die nutzen? Ich werde viel ausprobieren. Warum nicht mal Moderieren? Warum nicht auf Galas auftreten? Warum nicht Schauspielern? Da ist aber noch nichts spruchreif.

Bleibt es bei den Plänen für eine Akustiktour Ende dieses Jahres? Es wird eine neue Tour geben, aber erst 2012, zum neuen Album. Das passt besser als jetzt im Winter. Ich würde das gern klein und akustisch und leise halten. Eher schnuckelig.

Die Lenamania ist vorbei. Aber ist es nicht vielleicht sogar angenehmer, deine Karriere jetzt mit normalerer Flughöhe fortzusetzen, wenn nicht mehr jeder Nebensatz eine „Breaking News“ ist? Ja! Auf jeden Fall. Total. Ich könnte mir nicht vorstellen, wie Lady Gaga zu sein, die einfach durchgehend den Hype hat. Das kann nicht gesund und gut sein. Das ist die totale Überforderung. Mich haben die anderthalb Jahre jetzt noch nicht überfordert, aber hätte ich das noch anderthalb Jahre länger gehabt, hätte es mich überfordert. Ich merke gerade, dass es mir so viel besser geht. Ich freue mich zum Beispiel auf das Studium, weil mir das ein bisschen Struktur gibt. Ich habe mich manchmal strukturlos gefühlt und ein bisschen planlos, als würde ich treiben. Ich habe jetzt so viel getan für andere, Konzerte für Tausende von Menschen, Musik, Auftritte. Ich habe versucht, Harmonie auszustrahlen und Liebe, aber ich merke jetzt, dass es auch wichtig ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Das habe ich in diesen Monaten über mich gelernt.

Hältst du denn Stille gut aus? Ja. Das geht an einem Ort wie Taizé zum Beispiel super einfach, weil man da quasi zu seinem Glück gezwungen wird. Und weil man da in sich still mit anderen über seine Stille reden kann. Das ist im Alltag nicht so einfach, weil mich zwölf Millionen Sachen ablenken. Für mich ist Ballett ein Mittel zum Abschalten. Nicht denken, sondern auf den Körper konzentrieren.

Nietzsche hat gesagt: „Die größten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ Genau. Es ist alles so tierisch schnell passiert sei „Unser Star für Oslo“, aber es fühlt sich im Rückblick an, als habe es fünf Jahre gedauert.

Ein Experiment: Ich habe im Internet Fragen von Fans an dich gesammelt. Würdest du sie beantworten? Na klar.

Und los: Wie sieht dein perfekter Sonntag aus? Im Moment ist jeder Tag der Woche mein perfekter Sonntag, weil ich frei habe.

Bei welchem Konzert der Lena-Live-Tour war die Stimmung für dich am besten? Hannover und Köln.

Verfolgst du, was deine Fans im Netz so treiben? Ja, klar, das ist ja total spannend. Und ich habe mir überlegt, dass ich mich demnächst noch mehr um meine Fans im Netz kümmern will, auch mit Fotos hochladen und so.

Was macht dich glücklich? Gesundheit, finanzielle Unabhängigkeit, zu lieben und geliebt zu werden.

Wer von den Menschen, denen du begegnet bist, ist dir besonders in Erinnerung geblieben? Wladimir Klitschko und Hape Kerkeling.

Fährst du immer noch Opel? Ja, ‘türlich. Opel Corsa „Satellite“, in schwarz.

Wird es ein offizielles Lena-Buch geben? Das war mal geplant, aber das bedeutet unfassbar viel Arbeit. Aber ein Bildband über die Zeit der Eurovision aus meiner Sicht wäre vielleicht wirklich ganz cool.

Das war das. Und? Fliegst du 2012 zum Eurovision Song Contest nach Aserbaidschan? Erstmal fänd’ ich’s cool, wenn ich als Gastjurorin in der Jury für „Unser Star für Baku“ sitzen dürfte, mit Thomas D. Und Aserbaidschan? Ja. Ich glaube, ich werde aus Spaß hinfliegen. Um mir das Ganze mal von außen anzugucken. Ohne Probe und Schminken – diese ganze Schminkerei! – und zehn Millionen Interviews von acht bis Mitternacht und Welcome-Party, und Big-Five-Party und so weiter. Einfach so. Ohne Druck. Als Touristin.

Interview: Imre Grimm