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19:20 12.07.2012
Von Ernst Corinth
Der Geisterseher: Paul (Iain De Caestecker ) versucht, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Quelle: BBC
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Hannover

"Tage des Grauens“ ist eine treffliche Umschreibung des Wiederholungseinerleis im TV-Sommerprogramm. Es ist aber auch der Titel einer kleinen Horrorreihe im Spartensender ZDFneo. Bis kommenden Mittwoch geht es dort um Hexen, Werwölfe und andere übernatürliche Wesen. Im Mittelpunkt des wohligen Schreckens steht aber die sechsteilige BBC-Serie „The Fades“, die ab Freitag, dem 13. zu sehen ist. Sie ist in England mit dem Bafta-Award, dem wichtigsten britischen Fernsehpreis, als beste Dramaserie ausgezeichnet worden - und das noch vor dem hochgelobten Arthur-Conan-Doyle-Update „Sherlock“.

Auf den ersten Blick erinnert „The Fades“ an eine Jugendserie. Die BBC-Produktion handelt vom Teenager Paul (Iain De Caestecker), der mit seinem Freund Mac (Daniel Kaluuya), einem Filmfreak, eher zu den Außenseitern auf seiner Schule gehört. Paul leidet unter der Scheidung seiner Eltern und besucht einen Therapeuten. Seit einiger Zeit quälen ihn nachts schlimme apokalyptische Albträume.

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Und es bleibt nicht bei den Träumen: Als der 17-jährige Teenager eines Abends mit seinem Kumpel Mac durch die Gegend zieht, erscheinen ihm plötzlich übernatürliche Geisterwesen. Da nur er sie sehen kann, beginnt er endgültig, an seinem Verstand zu zweifeln. Erst ein geheimnisvoller Fremder (Johnny Harris) kann Paul beruhigen: Der Mann, der sich Neil nennt, besitzt offenbar die gleiche übersinnliche Gabe. Die Geisterwesen, die sogenannten Fades, würden nur von wenigen Menschen wahrgenommen, erklärt Neil. Die Fades seien die Geister gerade Verstorbener, denen der Übergang in eine andere Welt aus verschiedenen Gründen nicht gelinge. Sie wanderten nun spukend umher - unbemerkt von allen, die keine Geisterseher, keine „Angelics“, sind. Doch Pauls düstere Visionen drohen wahr zu werden, als es einem der Fades gelingt, wieder menschliche Gestalt anzunehmen: Polus (Ian Hanmore) sorgt für Schrecken und Unheil. Die Einzigen, die ihn stoppen können, sind „Angelics“ wie Paul.

Das alles klingt ein bisschen wirr, wird in der Auftaktfolge aber doch recht gut und anschaulich erklärt. Und wer ein Faible für Serien mit übersinnlichen Stoffen hat, wird sich ohnehin schnell in „The Fades“ zurechtfinden. Viel Neues hat der BBC-Mehrteiler allerdings nicht zu bieten. Viele der Motive sind bekannt und erinnern an Mysteryfilme wie „The Sixth Sense“, den Zombiehorror aus „The Walking Dead“ oder die US-Serie „American Horror Story“. Frei nach dem Motto: lieber gut kopiert, als schlecht selber ausgedacht. Das Team um Regisseur Warren Blackburn und Autor Jack Thorne geht äußerst geschickt mit den Versatzstücken um. Es konzentriert sich auf die Spukgeschichte und verzichtet auf romantischen Firlefanz, der einem sonst manche Vampirserie verleidet. Die Effekte haben durchaus Kinoformat, und auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Leider enden die sechs Folgen mit einem Cliffhanger. Ob man je erfahren wird, wie es weitergeht, ist unklar. Weil die BBC sparen muss, liegen die Pläne für eine zweite Staffel auf Eis - womöglich für immer. Grauenhafte Vorstellung.

12.07.2012
11.07.2012
Simon Benne 12.07.2012