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17:39 01.11.2014
Kollegensause: Die Ermittler Bukow (Charly Hübner, l.), Thiesler (Josef Heynert) und König (Anneke Kim Sarnau) feiern.
Kollegensause: Die Ermittler Bukow (Charly Hübner, l.), Thiesler (Josef Heynert) und König (Anneke Kim Sarnau) feiern. Quelle: ARD
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Rostock

Eines ist sicher: Dieser ARD-Sonntagskrimi wird wohl keinen Zuschauer unberührt lassen. So erschreckend ist die Geschichte, obwohl der Regisseur uns zum Glück die grausamsten Bilder erspart. Und das Schlimmste ist, dass sich solche blutigen Vorfälle nicht nur in Krimis, sondern auch in der Wirklichkeit leider viel zu oft auf ganz ähnliche Weise zutragen. In den Medien ist dann die Rede von einer „Familientragödie“ oder von einem „erweiterten Selbstmord“, bei dem ein Täter seine Frau und seine Kinder mit in den Tod gerissen hat.

Genau davon handelt dieser Rostocker „Polizeiruf 110“, in dessen Mittelpunkt ein Mann steht, dessen Leben vor gar nicht allzu langer Zeit wohlgeordnet schien. Dieser Arne Kreuz hatte es scheinbar geschafft: Er hatte einen gut bezahlten Job, eine hübsche Frau und drei nette Kinder. Doch dann geriet seine bürgerliche Existenz langsam aus den Fugen und brach in sich zusammen - wohl auch aus eigenem Verschulden. Seine Frau verließ ihn irgendwann mit den Kindern. Und Arne ist jetzt nur noch zweierlei geblieben: hohe Schulden und eine unbändige Wut auf sich und die Welt.

Dass bei einem solchen Mann die Wahrnehmung der Realität zunehmend gestört ist, wundert kaum. Und wird in diesem Krimidrama sehr anschaulich vorgeführt und erklärt. Aber nicht nur durch Worte oder Taten, sondern durch die starke darstellerische Leistung von Andreas Schmidt, dem Experten für extreme Rollen, der auch die Figur des Arne Kreuz erschreckend glaubhaft verkörpert. Gleich zu Anfang dringt er in die Wohnung seiner Frau, bittet sie verzweifelt, zu ihm zurückzukehren, verspricht ihr alles Mögliche. Doch sie weist ihn ab. Und er sticht schließlich - fast schon zärtlich wie in einem Liebesakt - mit dem Messer zu. Anschließend erstickt er sein jüngstes Kind mit einem Kissen, die beiden älteren Kinder sind zum Glück gerade bei ihren Großeltern.

Als Stunden später das Rostocker Ermittlerduo Sascha Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) am Tatort erscheint, findet es die beiden Toten aufgebahrt und liebevoll mit Blumen dekoriert. Vom Täter fehlt jedoch jede Spur. Und schnell haben die Ermittler den Verdacht, dass Arne auf der Suche nach seinen anderen beiden Kindern ist, um auch sie zu töten. Es ist der Beginn einer aufregenden und äußerst rasant inszenierten Verfolgungsjagd, die der Zuschauer abwechselnd aus der Perspektive des Amok laufenden Täters und der Ermittler verfolgt - bis zum bitteren Ende. Dass die Polizei dabei stets fast in Kompaniestärke auftritt, aber offenbar keinen Psychologen hat, der sich um die Opfer kümmert, ist allerdings ein seltsamer Drehbuchfehler.

Inszeniert und geschrieben hat diese zehnte Folge des Rostocker Ermittlerduos der Erfinder der beiden Figuren: Regisseur Eoin Moore. Und wie fast immer schaut man seinen beiden Helden einfach gern beim Ermitteln zu. Dabei gelingt ihnen bei ihrem kleinen Jubiläum das Kunststück, einen für die Krimireihe ungewöhnlich intensiven Fall abzuliefern, den man so schnell nicht vergessen wird.

Lob für den Film kam von der Konkurrenz: Til Schweiger (50) alias Hamburger „Tatort“-Ermittler Nick Tschiller empfiehlt den Sonntagskrimi aus Rostock. Er schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Anschauen! Es ist der spannendste ,Tatort’/,Polizeiruf‘ des Jahres ... grandiose Schauspieler, die einen vergessen lassen, dass hier gespielt wird, weil sie so authentisch sind ...“ Buch, Ensemble und Regie seien großartig. „Nick Tschiller ist diesmal richtig sprachlos.

Von Ernst Corinth

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