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Medien & TV Wo der Clan regiert
Nachrichten Medien & TV Wo der Clan regiert
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00:15 24.02.2014
Von Ernst Corinth
Gedächtnislücken: Nach dem Angriff kann Polizist David Förster für Kommissarin Lürsen keinen der Täter identifizieren. Quelle: ARD
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Hannover

Ein Clan beherrscht Teile einer Stadt: Wenn in Deutschland über diese Form der Kriminalität berichtet wird, steht meist die Berliner Abou-Chaker-Familie im Mittelpunkt. Dabei gibt es dieses Phänomen auch in anderen Städten. Im neuesten Bremer „Tatort“ ermitteln die Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) in diesem Milieu.

Im Fall „Brüder“ (Sonntag, 20.15 Uhr) geht es um einen aus der Türkei stammenden arabischen Familienclan, der mit großer Brutalität seine kriminellen Geschäfte betreibt. Und leider gibt es genau dafür genügend reale Vorbilder in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit, von denen sich die Drehbuchautoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabler offenbar auch haben inspirieren lassen.

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Los geht’s mit einer scheinbar ganz normalen Szene aus dem Polizeialltag. Bei ihrer nächtlichen Streife erhalten die Beamten David Förster (Christoph Letkowski) und Anne Peters einen Notruf von einem Mann, der sich bedroht fühlt. Am Einsatzort eingetroffen, hören sie seltsame Geräusche, die aus einem Lieferwagen kommen. Dann tauchen plötzlich drei Gestalten auf und gehen drohend auf die Polizisten zu. Bei ihnen handelt es sich um Mitglieder des in der Stadt gefürchteten sogenannten Nidal-Clans. Sie machen den Beamten klar, dass sie verschwinden sollen. Schließlich eskaliert die Situation, und Polizistin Anne wird durch Tritte und Schläge lebensgefährlich verletzt. Ihr Kollege David ist dagegen spurlos verschwunden, als kurze Zeit später Lürsen und Stedefreund am Tatort erscheinen.

Bei ihren weiteren Ermittlungen finden die beiden Kommissare heraus, dass David seine Kollegin panisch im Stich gelassen hat. Außerdem ist offenbar kurz zuvor am Tatort ein Mann ermordet worden. Seine Leiche ist jedoch nicht auffindbar. Die Ermittlungen kommen nicht voran, weil ein Zeuge des Geschehens aus Angst jede Aussage verweigert. Und diese Angst vor gut organisierten Kriminellen ist leicht nachvollziehbar. Das zeigt dieser facettenreiche „Tatort“ eindrucksvoll, der dabei recht genau beschreibt, wie Clan-Kriminalität funktioniert.

Gleichzeitig wirft der von Florian Baxmeyer inszenierte Film die Frage auf: Wie gehen die Strafbehörden mit diesen gut organisierten Gewalttätern um, die keine staatliche Autorität ernst nehmen? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage wird zwar nicht präsentiert, und das ist auch gut so. Dennoch hat der gezeigte Polizeiausbilder im Film womöglich recht, der zu seinen Kursteilnehmern sagt, dass solchen Kriminellen klargemacht werden müsste, dass auf den Straßen die „Bullen-Gang“ das Sagen hat.

24.02.2014
20.02.2014