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16:46 20.01.2014
Von Christiane Eickmann
Hier bin ich: Raymond Reddigton (James Spader) spaziert ins FBI-Hauptquartier, geht in die Knie und lässt sich festnehmen. Quelle: RTL
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Hannover

In der anarchischen AnwaltsserieBoston Legal“ gab James Spader den Guten: Als Alan Shore verteidigte er mit Vorliebe die sogenannten kleinen Leuten und stieg - wenn es sein musste - fürs Plädoyer auch mal auf eine Kiste. In der neuen US-Serie „The Blacklist“, die ab Dienstag auf RTL zu sehen ist, spielt der einstige Star des Independent-Kinos dagegen nun den Bösen: Raymond „Red“ Reddington, einen international gesuchten Schwerverbrecher, der sich entschließt, dem FBI bei der Aufklärung von Mord und Terror zu helfen.

Spader ist in der Zeit zwischen „Boston Legal“ und „The Blacklist“ recht kahl geworden, schlank ist er schon seit vielen Jahren nicht mehr - seinem Charisma hat das nicht geschadet. Er spielt den „Red“ mal zynisch, mal augenzwinkernd selbstverliebt, raumgreifend und leidenschaftlich. Und das ist selbstverständlich sehenswert. Allerdings spielt er so alle anderen Darsteller der Serie an die Wand.

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Auch die Grundkonstellation der Reihe, die in den USA ein großer Erfolg ist, ist wenig neu: Reddington war einst ein hoher US-Marine, verschwand dann auf rätselhafte Weise von der Bildfläche, verließ Frau und Kind, um fortan Geheimnisse des US-Militärs zu verraten und Verbrechern in aller Welt bei der Vorbereitung ihrer Taten zu helfen. Ausgerechnet dieser Mann ergibt sich nun dem FBI, um fortan bei der Aufklärung von Verbrechen zu helfen. Einzige Voraussetzung: Er möchte mit der jungen FBI-Anfängerin Elizabeth Keen (Megan Boone) zusammenarbeiten (so wie der Kanibale Hannibal mit der FBI-Anwärterin in „Das Schweigen der Lämmer“). Niemand weiß, warum. Dass „Red“ immer mal wieder untertaucht und weiterhin erstaunlich gute Kontakte zu Mördern und Bombenbastlern unterhält, macht die Sache nicht einfacher.

Doch Reddington ist nicht der einzige zwielichtige Charakter der Serie. Bald muss FBI-Agentin Keen erkennen, dass auch ihr Ehemann nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Wie in dicken Lettern steht über dem Ganzen das Motto: Das Böse lauert überall.

Das Erzähltempo bei „The Blacklist“ ist ähnlich hoch wie bei „24“. Das ist für die Serienmacher praktisch, wenn die Handlung gerade unplausibel ist; und das ist dann richtig gut, wenn die Story so viele Wendungen nimmt, dass auch serienerfahrene Zuschauer am Ende überrascht sind. Bei der zweiten Episode „The Freelancer“, die sich um Frauenhandel und Zwangsprostitution dreht, ist dies der Fall. In einem anderem Punkt fällt die Serie - zumindestens in den ersten Episoden - jedoch hinter andere zurück. Auch wenn das FBI in „The Blacklist“ gezwungen ist. mit einem Schwerverbrecher und Landesverräter zusammenzuarbeiten, ist immer klar, wer die Guten sind: FBI, CIA, NSA. Da war „Homeland“ schon weiter. Und von „Boston Legal“, in der das gesamte US-Rechtssystem zur Karikatur wurde, ist „The Blacklist“ meilenweit entfernt.