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Medien & TV "Wir haben nichts zurückzunehmen"
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17:11 21.06.2015
Klaus Brinkbäumer spicht im Interview über Gerhard Schröder und seine ersten Monate als Chefredakteur des "Spiegel". Quelle: dpa

Altkanzler Gerhard Schröder will dem „Spiegel“ untersagen, das Titelbild von voriger Woche weiter online zu verbreiten. Es zeigt ihn wegen angeblicher Verbindungen zum kasachischen Regime auf einem scheinbar zu erkennungsdienstlichen Zwecken aufgenommenen Foto. Zwar beansprucht der „Spiegel“ für sich, „keinen Respekt vor den Mächtigen“ zu haben. Dennoch: Sind Sie diesmal zu weit gegangen?
Nein. Wir haben da nichts zurückzunehmen. Im Gegenteil: Wir legen im aktuellen Heft weitere Details der Affäre offen. Ich setze voraus, dass sich erschließt, dass es sich bei der Titel-Illustration nicht um ein reales Fahndungsfoto handelt. Die Recherche rechtfertigte die Darstellung auf dem Cover, und die Geschichte stimmt.

Der Titel war, wie man es vom „Spiegel“ erwartet, hart und politisch. Warum schaffen es immer wieder Geschichten aufs Cover wie vor ein paar Wochen die über „die Lust der Frauen“?
Unser Ziel ist, dass die Titelgeschichten exklusiv oder politisch sind, bestenfalls beides. Das schaffen wir öfter als früher. Um zu überraschen, werden wir diese Linie immer mal wieder durchbrechen. Auch Titel zu Sexualität, Traumforschung oder Konzentration in hektischen Zeiten bewegen unsere Leser. Zugegeben, das Sex-Titelbild war nicht optimal.

Nicht optimal?
(Lacht) Da haben wir uns leicht vergriffen. 

In den Monaten vor Ihrer Berufung hatte der Streit um den damaligen Chefredakteur das Klima in Redaktion und Verlag vergiftet. Als sein Vize saßen Sie zwischen den Stühlen. Wie hoch war Ihr Leidensdruck?
Zu Beginn hatte ich den Eindruck, die unterschiedlichen Auffassungen ließen sich konstruktiv nutzen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem klar war: Es funktioniert nicht. Es hat dann noch gedauert, und diese Monate waren etwas anstrengend. Der Stolz auf den „Spiegel“ litt, die Freude an der Arbeit auch. Ich habe versucht, das Blatt gut zu machen und die Redaktion zusammenzuhalten.

Seit einem halben Jahr sind Sie Chefredakteur. Wie läuft‘s?
Es ist schön zu sehen, wie schnell sich alles gewandelt hat. Sie spüren: Der Verlag will, die Redaktionen wollen, wir alle wollen. Trotz der Stellvertreter-Jahre habe ich unterschätzt, wie viele Aufgaben ein Chefredakteur zur selben Zeit zu bewältigen hat: Blattmachen, Titelentscheidung, Strategisches, Print und Online, neue Projekte, Personalfragen, Sparen, der Kontakt zu den Lesern … Ich mache das leidenschaftlich gern, und dieser Job ist der schönste, den es im deutschen Journalismus gibt. Aber wie einfach hatten es Chefredakteure in früheren, sorglosen Zeiten. Genug gejammert.

Sind Sie jemand, der sich gerne unterschätzen lässt?
Hm … schlaue Frage. Das ist eine Reporter-Methode, und ich war Reporter. Um Menschen zum Erzählen zu bringen, empfiehlt es sich manchmal, ein wenig harmloser zu wirken als man ist.

Mancher zweifelte, ob Sie für den Posten der Richtige sind. Zu freundlich, zu soft, hieß es.
„Milde“ war der Ausdruck, den ich gehört habe. Das hört keiner gern, der Chefredakteur werden will in einem Haus, das an Strukturen und Autorität gewöhnt ist.

Tatsächlich gehen Sie ruhig, aber sehr stringent vor. Sie haben den früheren, zweiten Vizechef abgesetzt, dann den Berliner Büroleiter. Den „Kultur Spiegel“ machen Sie gegen den Widerstand der verantwortlichen Redakteurin zum reinen Rezensionsmagazin…
… weil das Heft zwar gut, aber das Konzept, also das Zusammenspiel mit dem großen „Spiegel“, strategisch nicht sinnvoll war, und weil wir unser bildungsbürgerliches Publikum mit seinem Wunsch nach Rezensionen allein gelassen haben…

und jetzt haben Sie einen Sparkurs angekündigt, inklusive Personalabbau.
Dieses Haus gehört uns Mitarbeitern, zumindest zur Hälfte. Es ist unser „Spiegel“, und das bedeutet Verantwortung und Auftrag. Wir werden nicht die Generation sein, die dieses große Erbe beschädigt. Die Wahrheit ist: Die Einnahmen, vor allem jene durch Anzeigen, sind gesunken, unsere Kosten aber nicht. Die Redaktion ist erwachsen, klug und selbstbewusst. Sie erträgt die Wahrheit. Und ich habe kein Problem damit, sie auszusprechen.

Auch wenn das Härte bedeutet?
Härte oder besser Klarheit bedeutet ja nicht Zynismus. Und Teamfähigkeit ist in den Medien heute sowieso existenziell. Wer glaubt, alle Entscheidungen allein treffen zu können, ist in kürzester Zeit überfordert. Um den „Spiegel“ zu erhalten und zu stärken, verändern wir nun gemeinsam, was verändert werden muss. Der eine Vorwurf, den ich, wenn es für mich irgendwann vorbei sein sollte, nicht hören möchte, ist: Warum hat er es nicht versucht?

Mit der aktuellen Ausgabe haben Sie einiges verändert: das Titelthema steht am Heftanfang, im hinteren Teil gibt es ein weiteres, titelfähiges Thema, Autoren sind für Leser per Mail und Twitter ansprechbar, auf manchen der Leserbriefe, jetzt ganz hinten platziert, antwortet der „Spiegel“. Verraten Sie mir, weshalb Sie den Medienteil abschaffen?
Den haben wir abgeschafft, damit das Heft nicht zu kleinteilig wird. Medienberichterstattung wird es weiterhin geben.

Das sagen alle Chefredakteure, die dem Medienjournalismus nur noch nach Willkür Platz einräumen.
Wir werden und wir wollen weiterhin Mediengeschichten machen: wenn sie da sind, wenn sie gut sind, wenn sie relevant sind. Dann ist der Platz garantiert.

Was ohne Medienjournalismus nicht bekannt wäre: Jakob Augstein ist einer der Erben, die ihre Anteile verkaufen wollen. Warum sollte jemand, der nicht an die Zukunft des „Spiegels“ glaubt, als Kolumnist weiterhin von der Popularität der Marke profitieren?
Alle Gesellschafter glauben zu Recht an den Spiegel. Und wir alle beim Magazin sind sowohl Gesellschafter als auch Redakteure, Autoren, Dokumentare. Wir haben längst gelernt, zwischen den Rollen zu trennen, und bewerten Texte nicht hauspolitisch, sondern qualitativ. Den Kreis der Kolumnisten halten wir übrigens in Bewegung. Neu dabei ist ab dieser Woche Nils Minkmar.

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