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Medien & TV Jürgen Vogel zieht ein
Nachrichten Medien & TV Jürgen Vogel zieht ein
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15:29 28.01.2009
Der neue Mieter in der "Schillerstraße": Jürgen Vogel. Quelle: Jörg Koch/ ddp
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Am Prinzip der Sendung wurde nichts geändert: Ein Drehbuch existiert nicht, dafür gibt „Schillerstraße“-Erfinderin Maike Tatzig den Schauspielern über Ohrhörer skurrile Regieanweisungen. Die Zuschauer sind über Einblendungen eingeweiht, die übrigen Mitspieler jedoch ahnungslos. An der Seite von Jürgen Vogel spielen auch in der neuen Staffel vertraute „Schillerstraße“-Protagonisten wie „Maddin“ Schneider, Bernhard Hoëcker oder Tetje Mierendorf.

„Mich hat das Prinzip der ’Schillerstraße’ schon früher fasziniert, weil es für einen Schauspieler ein unglaubliches Potenzial bietet: eine Stunde Spielen ohne Netz und doppelten Boden“, sagte Jürgen Vogel im ddp-Gespräch in Köln. In der ersten Folge ist er der Jungschauspieler Jürgen, der sich bei Hausbesitzerin Ilka (Bessin) um die freie Wohnung bewirbt: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es mir als Jungschauspieler ergangen war. Diese Erfahrungen kann ich jetzt in der ’Schillerstraße’ abrufen.“

Ansonsten sei er aber ganz auf seine Spontaneität angewiesen:„Ich weiß natürlich, dass viele Schauspieler und auch Comedians sagen: Sorry, aber ohne Drehbuch mache ich nichts. Aber für mich liegt genau im Improvisieren der große Reiz.“

Dazu gehöre auch der Mut zu Lücken und Hängern: „Dann kommt eben die Regieanweisung über Ohrhörer, die dich und die Handlung weiter bringt.“ Manche Anweisung von Spielleiterin Maike Tatzig habe ihn allerdings auch schon an den Rand der Verzweiflung gebracht, räumte Vogel ein: „Da habe ich mich schon gefragt, wie soll man das denn spielen? Aber darum geht es ja. Bei den Zuschauern ist sicherlich eine gehörige Schadenfreude dabei, wenn sie sehen, wie wir uns in absurden Situationen abstrampeln müssen.“

Dabei bringe ihm auch die Aufzeichnung in Hürth bei Köln vor dem Studiopublikum einen besonderen Kick: „Da gibt es keine Anheizer, keine Claqueure. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man sich einfach vor 300 Leute hinstellt und ohne Probe und ohne Text drauflos spielt.“

Die im September 2004 gestartete Serie war im April 2007 zum vorerst letzten Mal gelaufen, nachdem Hauptprotagonistin und „Vormieterin“ Cordula Stratmann ihren Abschied genommen hatte. Die zunächst nur auf ein halbes Jahr angelegte „Kreativpause“ für das Format dauerte schließlich fast drei Mal so lange, weil Sat.1 intensiv überlegte, mit welcher Besetzung und welchem Konzept die „Schillerstraße“ wieder an den Start gehen sollte. „Wir habe uns diese Zeit genommen, weil es eine sehr wertvolle Marke ist“, hatte eine Sprecherin des Senders erklärt.

Die Sendung wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Deutschen Comedy-Preis und der Rose d’Or ausgezeichnet und in rund 20 Länder verkauft.

Zu ihren besten Zeiten vor vier Jahren hatte die „Schillerstraße“ bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 18,2 Prozent erreicht. Auf ähnliche Werte hofft der zuletzt nicht gerade erfolgsverwöhnte Berliner Sender natürlich auch bei der neuen Staffel der „Schillerstraße“. Jürgen Vogel ist jedenfalls vom Erfolg überzeugt: „Die Sendung hat ihr Potenzial bereits bewiesen und ich bin sicher, dass die Erfolgsgeschichte weiter gehen wird.“ Dafür will der 40-Jährige alles geben: „Nach dieser Stunde auf der Bühne ist man auch körperlich ziemlich fertig. Aber es macht auch unglaublich viel Spaß.“

ddp