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Medien & TV Für immer jung
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11:24 01.04.2014
Quelle: dpa/Symbolbild
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Es gibt Menschen, die werden schon alt geboren. Spätestens mit 20 Jahren sehen sie dann nicht nur aus wie ihre eigenen Eltern, sie hören sich auch so an. Andere scheinen immer jung zu bleiben. Berufsjugendliche nennt man sie auch. Ähnlich verhält es sich mit öffentlich-rechtlichen Radiosendern. Einige wirken wie aus der Zeit gefallen; klug, aber ein bisschen umständlich. Andere wollen einfach nicht älter werden – auch wenn die Moderatoren mittlerweile selbst schon Väter sind und weit jenseits der 40.

Mit einem ganzen Strauß von sogenannten „Pop- und jungen Wellen“ erreicht die ARD eine Zielgruppe, der sie im Fernsehen weitgehend erfolglos nachjagt: Jugendliche und junge Erwachsene. MDR Sputnik etwa, dessen Wurzeln im „Jugendradio DT64“ des Rundfunks der DDR liegen – und das auf einen Wortanteil von mehr als 25 Prozent kommt. Oder eben N-JOY vom Norddeutschen Rundfunks (NDR). Sputnik ist inzwischen 21 Jahre alt. In dieser Woche feiert auch N-JOY seinen 20. Geburtstag.

Kurz vor der großen Party gab es das wichtigste Geschenk: Zum dritten Mal in Folge konnte der Sender seine Reichweite steigern, bundesweit schalten täglich rund 1,3 Millionen Menschen ein, wenn am Vormittag in der „Morningshow“ Kuhlage und Hardeland Telefonstreiche bei Lady Gaga machen oder den neuesten Internethype erklären – Foodporn zum Beispiel.

Schwer zu glauben, wenn man bedenkt, dass ARD und ZDF es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft haben, die Ministerpräsidenten davon zu überzeugen, dass sie in der Lage sind, einen TV-Jugendkanal zu stemmen. Die „jungen Wellen“ der ARD – was für ein Wortanachronismus – wissen seit 20 Jahren, wie das weitgehend krampflos geht. Dabei reicht es eben schon lange nicht mehr, einfach nur eine lässige Figur im Studio abzugeben, ein paar gute Sprüche frei aufsagen zu können, und sein Image auf dem sendereigenen Twitterkanal zu polieren. „Denn auch wir sind älter geworden“, sagt Joachim Knuth, Programmdirektor Hörfunk beim NDR. Und zwar ganze sieben Jahre. 1994 war der N-JOY-Hörer im Schnitt noch 24 Jahre alt. 2014 ist er 31.

Anderen geht das nicht anders: Sputnik, 1Live (WDR) oder YOU FM aus Hessen – sie alle merken, dass sie sich thematisch breiter aufstellen müssen, um erfolgreich zu bleiben. „Es geht darum, ein Lebensgefühl abzudecken und damit auch jene zu erreichen, die bereits Anfang 40 sind, ein Surfbrett auf dem Autodach haben und immer noch Hip-Hop hören“, sagt Knuth. In den Neunzigern hätte Knuth anstatt von Hip-Hop von Eurodance gesprochen. Schuld daran wäre der Musikredakteur gewesen, der den ganzen Tag Dr. Alban oder Mr. President gespielt hätte.

Ohne Öffentlich-Rechtliche wäre der Musikredakteur längst ausgestorben. Die Privaten lassen seit Jahren schon Algorithmen bestimmen, welche Hits in Dauerschleife laufen, damit die Werbekunden am Ende nicht sauer sind, weil irgendein Moderator mal eben seine exotische Lieblingsplatte durch den Äther schickt. Beim öffentlich-rechtlichen Jugendradio sitzen dagegen noch Menschen, von denen nicht wenige in der Lage sind, ein Interview mit einem Künstler zu führen, ohne dass es peinlich wird.

Und auch wenn der N-JOY-Chef ausführlich über das missratene letzte Nickelback-Album philosophieren kann und betont, „dass man seine Hörer mit guten Typen und guter Musik überraschen muss“, so gehören Nachrichten, Magazine, Korrespondentenberichte zum Jugendradio genauso dazu. „Schließlich werden wir aus Beitragsgeldern finanziert und haben einen Auftrag“, sagt Programmchef Knuth.

Den hat auch das Fernsehen, und Geld hat es auch. Und zwar ausreichend. Dennoch tun sich ARD und ZDF um ein Vielfaches schwerer, die Jugend zu erreichen, als ihre Radiogeschwister. Kein Wunder, meint Knuth. ARD wie ZDF müssten in ihren Hauptprogrammen alles abbilden: Kultur, Information und Bildung. Das Radio habe es da leichter: „Bei uns hat die Spezialisierung auf Info, Kultur und Jugend eine längere Tradition.“

Falls es ARD und ZDF also doch noch irgendwann einmal schaffen sollten, ein Konzept für einen Jugendkanal auf den Tisch zu legen, so könnten N-JOY, Sputnik, Fritz, Das Ding  – und wie sie alle heißen – auch bei den Inhalten helfen. Damit es zwar Pop, aber bitte nicht peinlich wird.

Sender für junge Hörer

  • PULS (BR)
  • YOU FM (HR)
  • MDR Sputnik (MDR)
  • N-JOY (NDR)
  • Bremen Vier (Radio Bremen)
  • Fritz (RBB)
  • 103.7 UnserDing (SR)
  • Das Ding (SWR)
  • 1Live (WDR)

Von Nora Lysk

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