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Medien & TV Die Wuchtbrumme 
der Wahrheit
Nachrichten Medien & TV Die Wuchtbrumme 
der Wahrheit
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00:15 15.04.2014
„Ich glaube, es wird irgendwann Folgeschäden geben“: Oliver Kalkofe. Quelle: Jens Kalaene
Berlin

Nein, Feuilleton ist seine Sache nicht. Die abwägende Kritik, der konstruktive Essay, so ’n Quatsch. Stattdessen: immer voll auf die Zwölf. Mit Schmackes. Oliver Kalkofe (48) ist nicht als Fernsehfeingeist bundesweit bekannt geworden, sondern als erbarmungsloser Scharfrichter. „Das Fernsehen“, sagte er mal, „ist so eine Art geistige Neutronenbombe: Das Gehirn wird weggestrahlt, aber der Kopf bleibt stehen.“

Bei Kalkofe regnet es regelmäßig „Dünnschiss in Strömen“, C-Prominente sind „Restmüll-Promis“ oder „mäßig bekannte Medienmaden“. Und eine überflüssige Sendung wird zum „Programm-­Popel“. Jetzt feiert der selbst ernannte Rächer der Genervten Jubiläum: Seit 20 Jahren veralbert er in seiner „Mattscheibe“ das Fernsehen. Tele 5 ehrt seinen TV-Terminator mit einer ­Jubiläumswoche und zeigt von heute an vier Tage lang jeweils um 20.15 Uhr in „The Final Kalkdown – 20 Jahre Mattscheibe“ die beliebtesten Clips. Zum Abschluss gibt es am Freitag die Jubiläumsshow „The ­incredible Kalk“.

Stellen wir uns kurz vor, Kalkofe schriebe zum Jubiläum über sich selbst. Es klänge womöglich so oder ähnlich: „Mit der Subtilität einer Stalinorgel knattert der muntere Medienmops alles kaputt, was aus den giftigen Hirnen kaltgepresster TV-Knechte in die Verblödungsmaschinen der Republik schwappt. Programmdirektoren werfen sich weinend unter ihre Mahagonischreibtische, wenn die Wuchtbrumme der Wahrheit den Schunkel-Schabracken mit dem IQ einer Dose Leberwurst die Restzellen auf links zieht.“ Ohne Gnade.

In Wahrheit soll ihn das ja alles inzwischen etwas anöden. Das ewige Gepöbel. Das Hau-drauf-und-Schluss. Dass er – abgesehen von ein paar Büchern und Kinogastrollen wie in „Der Wixxer“ – seit 20 Jahren den amoktextenden Kasperkritiker geben soll, als eine Art „One Trick Pony“ der deutschen Medienszene. Aber er macht weiter und weiter. „Kalkofes Mattscheibe“ startete 1991 im Radio, als feste ­Rubrik in der ffn-Satiresendung „Frühstyxradio“, neben Reihen wie „Onkel Hottes Märchenstunde“ („gesägt, tun getan“), kam dann 1994 ins Fernsehen und lief anfangs unverschlüsselt beim Bezahlsender Premiere. Schon ein Jahr später gab es den Grimme-Preis. Dann wanderte die Show zu Pro7, doch 2008 war erst mal Schluss. Vor zwei Jahren dockte der „Kalkman“ dann mit der „Mattscheibe“ bei Tele 5 an.

Das Sichten der TV-Unfälle tue ihm inzwischen „richtig weh“, sagt Kalkofe, der sich Programmaufzeichnungen tatsächlich persönlich in Marathonsitzungen ansieht, ganz ohne studentische „Sichter“ auf Honorarbasis wie etwa bei Stefan Raabs „TV total“. Es ist eben eine tiefe Hassliebe zwischen Kalkofe und dem Fernsehen. Auf seine Fans hat das erbarmungslose Zerlegen der televisionären Fremdschäm-Momente eine reinigende, fast befreiende Wirkung. Das „Mattscheiben“-Publikum funktioniert wie eine TV-Selbsthilfegruppe. „Manchmal ereilen mich in der Tat kurze Momente der Verzweiflung, und ich denke mir, ich sollte mir das Elend nicht mehr antun“, erzählt Kalkofe, der inzwischen nicht mehr an Besserung glaubt: „Ich habe wenig Hoffnung. Das Fernsehen hat zwar Geld, aber es nutzt seine Möglichkeiten nicht“, sagt er. „Alles wird bloß immer noch blöder und billiger. Vor allem die Privaten schauen nur darauf, dass sie am Ende ein Plus erwirtschaftet haben, und das kriegt man, je billiger und schlechter man produziert.“ Doch auch an der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz lässt Kalkofe kein gutes Haar. ARD und ZDF wollen seiner Meinung nach in erster Linie niemandem missfallen. „Sie wollen keinen Fehler machen und trauen sich deshalb rein gar nichts.“

In all den Jahren seit der ersten Sendung musste Kalkofe lernen, dass der Kampf gegen den gefühlten Niveauschwund ein Kampf gegen Windmühlen ist: „Anfangs war ich noch euphorisch und dachte, dass man was ändern könnte“, sagt der geborene Hannoveraner. „Heute weiß ich, dass ich höchstens mal einen kleinen Impuls zum Umdenken geben kann.“

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