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Medien & TV Kammerspiel im Wüstensand: „Der Verdacht“ mit Christiane Paul
Nachrichten Medien & TV Kammerspiel im Wüstensand: „Der Verdacht“ mit Christiane Paul
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19:14 23.01.2011
Von Hannah Suppa
Das hatte sich die deutsche Ingenieurin Maja Reichardt (Christiane Paul) irgendwie anders vorgestellt. Jetzt steht sie ratlos in der namibischen Wüste und fühlt sich verfolgt. Quelle: ZDF
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Die Straßen sind lang, unendlich lang. Durch die Frontscheibe ist nichts zu sehen, nur die Sandpiste, auf der die schnelle Fahrt den Staub aufwirbelt. Außer Staub ist hier im Hinterland Namibias auch nichts zu entdecken. Diese Einsamkeit kann man genießen, sie ist gar Stoff zahlreicher Christine-Neubauer-Schmonzetten, sie kann einen aber auch ängstigen. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, verfolgt zu werden – dass da jemand ist, der einem nach dem Leben trachtet. So geht es Maja Reichardt (Christiane Paul) im ZDF-Fernsehfilm „Der Verdacht“. Die Schönheit und Erhabenheit Namibias nimmt sie kaum wahr. Wenn sie durch die Wüste fährt, verschließt sie die Augen, vor Erschöpfung, aus Angst.

Die deutsche Ingenieurin war mit ihrem Mann Hanno (Hans-Jochen Wagner) eigentlich ins südliche Afrika gekommen, um sich für ein Großprojekt zu bewerben und es in Windhuk zu präsentieren – das Ehepaar leitet in Berlin ein Büro für Umwelttechnologien. Doch es kommt alles anders. Und der Zuschauer kann sich aus Rückblenden und Puzzleteilen in 88 Minuten zusammenreimen, worum es eigentlich geht – denn das bleibt lange offen.

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Zunächst beginnt der Krimi mit einer Festnahme: Maja Reichardt wird in einer namibischen Ferienanlage von der Polizei abgeführt und zu einer Unfallstelle in der Wüste gebracht, wo ihr Mann ums Leben gekommen ist. Und die Ehefrau steht bei Kommissar Pienaar (Bjarne Henriksen) unter dringendem Tatverdacht, schließlich hat sie in den Tagen zuvor offensichtlich unter Verfolgungswahn gelitten. Der Berlinerin bleiben nur zwei Stunden Zeit, um Kirsten Buresch (Ina Weisse), eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, von ihrer Version der Geschichte zu überzeugen.

Das ist der Ausgangspunkt, und nun erzählt Maja, wie es zu all dem kommen konnte – aus ihrer Sicht. Die Szenen springen zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, gelegentlich so subtil, dass es der Zuschauer schwer hat, dem Handlungsstrang zu folgen. Maja beginnt zu erzählen. Wie lange Hanno bereits an den Entwürfen für das Afrika-Projekt gearbeitet hatte, bis endlich die Einladung nach Namibia kam. Dass der Kollege Achim, der kurz vor der Insolvenz steht, sich auch um das Projekt beworben hat – und eifersüchtig auf den Erfolg des befreundeten Paares ist. Plötzlich taucht Achim in Windhuk auf. Und die Reise beginnt, sich für Maja zur Nervenprobe zu entwickeln: Auf einem Markt im Township Katutura wird sie überfallen. Doch während die Polizei von einem harmlosen Angriff auf eine Touristin ausgeht, glaubt Maja, dass sie jemand vorsätzlich töten wollte. Vielleicht der Kollege, um die Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen? Die Ingenieurin steigert sich immer mehr hinein, wähnt überall Verschwörungen und fühlt sich nirgends sicher. Nur zu der deutschen, äußerst hübschen Ärztin Laura Steinborn (Mina Tander) fasst sie Vertrauen. Zunächst. Doch warum reist die Ärztin eigentlich alleine? Und hat Maja sie nicht in Berlin schon einmal gesehen?

Es gibt viele Ungereimtheiten in diesem ZDF-Fernsehfilm. Die Handlung springt, die Intentionen der Figuren bleiben bis zuletzt unklar – dass am Ende doch alles anders ist, als die zunächst gelegten Fährten annehmen lassen, ist für einen Fernsehkrimi da ja schon fast obligatorisch. Und dennoch bleiben am Ende Fragen offen. Die Motive werden angeschnitten, bleiben letztendlich aber an der Oberfläche. Christiane Paul spielt überzeugend – bleibt aber erstaunlich blass in dem kargen Wüstenumfeld, das ohnehin einen düsteren Schleier über den Film legt. Die Weite, die Schönheit der Natur, die Tierwelt – all das, weswegen vor allem deutsche Produktionsfirmen in den vergangenen Jahren in Namibia Filme am laufenden Band gedreht haben, verschweigt „Der Verdacht“ bewusst – oder münzt es gar in Bedrohung um. Das ist zwar Vorsatz und allemal besser, als Namibia zur Kulisse eines weiteren „Mein Herz in Afrika“-Films zu machen, ist aber dennoch schade. So bleibt der Krimi ein Kammerspiel im Wüstensand.

Der Spielfilm „Der Verdacht“ mit Christiane Paul kommt am Montag um 20.15 Uhr im ZDF.