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Medien & TV Kampf gegen neues „Geisternetz“
Nachrichten Medien & TV Kampf gegen neues „Geisternetz“
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13:52 11.04.2009
Quelle: Paul J. Richards/afp
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Die Wissenschaftler hatten vor zwei Wochen das „GhostNet“, das „Geisternetz“ entdeckt. Dabei stellten sie fest, dass an die 1300 Rechner in über hundert Staaten in den vergangenen zwei Jahren infiltiert worden sind.

Das US-Verteidigungsministerium, seit jeher ein bevorzugtes Ausspähungsobjekt, will nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp in seinem Haushalt für 2010 die Zahl seiner Abwehrexperten im Kampf gegen das „Geisternetz“ in „großem Ausmaß“ aufstocken. Das bestätigte ein Angehöriger des Geheimdienstes CIA in Washington, ohne Zahlen zu nennen. Das Pentagon musste in der Vergangenheit schon mehrere Male zahlreiche Computer abschalten, weil Hacker die virtuellen Mauern überwunden hatten.

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Die Computerspionage hat auch gegen Deutschland in beachtlichem Maß zugenommen. Vor allem die Netzwerke der Bundesregierung sind das Ziel der Attacken. Der Abteilungsleiter für Spionageabwehr beim Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz, Burkhard Even, wies darauf hin, dass „täglich“ Angriffsversuche auf Rechner der Bundesregierung festzustellen seien. Die kanadischen Forscher vermuten, dass hinter dem raffiniert angelegten Spionageprogramm vor allem die Chinesen stecken. Sie wollen nach Angaben der Geheimdienste herausbekommen, wie sich Berlin und auch Regierungen in aller Welt „politisch und wirtschaftlich verständigen, abstimmen und absprechen“.

Die Wissenschaftler in Toronto kamen dem Netzwerk auf die Spur, als sie im Auftrag des Dalai Lama dessen Computer auf schädliche Software prüften. Der Dalai Lama ist eines der „Angriffsziele“ der Chinesen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, das seit den 50er Jahren im indischen Exil lebt, wollte sicherstellen, dass seine Rechner nicht von den chinesischen Behörden überwacht und ausspioniert werden.

Einen Hinweis, dass die Ausspähungen von chinesischer Seite kamen, lieferte nach Presseberichten dieser Vorgang: Das Büro des Dalai Lama hatte einem Diplomaten per E-Mail eine Einladung zu einem Empfang geschickt. Kurz danach rief ein chinesischer Regierungsvertreter aus Peking bei dem Diplomaten an, um ihn von diesem Besuch abzuraten.

Ein Spionageverdacht gegen Peking hatte auch die Chinareise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende August 2007 überschattet. In mehreren Bundesministerien und im Kanzleramt waren vorher auf vielen Computern Spionageprogramme aus China gefunden worden. Auch das Auswärtige Amt wurde infiltriert. Die Angriffe mit den sogenannten Trojanern, die das unbemerkte Ausspähen der Computer ermöglichen, gingen nach Darstellung des Kölner Verfassungsschutzes auf Hacker der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurück.

China versprach der Kanzlerin, „entschlossen“ Maßnahmen zu ergreifen, um Hacker-Angriffe gegen deutsche Regierungsstellen und Unternehmen zu verhindern. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten diese Angriffe bis zu Servern in verschiedenen chinesischen Provinzen zurückverfolgen können. Nach Darstellung von Verfassungsschützern entstehen der deutschen Wirtschaft durch Know-how-Diebstahl durch die Chinesen, aber auch durch Russland, jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Dadurch wollen sich diese Länder Eigenentwicklungen ersparen und schneller produzieren.

Nach einer Umfrage der „Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft“ (ASW) erwarten 76 Prozent der deutschen Firmen, dass die Angriffe aus dem Internet auf die Computer der deutschen Firmen in der nächsten Zeit noch zunehmen werden.

ddp

Christiane Eickmann 10.04.2009