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15:41 29.06.2009
Kinder am Computer: Wer beim Einrichten einer E-Mail-Adresse für sein Kind ein paar Dinge beachtet, schützt es vor Belästigungen. Quelle: Jana Striewe
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Nadine ist neun Jahre alt, mag Pferde und findet die Jungs von Tokio Hotel unheimlich süß. Das steht zumindest in ihrem Profil in einem Kinderforum. Im wahren Leben ist Nadine 48 Jahre alt und heißt Horst.

Es ist der Albtraum von Eltern, deren Kinder sich im Internet rumtreiben: dass zwielichtige Gestalten im Netz Kontakt zu den Kindern aufbauen, sich deren Vertrauen erschleichen und sie zu einem Treffen oder zum Austausch von Fotos überreden. Die Angst ist nicht unberechtigt. Denn sich im Netz eine falsche Identität zu verschaffen ist – wie in unserem fiktiven Beispiel – sehr einfach. Und es gibt mehrere Fälle, in denen sich Pädophile ihre Opfer im Internet gesucht haben. Im Juni hatte etwa die Polizei in Goslar einen 31-Jährigen verhaftet, der eine Zwölfjährige missbraucht hatte. Der Mann hatte das Mädchen zuvor in einem Chatroom kennengelernt.

Werbung für Pornoseiten

Um ihre Kinder zu schützen, sollten sich Eltern deshalb dafür interessieren, was sie online treiben und ihnen die umsichtige Nutzung des Internets beibringen. Das beginnt schon bei der Benutzung von E-Mails. Denn allein damit, dem Kind bei einem Freemail-Dienst eine Adresse einzurichten, ist es nicht getan. Selbst neu erstellte Mailadressen werden binnen kürzester Zeit mit unerwünschter Werbung, sogenanntem Spam, überflutet. Darunter befindet sich dann auch häufig Werbung für Pornoseiten im Internet, die wirklich nicht für Kinder geeignet sind.

Mehrere kostenlose Maildienste haben sich auf Angebote für Kinder spezialisiert. Spam wird dort zum größten Teil aussortiert, außerdem schützen Filterfunktionen die Kinder vor unerwünschten Kontakten. Bei Mail4Kidz (www.mail4kidz.de) zum Beispiel erhalten ausschließlich Kinder E-Mail-Adressen. Zur Anmeldung benötigen sie eine Bestätigung ihrer Eltern oder Lehrer. So wollen die Betreiber verhindern, dass sich Erwachsene als Kinder ausgeben und den Dienst nutzen. Standardmäßig können bei Mail4Kidz lediglich Briefe von Absendern empfangen werden, die ebenfalls den Dienst nutzen. Alle anderen Mails werden automatisch gelöscht – sofern das Kind den Absender nicht auf seine Freundesliste gesetzt hat.

Ähnlich funktioniert auch die Grundschulpost der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (www.grundschulpost.de), die nur von Grundschülern genutzt werden darf. Die Grundschulpost ermöglicht Eltern Kontrolle über das Mailverhalten ihrer Kinder. Denn von allen elektronischen Briefen, die das Kind dort verschickt oder empfängt, wird eine Kopie an die Eltern weitergeleitet. Anders als bei Mail4Kids werden Schreiben von Leuten, die nicht auf der Freundesliste stehen, allerdings nicht gelöscht. Das Kind erhält die Absenderzeile, die Betreffzeile und einen Warnhinweis. Es entscheidet dann selbstständig, ob es sich die Mail anschauen möchte und den Absender seiner Freundesliste hinzufügen will. An die Eltern indes wird die Mail komplett gesendet.

Filter auch fürs Surfen im Netz

Filter gibt es aber nicht nur für E-Mails. Auch für das Surfen im Internet können solche Funktionen aktiviert werden. Windows Vista und XP zum Beispiel beinhalten bereits ein umfangreiches Filterpaket. Der beste Filter allerdings ist ein Erwachsener, der mit dem Kind zusammen surft und darauf achtet, dass es keine ungeeigneten Inhalte zu sehen bekommt. Das allerdings kann keine Dauerlösung sein, denn die Kinder müssen lernen, allein durchs Netz zu surfen. Dafür ist es wichtig, sie über die Gefahren aufzuklären und ihnen Regeln zur Nutzung zu vermitteln.
Zu diesen Regeln gehört zum Beispiel, dass persönliche Daten wie der vollständige Name, die Anschrift, die Telefonnummer oder auch der Name der Schule im Internet nicht preisgegeben werden. Auf den Schutz der persönlichen Daten sollten die Eltern bereits beim Anlegen der E-Mail-Adresse achten. Wer sich für eine Mailadresse in der Art „Vorname.Nachname.Geburtsjahr@Gratis-Maildienst“ entscheidet, gibt damit schon eine Menge von sich preis – und das gegenüber jedem Menschen, dem man seine E-Mail-Adresse verrät. Besser ist also die Verwendung von Pseudonymen.

Eine weitere wichtige Regel ist, dass sich Kinder niemals mit Onlinefreunden verabreden, die sie nur aus dem Internet kennen, ohne dass die Eltern davon erfahren. Ein Treffen sollte es nur geben, wenn die Eltern der Verabredung zugestimmt haben und das Kind zu dem Treffen begleiten. Überhaupt sollten Kinder gegenüber Onlinefreunden vorsichtig sein: Sie sollten ihnen nichts erzählen, was sie anderen Freunden im wahren Leben nicht auch erzählen würden. Besser noch ist eine Regelung nach dem Motto: „Erzähle nichts, was dir unangenehm wäre, wenn es in der Zeitung stünde.“ Schließlich kann man nie wissen, ob die Internetbekanntschaft wirklich vertrauenswürdig ist. Weitere Sicherheitstipps gibt es im Internet unter www.blinde-kuh.de/fbitips.html#kids.

Irgendann landen Kinder auf entsprechenden Seiten – und dann?

Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Kinder nicht vor allem Internetschmutz schützen können. Sind die Kinder erst einmal allein im Netz unterwegs, werden sie früher oder später schon aus Neugierde auf einer Seite mit pornografischen oder gewalttätigen Inhalten landen. In solchen Fällen oder wenn sie im Netz auf etwas treffen, dass sie ängstigt, ist es wichtig, dass sich die Kinder den Eltern anvertrauen können, ohne Strafe zu fürchten, um über das Gesehen zu reden und es einordnen zu können.

Ohnehin sollten sich Eltern auch selbst mit dem Netz vertraut machen, bevor sie ihre Kinder surfen lassen. Gute Startadressen dazu sind www.klicksafe.de, www.internet-abc.de und www.jugendschutz.net/eltern/surfen


Von Sascha Aust

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